Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

Der DRPR und die Suche nach der Web-Ethik

Der Deutsche Rat für Public Relations schickt sich nun schon eine ganze Weile an, die PR-Schaffenden hierzulande in ethisch und moralisch korrekter Ausübung ihres Berufs zu einen. Ins Feld geführt werden dabei immer wieder Absenderklarheit und das Gebot der Transparenz. Das Resultat: Viel Diskussion und Häme, wenig Greifbares.

Aktuell arbeitet der DRPR an seiner siebten Richtlinie, die die Überschrift „PR in digitalen Medien und Netzwerken“ trägt. Diese kommt reichlich spät daher und so wirkt der erste Satz der Präambel (Zitat: „Online Kommunikation nimmt einen immer größeren Stellenwert in der gesamten Public Relations Branche ein – national wie international.“) denn auch sehr anachronistisch, hätte es einer solchen Richtlinie doch schon vor einigen Jahren bedurft. Worum geht es also? Zum einen um „klassische“ Online-Kommunikation (…) –  mit Journalisten als Gatekeepern“, zum anderen um PR im „Social-Web“.

Natürlich stehen aus Sicht des DRPR auch in Sachen Online-Kommunikation Transparenz und Absenderklarheit an erster Stelle. Journalisten dürften also nicht gekauft werden und bei Meinungsäußerungen in Blogs müsse klar kenntlich gemacht werden, auf wessen Gehaltsliste man direkt oder indirekt stehe. Soweit, so gut. Dann aber driftet Richtlinie Nummer sieben leider in die Banalität ab: „Mystery-Phasen“ seien als „überraschendes Element in Kampagnen“  okay, Auftraggeber müssten ihren Agenturen auf die Finger schauen, selbst Testberichte müssten den Verweis auf die Bezugsquelle des jeweiligen Produkts enthalten. Es sind vor allem solche überflüssigen und schwerlich realisierbaren Vorgaben, die eine im Kern sinnvolle und nötige Richtlinie verwässern.

Doch noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Erstmals bietet der DRPR allen Interessierten die Chance, die Leitlinie mitzugestalten. Waren die Regeln eins bis sechs noch Ergebnis der Arbeit konspirativer Expertenkreise, wird Nummer sieben ganz im Sinne des Social-Media-Gedankens online zur Diskussion gestellt. In diesem Sinne ist es vor allem an den Kritikern des DRPR, die Richtlinie zu ergänzen. Bei Erfolg sollte man auch eine Überarbeitung der Regeln eins bis sechs in Aussicht stellen.


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5 Responses so far.

  1. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Martin Höfelmann erwähnt. Martin Höfelmann sagte: RT @PR_Studenten Neu im #Blog: Der #DRPR und die Suche nach der Web-Ethik http://bit.ly/dgsvLm […]

  2. Jens Voshage sagt:

    Ich finde mitnichten, dass die Richtlinie ins Banale abdriftet. Eine Richtlinie gibt Orientierung. Und zwar nicht nur den PR-Profis, die verantwortungsvoll ihrem Beruf nachgehen (die brauchen solche Richtlinien nicht), sondern auch Menschen, die sich über Kommunikations- und PR-Ethik noch nie Gedanken gemacht haben. Als Dozent an der FHH habe ich mehrfach im 2. und im 4. Semester (PR und J) gehört „Was schert mich die Ehtik – das ich das Ziel erreiche ist wichtig“. Da müssen unter anderem die Richtlinien des DRPR und die PR-Codizes aufzeigen, dass diese Haltung unprofessionell und falsch ist.

    Bei der Beurteilung des Entwurfs der Social-Media-Richtlinie bitte auch bedenken, dass es noch nicht bei vielen PR-Schaffenden zum Arbeitsalltag gehört, mit Facebook, Twitter und Youtube PR zu machen. Und selbst die, die es machen, sind häufig noch im Versuchsstadium und weit ab von strategisch geplanter Kommunikation. Daher kommt die Richtlinie auch nicht reichlich späte, sondern zu einem guten Zeitpunkt.

