Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

Krümelgate: Das Werk eines flauschig-blauen Robin Hood oder monstermäßige PR-Affäre?

Krümelgate: Werk eines flauschig-blauen Robin Hood oder monstermäßige PR-Affäre?

Skandale, die internationale Medienpräsenz hervorrufen, versetzen die Unternehmungskommunikation meist in Krisenstimmung.

Weder Produktrückruf, -ausfall,  oder –boykott, noch die Gefährdung oder gar Verschulden von Menschenleben – nichts von dem zog dieser Lebensmittelskandal mit sich: Der Diebescoup des Krümelmonsters. Zum Klau des vergoldeten Leibniz-Keks, dem Bahlsen-Firmensymbol, bekannte sich in einem Erpresserbrief die Figur der Sesamstraße und forderte als Lösegeld die Versorgung aller Stationen eines Hannover Kinderkrankenhauses, sowie die Spende der 1.000 Euro Täterprämie an ein Tierheim.

Die Kosten für Polizei- und Feuerwehreinsatz, selbst weitere für mögliche Urheberrechtsauseinandersetzungen mit den Machern der Sesamstraße, dürften dem finanziellen Äquivalenzwert eines inszenierten PR-Gags weit unterlegen.

Doch handelt es sich wirklich um eine geschickte PR-Aktion der Bahlsen Unternehmenskommunikation oder um das Werk eines flauschig-blauen Robin Hoods des 21. Jahrhunderts?

Obwohl in sozialen Netzwerken noch stark diskutiert, Credits würden dem Traditionsunternehmen wohl die Wenigsten der Kommunikationsbranche geben.

Neben den direkten Dementi einer Bahlsen-Sprecherin, weist auch das Verhalten des Unternehmens während des Vorfalls nicht auf eine Eigeninitiierung hin: Dass der Keks – vermutlich bereits Mitte Januar entwendet – fehlte, bemerkte Bahlsen nur auf Hinweis eines irritierten Anwohners.

„Das ist eine Sauerei.“, empörte sich Bahlsen-Chef Werner Michael Bahlsen bei einer Pressekonferenz am 01. Februar und wies – an einem mit Bahlsen-Produkten reich dekorierten Pult stehend – die wohltäterischen Forderungen des Erpressers in Sesamstraßen-Kostüm zurück.

Doch welches Motiv verfolgt nun der blaue Samariter? Vielleicht purer Altruismus, ein Herz für Kinder und Tiere. Vielleicht aber geht es auch darum ein Zeichen zu setzen.

In Robin-Hood-Manier zu signalisieren: Gesellschaft akzeptiert Unternehmen zunehmend nicht mehr als reine Profitmaschinen. Vielmehr als gesellschaftliche Akteure angesehen, wird von Unternehmen verlangt, Verantwortung gegenüber sämtlichen Bezugsgruppen – eben nicht nur Kunden und Investoren – zu übernehmen.

Wie glücklich, dass sich scheinbar die gesamte Kommunikationsbranche auch auf diesem Gebiet auskennt. CSR-Kommunikation dürfte mittlerweile in kaum einem Agentur-Portfolio mehr fehlen.

 


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