Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

“PR ist die Henne, die Presse das stinkende Ei”

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Gerüchte kursierten um den Besuch einer PR-Prominenz im neueingerichteten Auditorium des Planet MID auf der Expo Plaza, Repräsentanz und Schaltzentrale der PR Studierenden Hannover e.V. und Nachwuchs der Kommunikationsbranche.

Erst wenige Wochen vor dem finalen Termin seines Vortrages stand der Redner der ersten Lecture des Wintersemesters 2011/12 des PRSH fest: Klaus Kocks.

Die Fünftsemester des Bachelorstudienganges PR befanden sich in reger Aufregung. Schließlich begegnete uns die aus metamedialen Formaten wie zapp oder Menschen bei Maischberger bekannte Person in den vergangenen Wochen wieder und wieder in diversen Seminarinhalten. Ob im Rahmen der Diskussion um die Notwendigkeit von PR-Kodizes und Code of Conducts hinsichtlich der Zusammenarbeit von Agenturen und Unternehmen oder als Vertreter des verantwortungsethischen Ansatzes in der normativen Betrachtung von medialem Handeln. Würden wir tatsächlichen auf einen, wie in der Medienethikdebatte dargestellten, die Wahrheitsnorm modifizierenden Bösewicht treffen? Jemanden, der die wahrheitskonforme Kommunikationsarbeit nicht als ethische Grundnorm der PR anerkennt? Oder würden wir viel mehr erleuchtet? Endlich erlöst von der zwanghaften Vorstellung, die PR müsse permanent die Existenz ihres Berufsstandes legitimieren, indem sie ausschließlich im Interesse der Öffentlichkeit handelte? Geschürt wird dieser manische Zwang nicht nur von Gesinnungsethikern und Gehaltsneidern – bereits unser Studium startete mit einer vermeintlichen Realitätsklatsche. Noch nicht einmal waren sich die meisten Erstsemester vor zwei Jahren bewusst, was es eigentlich mit diesem englischen Begriff PR, der irgendwie Anlehnung an das Kreativmilieu und Grafik-Hipstertum versprach, auf sich hatte. „Sowas wie Kommunikationswissenschaften, nur praktischer.“, erzählte man beim Auszug noch den Eltern.

Da wurde man in der Begrüßungsrede der Studienanfänger durch die Fakultätsoberhäupter bereits mit der als allgemein bekannt deklarierten Feststellung konfrontiert, Journalisten und in Folge dessen auch Journalistik-Studierende seien ohnehin die besseren Menschen.

Der Glaube, die Arbeit von PR-Beauftragten bestehe lediglich aus dem permanenten Versuch Redakteuren Falschinformationen unterzujubeln war etabliert. Dass die meisten Kurse innerhalb unseres Curriculums in den nächsten drei Semestern mit denen der  Journalistik-Studierenden übereinstimmten, wurde als Maßnahme zur Aneignung journalistischer Darstellungsformen im Kontext späterer, systematischer Unterwanderung der Redaktionsarbeit gewertet. Die Möglichkeit, dass sich PR und Journalismus gegenseitig bedingen, einander Impulse geben und damit voneinander profitieren, wurde den Studierenden nicht aufgezeigt. Dass letztere Charakterisierung der PR-Arbeit durch die Loyalität zum Auftraggeber und dessen Interessen ergänzt wird, dieser Umstand jedoch in einem, allen voran durch die Verleger, kapitalisierten Medien- und Gesellschaftssystem vollkommen ok und nicht schämenswert ist, macht Klaus Kocks in seinen sieben vorgetragenen Thesen zur „Henne-Ei-Problematik“ deutlich. Mit der in den 90er Jahren begonnen Entgrenzung von PR und Journalismus durch zunehmende Boulevardisierung, Ökonomisierung und einhergehender Digitalisierung des Journalismus, haben sich auch journalistische Produkte und Produkte der PR angeglichen. Die Notwendigkeit der Wiederherstellung eines objektiven, dem Ziel der Wahrheitsfindung dienenden Journalismus teilt auch Klaus Kocks – nicht zuletzt um die PR-Arbeit im betriebswirtschaftlichen Sinne zu rechtfertigen: Mediale Berichterstattung ermöglicht die Bildung von Wissen, Meinungen und Einstellungen und kann den PR-Zielen Akzeptanz, Vertrauen und Reputation dienen. Würden in Zukunft die Medien von den Rezipienten als von ökonomischen Zwängen abhängig und subjektiv berichtend wahrgenommen, stellt dies auch den Nutzen der Presse- und Medienarbeit als Teil der Public Relations in Frage.

Gerade als sich das studierende Publikum an den sekündlichen Abgleich des Kocksschen Vokabulars mit der Wikipedia-App auf ihren Smartphones gewöhnt hat, schließt Kocks seinen Vortrag auch schon fast. Nicht jedoch ohne die Studierenden mit einem letzten Statement zur Wahrheitsnorm in der PR stehen zu lassen: „ I am ready to lie, but I wanna know what I am lying about.“.


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