Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

PR-Beben: Das deutsche Handwerk und Haiti

Die Erde hat gebebt und mit Haiti stand ein Land im Epizentrum dieser Katastrophe, das es ohnehin schon schwer genug hat. Auch wenn das Erdbeben nur einen Teil der Karibikinsel Hispaniola getroffen hat, so sind die Auswirkungen doch weltweit zu spüren. Thomas Gottschalk sammelte in seiner „mit der heißen Nadel gestrickten“ Spendengala über 17 Millionen Euro, George Clooney’s „Hope for Haiti Now“ Gala brachte es auf unglaubliche 57 Millionen Dollar. Aber nicht nur in Sachen Spendenaufrufe veränderte die Tragödie von Haiti unsere Fernsehlandschaft, auch das deutsche Werbefernsehen spürt die Auswirkungen.
50 Millionen Euro lässt sich der Deutsche Handwerkskammertag (DHKT) seine auf fünf Jahre angelegte Imagekampagne kosten. Herzstück der Kommunikation ist nach eigenen Angaben ein „außergewöhnlicher Spot“, der die Frage beantwortet, wie unsere Welt ohne das Handwerk aussähe. Menschen gehen durch die Straßen Berlins, um sie herum pulverisiert sich alles. Eine Zeitung löst sich auf, Kleidung zerfällt in ihre Einzelteile, Gebäude stürzen ein.




Durch den Claim „Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan.“ soll vor allem Jugendlichen die „soziale und gesellschaftliche Bedeutung“ des Handwerks vor Augen geführt werden. Die Agentur Scholz & Friends liefert neben dem Spot eine bundesweite Plakat- und Anzeigenkampagne. Die jugendliche Zielgruppe soll außerdem durch den Internetauftritt handwerk.de erreicht und für einen handwerklichen Ausbildungsberuf begeistert werden. Eine strategisch runde Kommunikationskampagne. Wäre da nicht Haiti.
Erstmalig rauschte der TV-Spot am Samstag den 16. Januar um 20.14 Uhr auf allen deutschen Privatsendern über die Bildschirme. Drei Tage nach dem Beben. Bis auf Weiteres soll dies der einzige Auftritt der „Wirtschaftsmacht Handwerk“ im deutschen Fernsehen bleiben. Nach Kritik der Zuschauer, die den Imagespot mit Nachrichtenbildern aus dem Katastrophengebiet Haiti verbanden, entschied der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) die Ausstrahlung auszusetzen. Der Präsident des ZDH Otto Kentzler erklärte, die Kampagne werde ohne den Spot fortgesetzt. Seiner Meinung nach gab es keinen Grund den Kampagnenstart zu verlegen. Der Spot „zeigt mit eindrucksvollen Bildern die Bedeutung des Handwerks für unsere Gesellschaft. Nach und nach löst sich all das auf, was vom Handwerk geschaffen wurde […]. In der Darstellung wird niemand verletzt, nichts zerstört.“ Kentzler betonte jedoch sogleich, das soziale Engagement des Handwerks nach Naturkatastrophe wie der Elbe-Flut oder dem Tsunami.
50 Millionen Euro zum Aufbau eines modernen, innovativen Images: Auch wenn bei dieser Kommunikation nicht alles reibungslos nach Plan verlaufen ist, kann man doch von einem Erfolg reden. Die Imagekampagne des Handwerks ist im Gespräch. Scholz & Friends kann sich nun auszeichnen, indem sie die Gelegenheit ergreifen und aus der Not eine Tugend machen. Improvisation ist gefragt. Was könnte Jugendliche wohl besser motivieren sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, als aktiv in dessen Gestaltung eingebunden zu werden?

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5 Responses so far.

  1. Hoefelmann sagt:

    Wenn ich das richtig verstehe, haben die das ja vorsätzlich veröffentlicht. Sie hätten die Ausstrahlung ja auch noch stoppen können!? Klar erzeugt das Publicity und der Spot ist auch kreativ, aber vom reinen Gucken denkt man schon sofort an Haiti. Und wenn man weiß, dass da das Beben schon drei Tag gewesen ist, dann ist das nicht gerade pietätvoll. Wieso der Handwerks-Präsident keinen Grund für eine Terminverlegung sieht, ist allerdings sehr irritierend…. Also auf mich wirkt das schon nach einer bewussten Provokation um Anschlusskommunikation zu erzeugen.

  2. Soeder sagt:

    Neee das glaub ich nicht, dass man das absichtlich gemacht hat um zu provzieren. So pietätlos ist doch keiner, außerdem ist klar, dass das nach hinten losgeht!?

  3. Hoefelmann sagt:

    Ja gut, aber wenn Du weißt, dass es als pietätlos aufgenommen wird, warum stoppst Du dann die Ausstrahlung nicht. Man hatte ja nach dem Beben drei Tage Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Und wenn man dann die Ausstrahlung gleich wieder stoppt, warum strahlt man dann überhaupt erst aus!?

  4. Joana Witt sagt:

    Auf der Website der Kampagne läuft der Spot auch ganz normal weiter. Es gibt nicht mal einen Kommentar zum Ausstrahlungsstopp! Also wenn schon, denn schon. So wie es abgelaufen ist erscheint mir der Stopp etwas scheinheilig!

  5. Also meiner Meinung nach hätte man dann auch die Plakatwerbung einstellen sollen. Ohne den Spot ergibt diese wenig Sinn, ich hab jedenfalls auf den ersten Blick nicht verstanden was die von mir wollten – und das sollte eigentlich das Ziel bei out-of-home Werbung sein. Ansonsten schließ ich mich Joana an: wenn schon denn schon.

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