Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

Der Deutsche Presserat – ein zahnloser Tiger?

Den Beinamen des „zahnlosen Tigers“ hat der Deutschen Presserat seinen Kritikern zu verdanken. Der Vorwurf: Die verschiedenen Saktionsmöglichkeiten des Presserates hätten für die getadelten Printmedien kaum bis keine Konsequenzen.

„Der Deutsche Presserat – Ein zahnloser Tiger?“ war auch das Thema einer Podiumsdiskussion am 05.04.2013, die in Kooperation mit dem PRSH vom Bund deutscher Pressesprecher (BdP) im Leibnizhaus Hannover veranstaltet wurde. Moderator und Landesgruppensprecher des BdP Roman Mölling hatte den Geschäftsführer des Deutschen Presserates Lutz Tillmanns eingeladen, um die Arbeit des Presserates und dessen Effektivität zu diskutieren. Etwa 30 Zuhörer aus der Kommunikationsbranche waren gekommen, darunter auch Pressesprecher bedeutender Unternehmen aus der Wirtschaftsegion Hannover.

3802c13df0c2fbc8fdf594f18794de45-1795a1ac8385852e48aecbcbc171dbd1-200x144-100-cropNach einer kurzen Vorstellung des Presserates und seiner Arbeit auf Basis des Pressekodex durch Tillmanns blieb viel Zeit für Fragen aus dem Publikum, die hinsichtlich des Titels der Diskussion natürlicherweise auch kritisch ausfielen. Habe der vom Presserat entwickelte Pressekodex inzwischen nicht eine Komplettrenovierung nötig? Tillmanns entgegnete: Bestimmte Grundsätze wie die Achtung der Menschenwürde seien nach wie vor gültig und könnten nicht treffender oder moderner formuliert werden. Er räumte jedoch ein, dass Anpassungen in Bezug auf den an Bedeutung gewinnenden Online-Journalismus nötig seien. Auch aus diesem Grund freue man sich über die Unterstützung von SPON-Geschäftsführerin Katharina Borchert und ct-Chefredakteur Johannes Endres in den Beschwerdeausschüssen.

Frau Prof. Dr. Wiebke Möhring, Dozentin für öffentliche Kommunikation an der Hochschule Hannover, warf ein, Kritiker sähen in dem Presserat und seiner Selbstregulierungsfunktion ein PR-Instrument der Verleger und Journalisten zum „Reinwaschen“ ihrer eigenen Arbeit. Tillmanns betonte, dass die Arbeit des Presserates neben der Bearbeitung von Beschwerden auch in der Verteidigung der Pressefreiheit in Deutschland liege, also schon als Instrument der PR gesehen werden könnte. Hier sei der größte Erfolg, dass die Gesetzgeber in Deutschland bisher keinen Grund gesehen hätten, die rechtlichen Bestimmungen zur journalistischen Arbeit nachzujustieren. Dies sähe seiner Meinung nach anders aus, wenn die Qualität der journalistischer Produkte in Deutschland unter einen gewissen Punkt sinken würde, und verweist auf den Medienskandal in Großbrittanien um das Boulevardblatt News of the World . Deutschland stehe im journalistischen Qualitätsvergleich in Europa gut da.

Die „Zahnlosigkeit“ des Presserates sei doch aber gerade eine Konsequenz aus der Selbstverpflichtung, wird aus dem Publikum eingebracht. So würden Rügen den Blättern nicht „wehtun“ und bei bestimmten Boulevardblättern sogar als Adelung angesehen. Ein Abdruck könnte zudem nicht erwirkt werden. Etwa sechs Prozent der Verlage in Deutschland haben die Selbstverpflichtung zudem gar nicht unterschrieben. Bei diesen handele es sich laut Tillmanns jedoch größtenteils um kleine Fachverlage. Es sei zwar richtig, dass man bei Verstößen gegen den Pressekodex die betroffenen Medien nicht zur Veröffentlichung einer Berichtigung oder Rüge zwingen könne, jedoch stelle man sicher, dass die Öffentlichkeit über die Pflichtverletzungen informiert würden. Dass viele Redaktionen inzwischen eigene Redaktionskodizes hätten, zeige doch, dass die Redaktionen ihrerseits immer sensibilisierter würden und sich kritisch mit den Fragen der journalistischen Qualität beschäftigten.

Viele Fragen drehten sich auch um die Arbeit der Beschwerdeschüsse, zum Beispiel um Anzahl und Bearbeitungszeit der Beschwerden. Genau 1500 Beschwerden gingen laut Tillmanns 2012 beim Deutschen Presserat ein. Die Beschwerden von 676 Antragsstellern bzw. zu etwa 400 verschiedenen Themen gingen zur weiteren Überprüfung in die Ausschüsse. Die Bearbeitungszeit einer Beschwerde liege zwischen zwei Wochen bis drei Monaten – eine Dauer, die laut einem Zuhörer davor abschrecke, den Presserat überhaupt anzurufen. Kommunikationsexperten müssen hier zwischen formeller Gerechtigkeit und kollektivem Vergessen abwägen.

 

Veranstaltungstipp: Es lohnt sich, den 6. Mai 2013 vorzumerken. An diesem ersten Montag im Mai findet eine Veranstaltung in gemeinsamer Kooperation des DPRG, djv, BdP und PRSH statt. Zu Gast ist der Leipziger Universitäts-Professor für Öffentlichkeitsarbeit und PR Günter Bentele, um Inhalt und Sinn des neuen Kommunikationskodex vorzustellen und zu diskutieren.

 


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