Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

Peta, Puten und Politik

Ein (Kommunikations-)Drama in drei Akten: Astrid Grotelüschen, ehemalige Geschäftsführerin der zweitgrößten Mastputenbrüterei Deutschlands und aktuelle Landwirtschaftsministerin von Niedersachsen, wird von der Tierrechtsorganisation Peta scharf kritisiert. Die Reaktion ihrerseits auf die Vorwürfe der Peta waren, vorsichtig ausgedrückt, unglücklich.

In letzter Zeit gab es eine Menge Aufruhr in der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft. Als gäbe es nicht schon Hühner genug, werden – so scheint es – im Wochentakt neue Massenzuchtanlagen aus dem Boden gestampft. Dabei ist der Bedarf an Geflügel (ja, auch an billigstem) hierzulande gedeckt. Doch die EU macht‘s möglich: Der Export des geschmacksneutralen Billigfleischs wird gefördert, auf dass das Deutsche Huhn auch anderswo Märkte und Preise zerstört. Eine der geplanten Anlagen bei Sprötze wurde kurz vor ihrer Fertigstellung in Brand gesetzt. Bühne frei für den vorläufigen Höhepunkt eines kommunikationstechnisch hoch interessanten Schauspiels.

Die Hauptrollen sind klar vergeben: Auf der einen Seite Astrid Grotelüschen, aktuelle Landwirtschaftsministerin von Niedersachsen, auf der anderen Seite die Tierrechtsorganisation Peta, irgendwo zwischen den Fronten die Betreiber der Zuchtanlagen.

Im ersten Aufzug, der bereits vor einigen Wochen stattfand, wurde Grotelüschen Opfer einer vermeintlichen Kampagne der Peta. Die Tierschützer hatten in diversen Zuchtanlagen, die von ihrer ehemalige Firma (jetzt unter Leitung ihres Mannes) mit Küken beliefert wurden, Filmaufnahmen von verendeten und kranken Tieren gemacht und Grotelüschen angezeigt. Prompt war die Ministerin als Lobbyistin von Wulffs Gnaden abgestempelt und verhielt sich denn auch alles andere als geschickt. Da gab es Faxe von ihrer Nummer an die Inhaber der Betroffenen Zuchtbetriebe, einen Ehemann der verdeutlichen wollte, dass er praktisch kein Wort mit seiner Frau spricht und Astrid Grotelüschen selbst, die beteuerte, mit den Geschäften ihres Mannes nichts mehr zu tun zu haben. Glaubwürdig geht anders, urteilte nicht nur die Opposition.

Im zweiten Akt brachte dann der Brandanschlag auf die Anlage in Sprötze zusätzlichen Zündstoff in die Debatte. Emotionale Bilder (sie mit trauriger Mine am Mikrofon, dahinter die Betreiberfamilie Arm in Arm vor den Überresten der Zuchtanlage, die „Platz“ für 36.800 Tiere bieten sollte) und noch stärkere Unterstützung für die Ministerin seitens der Agrarindustrie im Kampf gegen die vermeintlich militanten Tierschützer waren das Resultat.

Für Spannung im dritten Akt ist gesorgt. Wird auch der größte Schlachthof Europas, der im niedersächsischen Wietze errichtet wird und in dem täglich (!) 430.000 Tiere sterben werden, einem Brandanschlag zum Opfer fallen? Wird Grotelüschen doch noch zur Tierfreundin? Und welche Rolle wird Wilhelm Hoffrogge, Vizepräsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft, spielen? Er scheint zumindest eine ehrliche Haut zu sein. Im Zeit-Interview bezeichnet er Geflügel als Fleisch der Zukunft. Nur würzen müsse man es gut. „Alles was so schnell wächst, hat nun mal nicht viel Geschmack.“ Noch beeindruckender scheint da seine Idee, einen gläsernen Stall auf den Grundmauern der abgebrannten Anlage in Sprötze zu errichten. Der Kunde solle endlich wissen, wie moderne Hähnchenmast aussehe, so Hoffrogge. Bleibt abzuwarten, ob dies wirklich im Interesse seines Verbandes ist. Fortsetzung folgt.


One Response so far.

  1. Sven sagt:

    Kommunikationsdesaster ja – aber noch viel verwunderlicher finde ich, dass es nicht gerade wenige Bereiche gibt in der sich Wirtschaft und Politik so unglücklich überschneiden.

    Wie kann jemand, der selbst einen Mastbetrieb geleitet hat und nun vom Ehemann leiten lässt Landwirtschaftsministerin sein.

    Das ist so als ob man die Leitung der Bundeswehr einem Waffenkonzern überlässt.

    Aber so ähnlich läuft es ja ab – Ob Arzneimittel oder Strom – die Trennung von Anbietern und Kontrolleuren ist oftmals nicht gegeben und führt letztendlich nicht nur zum Kommunikationsgau – das ist zu verkraften – sondern zu einer Verschlechterung der Gemeinschaftsinteressen.

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