    Zwei Dinge vermisse ich beim PRSH in dieser Frage:
    1. Eine Kennzeichnung, wessen Meinung der Blogbeitrag eigentlich darstellt. Ist es eine Einzelmeinung oder vertreten die genannten Standpunkte die PR-Studierenden aus Hannover?
    2. Denn Diskussionsbeitrag auf den Seiten des DRPR. Denn auf dem eigenen Block meckern kann jeder – sich in die Diskussion einzumischen und seine Standpunkte zu vertreten, ist dann schon eine andere Sache. Und statt nur zu bemängeln, konstruktiv die Sache voranzubringen – da wird es dann richtig schwierig.

    Ich freue mich darauf unter
    http://drpr-onlinerichtlinie.posterous.com/16075382
    sinnvolles von den PRSH zu lesen!

    Jens Voshage

  3. Tobias Köhne sagt:

    @ Jens Voshage:

    Keine Frage, das Ablehnen einer Berufsethik halte ich ebenso für unprofessionell und falsch und dass Sie diese Meinung mehrfach im Unterricht gehört haben, kann ich mir nur allzu gut vorstellen. Es ist aus meiner Sicht auch wichtiger Aspekt der Lehre, hier Abhilfe zu schaffen und für ethische Konflikte und Fragestellungen zu sensibilisieren. Letztendlich wird sich dies auch in einer zunehmenden Professionalisierung des Berufsstandes PR/Kommunikation niederschlagen.

    Ich möchte hier nochmal klar festhalten, wie auch im Artikel zu lesen ist, dass ich die Richtlinie als relevant und im Kern korrekt erachte. Problematisch ist aber, dass einige Punkte fern des Realisierbaren sind. Versendet ein Anbieter ein Testprodukt an einen Blogger oder eine Online-Redaktion, kann es doch nicht Sache des Unternehmens sein, dafür Sorge zu tragen, dass der Testende den Absender des Produkts benennt (wer wenn nicht das Unternehmen versendet Testprodukte?). Ähnlich liegt es auch bei dem folgenden Punkt, dass redaktioneller Content und PR zu unterscheidbar sein soll. Wer ist hier derjenige, der dafür Sorge tragen muss? Hier sind die Redaktionen in der Pflicht. Es ist vermessen sinngemäß zu fordern, dass PR-Profis unter Pressemitteilungen den Passus „Bei Nutzung bitte als PR-Material kennzeichnen“ unter Pressemitteilungen oder ähnliches setzen.

    Die Richtlinie kommt also nicht zu spät, weil erst jetzt der Großteil der Branche bemerkt, dass es sich im Internet vortrefflich kommunizieren lässt? Auch hier widerspreche ich. Die Onlinekommunikation findet schon einige Jahre statt, auch ohne Twitter, Facebook und Co. Die Grundmauern der Richtlinie hätten also schon längst feststehen können und im Zuge der Social-Media-Entwicklung ergänzt werden müssen. Aber es gilt: Lieber spät als nie.

    Zu 1. Der Beitrag stellt die Meinung des PRSH dar. Ein Kommentar sieht aus Meiner Sicht anders aus. Letztendlich ist Thema der Nachricht, dass die Richtlinie zur Diskussion steht und dass dieser Schritt hin zu einer Öffnung des DRPR absolut positiv zu sehen ist, auch in Anbetracht der Legitimationsproblematik, die immer wieder Thema ist.

    Zu 2. Der PRSH verfolgt natürlich die Diskussion zur Richtlinie und wird sich in Form von Mitgliedern oder als Kollektiv dazu äußern. Vollkommen transparent versteht sich.

  4. Jens Voshage sagt:

    Hallo Tobias Köhne,
    warum diskutieren wir das inhaltliche nicht unter
    http://drpr-onlinerichtlinie.posterous.com/16075382 ?
    Da gehört es doch hin. Ihre Anmerkungen sind doch wichtige Hinweise, die in die Überarbeitung einfließen sollten.
    Jens Voshage
    P.S.: Ich denke, Sie haben die Zielrichtung von V.2 nicht ganz verstanden. Ich kann mir gut vorstellen, worauf die Autoren hinaus wollen. Aber lassen Sie uns das bitte bei der Richtlinie diskutieren. Ich finde nichts schlimmer im Netz als die vielfachen Paralleldiskusionen.

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