Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

Nachwuchsproblem, Herr Kohrs? PR-Studierende melden sich zu Wort

Ein Kommentar zum Artikel „Persönlichkeiten verzweifelt gesucht“ (prmagazin, 11/2013, S.50)

von Julia-Maria Blesin, Nina Krake und Lan Anh Nguyen (Vorstand des PRSH e.V.)

PRSH_Vorstand

PR-Agenturen haben ein Nachwuchsproblem – meint zumindest der GPRA-Präsident Uwe Kohrs in der November Ausgabe des prmagazins und bemängelt die angeblich nachlassende Qualität der Bewerber und Bewerberinnen. Bei Studierenden, die sich intensiv auf einen Berufseinstieg in die PR-Branche vorbereiten, gehen – mal wieder – sofort die Alarmglocken an, wenn sie eine solche Einschätzung lesen und Selbstzweifel machen sich breit. Doch diese sind unbegründet! Denn schließlich nimmt die Professionalisierung des Berufsfeldes immer weiter zu und dies wäre ohne eine fundierte und umfassende PR-Ausbildung wohl nicht möglich gewesen. Wir, die Studierenden der PR-Studiengänge, erfahren an den deutschen Hochschulen eine enge Verknüpfung von Theorie und Praxis. Vor allem werden wir explizit auf das Tätigkeitsfeld des Kommunikationsmanagements vorbereitet. Heute erfahren die Berufseinsteiger nicht erst „on the job“, was es eigentlich heißt, strategische Kommunikationskonzepte zu erarbeiten und umzusetzen. Analytische Fähigkeiten, beständige Selbstreflektion, Teamwork und Projektmanagement werden kontinuierlich in anwendungsorientierten Projektarbeiten trainiert. Und selbst Pitch-Erfahrungen sind bereits etwas Alltägliches im PR-Studium.

Es stellt sich also die Frage, was genau Herr Kohrs von den Absolventen erwartet, wenn er feststellt, dass „die Bewerber für den Agenturbedarf immer weniger geeignet“ seien? Besonders die von ihm bemängelte, nicht ausreichende Sozialkompetenz und Persönlichkeitsentwicklung während des Studiums sind Dinge, die wir nicht anerkennen können. Denn hierbei handelt es sich nicht um ein spezifisches „Problem“ der PR-Branche, sondern vielmehr des universitären Ausbildungssystems: Muss sich ein/e 22-jährige/r Bachelorabsolvent/in, der/die innerhalb der Regelstudienzeit das Studium mit einer sehr guten oder guten Note abgeschlossen, drei Praktika absolviert und ein Semester im Ausland verbracht hat sowie sich nebenher ehrenamtlich – zum Beispiel in einer der PR-Studierenden-Initiativen – engagiert, diesem Vorwurf wirklich stellen? Wir sind der Meinung, dass niemand von einem jungen Menschen erwarten kann und darf, dass er als „perfekter PR-Berater“ in den Beruf einsteigt – zumal dies wohl auch kaum in den Generationen vor uns der Fall war! Es sollte den Agenturen viel mehr darum gehen, das (PR-)Potential der heutigen Bewerber zu nutzen und sie in ihrer persönlichen Weiterentwicklung zu unterstützen. Und dass dies zum Glück bereits oft der Fall ist, zeigen auch die Reaktionen der Agenturverantwortlichen im prmagazin auf die Aussagen von Herrn Kohrs.

Wir sind sehr gespannt, welche Punkte der Mitgliederkreis der GPRA im Anforderungsprofil für Berufseinsteiger erarbeitet hat und möchten die Vertreter hiermit herzlich einladen, dieses nicht nur mit den Hochschulen und Ausbildern zu diskutieren, sondern auch uns – die PR-Studierenden – in diesen Prozess einzubeziehen. Dann können wir uns schon einmal darauf vorbereiten, welche Fertigkeiten wir uns in drei bzw. fünf Jahren Studium noch zusätzlich aneignen müssen, um dem Agenturbedarf gerecht werden zu können und nicht mehr nur als „Kommunikationssachbearbeiter“ – Bachelor/Master of Arts degradiert zu werden.

Veröffentlichung unseres Kommentars im pressesprecher, PR-Journal und prmagazin.


