Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

PR-Forum: Gesellschaftlicher Wandel

24 PR-Praktiker und Wissenschaftler auf fünf Podien, rund 200 Zuschauer, viele neue Einblicke und Kontakte – die Bilanz des vom PRSH organisierten Niedersächsischen PR-Forums in Hannover kann sich sehen lassen. Kommunikationsprofis von VW, Continental, Dr. Oetker, Microsoft und E-Plus diskutierten am Freitag auf der von Studenten organisierten Veranstaltung über Bezugsgruppenwandel, Ethno-PR, CSR, interne und politische Kommunikation.

„Gesellschaftsrevolution! Kommunikationsevolution?“ lautete das Motto der Veranstaltung im Radisson Blu Hotel an der Expo Plaza in Hannover.

Stefan Wenzel bei der Keynote: Die Bürger suchen nach neuen Antworten

Für den Einstieg in die Thematik sorgte der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Niedersachsen, Stefan Wenzel. Es gäbe eine Reihe von Indikatoren, die für einen gesellschaftlichen Wandel sprächen. Finanzkrise, Fukushima, Stuttgart 21 – die Menschen seien zutiefst verunsichert und damit auf der Suche nach neuen Antworten.

Im Anschluss saßen mit Felix Gress (Continental), Andreas Meurer (VW Nutzfahrzeuge), Hartwig von Saß (Deutsche Messe), Karl-Heinz Heuser (Burson-Marsteller) und Peter Szyszka (Uni Wien) fünf Kommunikationsprofis auf der Bühne, die diesen Gedanken aufgriffen.

Heuser vertrat dabei deutlich die These, dass Kunden Unternehmen in Zukunft immer häufiger die Frage stellen würden, wie denn ihre gesellschaftliche Wertschöpfung aussähe. Dies müsse daher Teil des betriebswirtschaftlichen Denkens in Unternehmen werden. Die Ansprüche der Bezugsgruppen seien erheblich gestiegen.

Empörungsgesellschaft also? – Ja, irgendwie schon, fand man auf dem Podium. Aber womöglich nicht immer bedeutsam. Kritisch sei daher für Unternehmen immer die Frage der Bewertung. Gress: „Sie können nicht jedes kleine Feuer austreten“. Und Meurer: „Manche Dinge muss man auch einfach mal aussitzen.“

Von Klosterbibliotheken, Werkszäunen und alten Hüten

Eröffnungspodium: Von Klosterbibliotheken, Werkszäunen und alten Hüten

Schnell drehte sich die Diskussion jedoch eher um den Weg der Übermittlung als die inhaltliche Aussage. Insbesondere die radikalen Äußerungen von Andreas Meurer in Bezug auf Onlinemedien sorgten für Geraune im Saal – und auch virtuell bei Twitter. Der Kommunikationsleiter von VW-Nutzfahrzeuge bemängelte die fehlenden persönlichen Kontakte mit Onlinejournalisten und Bloggern. Es handele sich um eine „anonyme Masse“, um Leute die „irgendwas zurecht zimmern“. Viele Onliner hätten einfach kein Abbild mehr von der Realität. „Andreas Meurer befindet Onlinejournalisten für inkompetent und nicht nach journalistischen Sorgfaltskriterien arbeitend“, hieß es schon Sekunden später bei Twitter.

Während Meurer sich an den negativen Einflüssen des Web festgebissen hatte, konnte Hartwig von Saß diesem auch wertschöpfende Aspekte abgewinnen. Direktes Feedback führe zu besserem Service, personelle und finanzielle Investitionen für Onlinekommunikation seien sinnvoll.

In einem erstaunlich weit geschlagenen Bogen fasste Conti-Kommunikator Felix Gress die Veränderungen in der Kommunikation zusammen: „Früher ging man in die Klosterbibliothek, heute eben ins Internet.“ Diese Entwicklung brächte zwangsläufig einen Glaubwürdigkeitsverlust, weil Instanzen fehlten, die Vertrauen schaffen könnten. Auch sei die Kommunikation dort weniger steuerbar. Gress: „Unser Unternehmen hört nicht mehr am Werkszaun auf.“

Kommunikationswissenschaftler Peter Szyszka winkte nur lässig ab: „Das sind doch alles alte Hüte.“ Die Debatte sei eine zyklisch wiederkehrende. Am Schluss laufe es doch wieder auf eines hinaus: Die Glaubwürdigkeit der Kommunikation sei entscheidend, nicht der Weg der Übermittlung.

Zwischen Nachhaltigkeit und Lederhosen-PR

Viele neue Erkenntnisse galt es mitzuschreiben

In vier kleineren Diskussionen, von denen jeweils zwei parallel stattfanden, ging es dann um weitere große Themenfelder, die die PR-Branche bewegen: Ist CSR eher Pflicht oder Kür? Wie geht man mit Wutbürgern kommunikativ um? Ist die One-Voice-Policy eigentlich Geschichte? Wie nutzt man die Power seiner Mitarbeiter für die Außendarstellung? Und sollte man Deutsche mit Migrationshintergrund eigentlich gesondert ansprechen? Zumindest letzteres nicht unbedingt – schließlich mache man auch keine Lederhosen-PR für die Bayern.

Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierten sechs Absolventen der Fachhochschule Hannover ihre Masterarbeiten – mit einem breiten Themenspektrum: Von erneuerbaren Energien über die Bedeutung des geografischen Raumes in der Kommunikation oder der mitarbeiterorientierten Ansprache in der internen Kommunikation wurden die Forschungsergebnisse in interessanten Feldern dargestellt.

Beiträge über die einzelnen Workshops sowie ein kompletter Mitschnitt des Eröffnungspodiums folgen in den nächsten Tagen. Twitter-Beiträge zum PR-Forum lassen sich hier nachverfolgen. Die Bildergalerie findet sich hier.


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