Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

„How’s the craic?“ – Studieren in Limerick

Laid-back ist das Wort, das mein Auslandssemester in Irland am meisten geprägt hat: die Einstellung der Iren, das Studium, das Leben. Laid-back – eine Grundhaltung die gerade das für die Deutschen typische Streben nach System und Planmäßigkeit ganz schön auf die Probe stellen kann.

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Gummistiefelwetter
Mein Patenkind sandte mir während meines Semesters in Irland ein selbstgemaltes Bild: ein kleiner grüner Hügel, diverse Schafe darauf, circa 80 Prozent der Fläche einnehmende kurze, blaue Striche – Regen. Damit hat sie das Land im Grunde ganz gut getroffen. Schafe habe ich in den vier Monaten hier so viele gesehen, wie in meinem ganzen vorherigen Leben nicht. Die sind nur übertroffen von Regen, Wind und Wolken. Gummistiefel oder Flipflops also nicht vergessen! Auf die Haarbürste kann gegebenenfalls verzichtet werden – vergebliche Müh‘. Die Iren sind ein wenig stolz darauf, im Gegensatz zu den internationalen Studenten an das schlechte Wetter gewöhnt zu sein. Wenn sich die Sonne dann allerdings zeigt, kriechen alle Iren aus ihren Löchern und der Campus gleicht einem Jahrmarkt. Ein Busfahrer pflegte zu sagen: „I love summer in Ireland! It’s my favourite day of the year.“

Dorfatmosphäre
Circa sechs Kilometer vom Stadtzentrum entfernt gleicht der Campus im Gegensatz zu vielen deutschen Universitäten einem eigenen kleinen Dorf. Idyllisch: Saftig grüne Wiesen, der Shannon River, viele Brücken, Treppen, Wege. Im Campus-Zentrum befinden sich Pubs, Restaurants, Cafés und Shops. Sogar Subway und Starbucks. Rundherum wohnen die Studenten in fünf verschiedenen Studentenwohnheimen, die größtenteils an kleine Siedlungen erinnern. Nicht zu vergessen die University Sports Arena – die Iren sind unglaublich sportbegeistert und verbringen fast jeden Abend in Fitnessstudio, Sporthalle, Schwimmbad oder auf einem der vielen Sportfelder des Campuses.

Guinness time
Auf ein Guinness in den Pub. Auf dem Campus ist jeden Abend was los. Mehrmals in der Woche gibt es Live-Musik. Ihr Traditionsbewusstsein zeigen die irischen Studenten bei den vielen Céilí-Abenden. An solchen ist Mitmachen angesagt: Wer kann, schließt sich der Musikgruppe an. Die anderen versuchen sich an dem traditionellen, irischen Tanz. Viele der Iren kennen die Schritte schon seit ihrer Kindheit.
Live-Bands sind auch in den Pubs der Städte und Dörfer gang und gäbe. Pubs gibt es in Irland – im Gegensatz zu Nightclubs – an jeder Straßenecke und im Feiern sind die Iren ebenfalls erstklassig. Das Gefühl von Gelassenheit und Lockerheit, von Lachen, guten Gesprächen und ein oder zwei Drinks beschreiben die Iren übrigens als craic. Ebenfalls eines der Wörter, das einen vom ersten Tag an nicht mehr los lässt. An die Zeiten müssen sich die internationalen Studis allerdings erst gewöhnen: Pubs schließen um ein Uhr und der letzte Nightclub um spätestens halb drei.

Wahnsinnsaussichten
Apropos Städte – was das angeht hat Irland nicht so viel zu bieten. Wie das Land, sind auch die Städte nicht ganz so groß geraten. Da gibt es Dublin. Aber was sich als Welt- und Handelsstadt ausgibt, outet sich als mittelgroßes Städtchen mit wenig Persönlichkeit. Mut zu Eigenart und vor allem Farbe beweisen die Iren mit ihren vielen kleinen Dörfern. Da wären in der Nähe Limericks Killarney, Adare und vor allem Galway. Bunte Häuser, lebensfrohe Märkte und urige Pubs. Weswegen sich ein Irlandbesuch aber eigentlich lohnt, ist die atemberaubende Landschaft. Gerade bei gutem Wetter mehr als beeindruckend. Nun gut, bei dem Wetter waren wir ja schon…
Dass man als internationaler Student Irland nicht verlässt, ohne die schönsten Ecken erkundet zu haben, dafür sorgen die vielen Clubs und Societys der Uni. Da gibt es die International Society, die regelmäßig Trips zu verschiedenen Orten organisiert, aber auch internationale Dinner und Partys veranstaltet. Und mit dem Outdoor Pursuits Club heißt es Hiking, Caving, Hill-Walking und Mountaineering in den schönsten Gegenden Irlands. Das Gute: die Trips schonen das Studi-Budget. So hatte das Semester hier etwas von Abenteuerurlaub.

Studentenleben
…was natürlich nicht heißt, dass es sich hier (nebenbei) nicht studieren lässt. Das Internationale Büro der UL hat für die ERASMUS- und Abroad-Studenten alles erstklassig organisiert. Während einer zweitägigen Einführungsveranstaltung werden die Studenten mit allen Informationen versorgt, die sie für die Zeit in Irland benötigen. Die Kurswahl erfolgt – natürlich in Absprache mit der Hochschule im Heimatland – recht flexibel. Und Auswahl gibt es genug. An sechs Fakultäten kann von Medizin über Kunst zu Energieelektronik (fast) alles studiert werden – sogar fakultätsübergreifend. Nur die Kommunikationsstudenten kommen etwas kurz. Eine Mischung aus Journalismus und Marketing ermöglicht jedoch einen Blick über den Tellerrand. Und die Marketingdozentin widmete immerhin fünf PowerPoint-Folien den Public Relations – als Instrument unter dem Punkt Promotion versteht sich.

Lebensgefühl
Mit der Pünktlichkeit haben es die Iren nicht ganz so. Die „irischen 5 Minuten“ umfassen in der Regel 30 bis 45 Minuten und werden als Zeitpuffer in jeglichen Lebenssituationen angewendet. Auch dienen Deadlines wohl eher dem guten Gefühl denn der Fristsetzung. Dafür sind die Iren an Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft nicht zu überbieten. Sie haben ein ausgeprägtes Gefühl für ratlose Gesichter. Gut für Neuankömmlinge und Orientierungslose. Auch sind die Iren generell sehr offen dafür, neue Menschen kennenzulernen und immer für ein Schwätzchen zwischendurch. Auslandssemester in Irland heißt teilhaben am kunterbunten, ein wenig gemütlicheren Leben der Iren; laid-back sein – zumindest einen Versuch starten. Oder wie die Iren sagen würden: Lots of good craic!
University of Limerick: www.ul.ie
UL Clubs und Societys: http://ulwolves.ie/wolves/


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