Als Hochburg der PR kann Niedersachsen nun wahrlich nicht bezeichnet werden. Obwohl große Unternehmen wie Continental, VW oder die Tui hier ihren Sitz haben. Und mal abgesehen von einigen Werbeagenturen, kann man die PR-Agenturen in der Landeshauptstadt Hannover an einer Hand abzählen. Doch woher kommt das?
„Das habe ich mich auch schon immer gefragt“, meint Thorsten Windus-Dörr, Geschäftsführer der Agentur Eins A Kommunikation in Hannover. Rein geografisch gesehen liegt Hannover optimal, sowohl aus dem Norden als auch aus dem Süden Deutschlands ist die Stadt an der Leine gut und vergleichsweise schnell zu erreichen. Hinzu kommt, dass viele Zugverbindungen über Hannover führen – hier halten die meistens ICEs in ganz Deutschland. Wer nach Hamburg oder Berlin will, kommt um Hannover nicht herum.
Windus-Dörr ergänzt: „Außerdem gibt es in PR-Hochburgen wie München oder Hamburg auch nicht viel mehr Unternehmen als bei uns.“ Es scheint allerdings so, als gäbe es einen steigenden Bedarf an externer Beratung in der Landeshauptstadt. Auf die Frage, ob er als Geschäftsführer einer PR-Agentur in Hannover einen schweren Stand hat, antwortet Windus-Dörr: „Mein Partner und ich haben Eins A Kommunikation vor zwei Jahren gegründet. Und sind seitdem voll im Geschäft.“
Trotzdem sind Jobangebote für die Branche in Niedersachsen überschaubar. Dem gegenüber steht geballte Ausbildungskraft: Rund 400 Studenten sind aktuell für das Fach Public Relations/Kommunikationsmanagement in Niedersachsen eingeschrieben. Denn die FH Osnabrück/Lingen und die FH Hannover sind zwei der wenigen staatlichen Hochschulen in Deutschland, die dieses Studienfach überhaupt anbieten. Somit wären professionell ausgebildete PR-Fachleute bereits an Ort und Stelle.
Über die Ursachen, warum in Niedersachsen und der Landeshauptstadt Hannover die PR-Landschaft so kümmerlich ausgebildet ist, können wir an dieser Stelle nur spekulieren. Vielleicht hat es etwas mit dem Image der Stadt zu tun. Aber das verbessert sich dank Oslo-Lena, Präsident-Anwärter Christian Wulff und (trotz Alkohol-Ausrutscher) Ex-Bischöfin Margot Käßmann ja auch gerade.
Hier übrigens ein lustiger Artikel über Hannover:
http://www.sueddeutsche.de/politik/hannover-blueht-auf-phaenomen-an-der-leine-1.954222
Ist am 07.06.2010 auf der Titelseite der Süddeutschen erschienen.
Würde sagen, das ist historisch bedingt. Die großen Agenturen haben sich eben woanders herausgebildet. Gleichzeitig sind Hamburg, München, Düsseldorf oder Berlin halt vom Image her, gerade auch kreative Städte. Für die ganz große PR ist das Stadt-Image dann vll. doch etwas zu diffus.
Der Hauptgrund, so finde ich, liegt aber dennoch im wirtschaftlichen Umfeld. Ich sehe da Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf um Längen vorne im Hinblick auf das wirtschaftliche Umfeld. Und Berlin ist nun mal Regierungssitz.
Das Umsatzbarometer des PR-Journal weist Niedersachsen übrigens als absolutes PR-Entwicklungsland aus, auf Augenhöhe mit Thüringen und Sachsen-Anhalt.
Mh, ich finde, in Niedersachsen bzw. Hannover gibt es schon ein großes wirtschaftliches Umfeld, das durchaus mit anderen Regionen vergleichbar ist!
Hier beispielhaft ein paar Infos dazu:
http://www.innovatives.niedersachsen.de/inhaltsseiten/nebenmenue-links/wirtschaftsstandort-niedersachsen.html
Und das mit dem Image habe ich ja auch angesprochen… Vielleicht sollten wir an der FHH mal ein Konzept zur Image-Verbesserung für die Stadt/das Land erstellen
München und Hamburg sind historische Verlagshochburgen, Frankfurt Finanzstandort. Eng an den Journalisten zu sein, ist sicher ein Standortvorteil, trotz der eventuell räumlichen Distanz zu den Kunden. Den Wechsel in den Süden hat bislang von meinen Kollegen noch niemand bereut.. (-;
Mh, das leuchtet natürlich ein. Obwohl in Hannover der Spiegel gegründet wurde und Madsack momentan wächst und wächst, ist Hannover auf dieser Ebene lange nicht mit den beiden Städten zu vergleichen. Danke für den Input!
naja Madsack alleine hilft dann auch nicht. Finde es aber lustig, dass Hannover sich selbst auch gerne “Medienstadt Hannover” nennt.
Wäre übrigens mal ganz interessant zu wissen, wie viele von den wenigen Agenturen denn dann auch tatsächliche eine vernünftige Volontärsausbildung anbieten.
Tolles Thema für den nächsten Blogeintrag inkl. Umfrage in Hannover.