Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

Der Berater als Devil’s Advocate?

Ein Beitrag von Lan Anh Nguyen (1. Semester MA Kommunikationsmanagement)

Als angehende Kommunikationsberater wissen wir, dass es sich bei Public Relations um interessensgeleitete Kommunikation handelt, die gegenüber dem Auftraggeber stets loyal zu sein hat. „Der Kunde ist König“ scheint immernoch das ungebrochene Paradigma der Agenturbranche zu sein. Doch wie verhindert man als PR-Berater Situationen, in denen man gegen die innere Überzeugung handeln muss? Wie bleibt man sich selbst gegenüber aufrichtig, ohne dass die professionelle Beratungsleistung leidet? Ist das in erster Linie eine Frage des Berufsverständnisses? Oder geht es im Grunde genommen doch ganz individuell um die persönliche Haltung zu bestimmten Themen?

Genau diesen Fragen widmeten wir uns am vergangenen Dienstag in einer gemeinsamen Diskussion mit Attila Söder von Edelman. Auf diesen Workshop freuten wir uns ganz besonders, denn Attila gehört nicht nur zu den Alumni der Hochschule Hannover, sondern er zählt auch zu den Gründungsmitgliedern des PRSH. Mit anschaulichen Praxisbeispielen im Gepäck ermöglichte uns der 26-jährige Account Executive einen realitätsnahen Einblick in das facettenreiche Beratungsfeld der Corporate & Public Affairs.

Attila-Söder-300x200Ganz bewusst hat sich Attila bei seinem Berufseinstieg für einen Beratungsbereich entschieden, dessen Themen auf den ersten Blick nicht jedem „sexy“ erscheinen. Auf die Frage, in welcher Branche wir uns die eigene PR-Karriere nicht vorstellen könnten, wurden die Nikotin- und (Atom-)Energiebranche sowie die Waffenindustrie als häufigste Antworten genannt. Grund hierfür ist sicherlich, dass bei den benannten Berufsfeldern eine beständige Industriekritik als Grundrauschen in einer dazu noch skandalisierten und emotionalisierten Berichterstattung mitschwingt. Niemand möchte Devil’s Advocate sein, wenn „Skandal“, „Konflikt“ und „Schaden“ als vermeintlich gesetzte Nachrichtenfaktoren ohnehin schon in den Köpfen der Presse- und Medienvertreter im Zusammenhang mit dem eigenen Produkt oder Unternehmen verankert sind.

Aus einer professionellen Berater-Perspektive heraus demonstrierte uns Attila, wie herausfordernd und spannend es jedoch sein kann, für Kunden zu arbeiten, die in der Öffentlichkeit einem tendenziell eher negativ konnotiertem Meinungsbild ausgesetzt sind. Je kritischer das Umfeld, umso größer der Anspruch an die Beratung – doch gilt dies auch analog für die „moralische Flexibilität“ des Beraters? Attila sagt: „Nein – solange man als Berater seine eigene Rolle reflektiert, kritische Distanz als Erfolgskriterium für gute Beratung versteht und die eigenen Überzeugungen nicht gegen die seines Kunden austauscht, sondern sie nutzt, um bessere Beratung zu bieten.“

Als Fazit bleibt somit festzuhalten, dass kritische Selbstreflektion in Kombination mit einem professionellen Rollenverständnis das Geheimrezept für erfolgreiche PR in gesellschaftlichen Spannungsfeldern ist. Hierdurch gelingt nicht nur eine gute Beratungsperformance sondern auch der Spagat zwischen dem eigenen Ethos und den Kundenerwartungen.

Wir möchten uns ganz herzlich bei Attila für einen Nachmittag voller spannender, ehrlicher und aufschlussreicher Insights in die Agenturwelt bedanken und freuen uns auf den nächsten Workshop.


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