Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

PRSH im Gespräch | Unternehmen in kritischer Umwelt

Ein Beitrag von Marike Wöbken (6. Semester BA PR)

Am 29. April fand die erste PRSH-Podiumsdiskussion 2014 statt, bei der wir wieder einmal große Namen aus der PR-Branche auf unserem Podium begrüßen durften: Tina Kulow von facebook, Dr. Jörg Schillinger von der Dr. August Oetker KG und Präsident des Bundesverbands deutscher Pressesprecher sowie Simon Schmid von der HOERBIGER Holding AG.

Lebensmittelindustrie, soziales Netzwerk und B2B Supplier. Drei Gäste aus drei unterschiedlichen Branchen – wie unterscheiden sich ihre kritischen Umwelten und wie gehen sie mit ihnen um? In einem Punkt sind die drei sich einig: Journalisten machen einen großen Teil ihrer kritischen Umwelt aus. Doch nicht nur Journalisten an sich, sondern auch die heutigen Arbeitsweisen der Presse stellen Unternehmen vor Herausforderungen. Heutzutage ist jeder Journalist, kann seine Meinung veröffentlichen – zum Beispiel in sozialen Netzwerken. Was bedeutet das für ein Unternehmen wie die Dr. August Oetker KG, was ist, wenn das Unternehmen selbst ein soziales Netzwerk ist und was, wenn das Unternehmen kein Bewusstsein in der Öffentlichkeit hat? Drei Unternehmen – drei Blickwinkel.

IMG_4609„Man kann der Wahrheit nicht entkommen“, sagt  Jörg Schillinger von der Dr. August Oetker KG. Das kritische Umfeld sei überall, jeder könne veröffentlichen und das 24-Stunden am Tag und anonym. Die Welt werde verdichteter, komplexer und oberflächlicher. Vernünftige Kommunikation werde in dieser Welt wichtiger. Doch die Redaktionen stehen unter Druck, so Schillinger. Die Angst vor Bedeutungsverlust und um Arbeitsplätze, der Kampf um Auflage gehe zu Lasten der Sorgfaltspflicht der Journalisten. In den Vordergrund rücke die Jagt nach News, Stories und Schlagzeilen. Vor allem Verbrauchermagazine würden der großen Industrie mit vorgefertigten Meinungen begegnen. Jörg Schillinger ist auch als Verbraucher enttäuscht: „Früher waren es die Privatsender, die gerne mal Krawall gemacht haben. Irgendwann sind die öffentlich-rechtlichen aufgestiegen.“ Er appelliert deshalb: „Arbeitet fair und arbeitet professionell.“

Auch Tina Kulow von facebook begegnet vorgefertigten Meinungen im Alltag: Häufig würde es als Fakt dargestellt, dass facebook Daten verkaufe. In solchen Fällen sucht sie das persönliche Gespräch zu den Journalisten und klärt auf: Es ist nicht so! Der Vertrauensverlust, ausgelöst vom Prism-Skandal, hätte vor allem auf Seiten der Journalisten stattgefunden. Auch sie fordert ein faires Miteinander und sagt: „In einer Welt ohne Journalismus möchte ich nicht Leben, jedoch drohen wichtige Themen bei den ganzen Quoten, News und Headlines unterzugehen.“

Mit Journalisten hat die HOERBIGER Holding AG nur im Special-Interest-Bereich oder lokal in den Standort-Städten zu tun, so Simon Schmid. Als reines B2B Unternehmen sei man weit weg vom Endkunden: „Für Privatkonsumenten ist HOERBIGER ohne das Lösen einer Schraube nirgendwo sichtbar.“ Aufgrund des fehlenden öffentlichen Bewusstseins sei vor allem die Rekrutierung von Nachwuchs schwer. HOERBIGER liefere Systeme an große Automobilhersteller, die durchaus „sexy“ seien. Jedoch darf hier bei der Kommunikation keine Transparenz geschaffen werden, da dies von den Abnehmern untersagt sei. „In diesem konkreten Beispiel kennt uns die Umwelt nicht, weil sie uns nicht kennen darf“, fasst Schmid zusammen. Im Falle von HOERBIGER stellen die wettbewerbsintensiven B2B-Märkte und die Mitarbeiter eine kritische Umwelt dar. Durch die Vielzahl der Standorte, die über alle Kontinente verstreut sind, sei es herausfordernd, Identifikation zur Holding zu stiften. Laut Schmid würden Kommunikationsmaßnahmen und geschäftspolitische Entscheidungen immer wieder Erklärungsbedarf mit sich bringen.

IMG_4623Für den Fall der Fälle, noch einen Tipp zur Krisenprävention von Tina Kulow: „Bevor Sie einen „War Room“ mit vielen Flatscreens an der Wand einrichten – überlegen Sie sich: Habe ich alle Telefonnummern?“

Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren Gästen für einen interessanten Tag im Zeichen der PR und freuen uns auf ein Wiedersehen im Herbst!

 

 


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