2 Responses so far.

  1. Lieber PRSH-Vorstand, liebe Studentinnen und Studenten,

    ich habe bereits die Veröffentlichung des Artikels im PR-Journal kommentiert, möchte mich hier aber auch noch zu Wort melden. Als Zuständige für die Themen Aus- und Weiterbildung bei der GPRA verfolge ich die Diskussion mit großer Aufmerksamkeit. Noch einmal: Es geht uns in keinster Weise um Schuldzuweisungen oder gar Vorwürfe an irgendjemanden – und schon gar nicht an Studenten. Der Perfektionsdruck, unter dem Sie heutzutage stehen, ist eh deutlich höher als das früher im Studium der Fall war.

    Lassen Sie mich vielleicht aber auch unsere Situation kurz erklären: Die Anforderungen an Agenturen – wie an die Kommunikation insgesamt – sind ebenfalls deutlich gestiegen: Unsere Kunden erwarten von uns umfassendere strategische Beratung über immer mehr Kanäle und Disziplinen hinweg. Das macht sehr viel Spaß, erfordert aber weit mehr als nur die Beherrschung des klassischen PR-Handwerkes. Und wenn auch in Universitäten wie Hannover über den Tellerrand hinaus gedacht wird, trifft das nicht überall in gleichem Maße zu.

    Welchen zusätzlichen Teil Ausbildungsinstitute tatsächlich übernehmen könnten oder sollten, gilt es nun in einer konstruktiven Diskussion herauszufinden. Es ist aber klar: Junge Kollegen müssen nicht als perfekte Berater zu uns in die Agentur kommen. Dazu bedarf es ohnehin längerer Berufserfahrung. Aber bestimmte Voraussetzungen sind wünschenswert, damit wir als erster Arbeitgeber nicht bei Null anfangen müssen.

    Gleichzeitig sind wir sehr wohl bereit, Zeit und Geld in die Ausbildung unseres Nachwuchses zu stecken. Denn eine Agentur ist nur so gut wie ihre Mitarbeiter. GPRA-Agenturen haben einen hohen Qualitätsanspruch – dem wir nur durch überdurchschnittlich gute Leute gerecht werden können. Es geht also tatsächlich darum, „das Potential der heutigen Bewerber zu nutzen und sie in ihrer persönlichen Weiterentwicklung zu unterstützen“ – wie Sie selbst es formulieren.

    Wie schon im Artikel und meinem Kommentar geschrieben, planen wir deshalb eine Reihe von Dingen:
    – Die GPRA will sich mit Unis und privaten Ausbildungsinstitutionen zusammensetzen, um das Thema zu diskutieren. Mit dem Ziel, ein gutes Konzept für die Vorbereitung auf einen tollen Beruf zu entwickeln.
    – Wir arbeiten an Lohn- und Ausbildungsstandards für GPRA-Agenturen. Denn wir wollen sicherstellen, dass jeder Berufseinsteiger in einer GPRA-Agentur weiß, dass er in seiner Weiterentwicklung unterstützt und gerecht bezahlt wird.
    – Wir wollen bundesweit den Austausch mit Studenten suchen. Also in den Dialog gehen, damit Sie wissen, was Sie in einer Agentur erwartet. Und wir besser auf Ihre Bedürfnisse eingehen können.
    – Und wir engagieren wir uns in diesem Jahr noch stärker bei ‚30 unter 30‘, der Initiative vom PR-Report. Dort wird es auch um das Thema Agenturpersönlichkeiten gehen.

    Gerne kommen wir auch zu Ihnen nach Hannover. Da Herr Kohrs bereits bei Ihnen war, wird der eine oder die andere ihn ohnehin schon kennen. Wir freuen uns drauf.

    Herzliche Grüße

    Birgit Krüger

  2. Nina Krake sagt:

    Liebe Frau Krüger,

    vielen Dank für Ihre Rückmeldung auf unseren Kommentar. Gerne organisieren wir eine Diskussionsrunde zum Thema „Nachwuchsförderung“ zwischen GPRA-Vertretern und Studierenden hier bei uns in Hannover. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich hierzu per Mail an krake@prsh.de an uns wenden würden, um die Details zu besprechen.

    Viele Grüße
    Julia-Maria Blesin, Lan Anh Nguyen und Nina Krake (PRSH-Vorstand)

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