Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

PRSH-Forum | Der Nachbericht

Ein Beitrag von (@DasFreundchen) (3. Semester MA Kommunikationsmanagement)

Unter dem Motto „Change is the only constant“ lud der PRSH anlässlich des fünften Vereinsjubiläums am 14. November 2014 zum ersten PRSH-Forum. 15 geladene Referenten aus Wissenschaft und Praxis diskutierten in drei Panels über die Herausforderungen an das Kommunikationsmanagement der Zukunft.

Ein Gespenst geht um in der Kommunikationsbranche: Es nennt sich Wandel. Alle sprechen darüber – doch was bedeutet dieses Buzzword für die strategische sowie operative Kommunikationsarbeit von morgen? Im Zeichen dieser Frage stand das allererste PRSH-Forum im Planet MID der Hochschule Hannover, das vom Masterjahrgang Kommunikationsmanagement und dem PRSH organisiert wurde.

Den Einstieg in die ganztägige Veranstaltung gestaltete Keynote-Speaker Matthias Biebl provokant: Zwei Drittel des Publikums hielten kein Smartphone in der Hand – und damit seine Worte offenbar nicht für relevant genug, um der Außenwelt kommuniziert zu werden. Darauf aufbauend konzipierte der Gründer und Gesellschafter von rlvnt seine Präsentation augenzwinkernd als „Lehrstunde für Social Media“ und unterlegte seine Kernaussagen mit vorgefertigten Tweets. „Heutzutage ist begleitendes Twittern eine Form von Wertschätzung“ ermunterte er die Zuschauer zu eben diesem.

PRSH-Forum_Keynote

Keynote Speech von Matthias Biebl: „Stell dir vor, es ist Wandel und keiner geht hin“ unter www.rlvnt.de/prsh

Auch inhaltlich drehte sich Biebls Keynote um den digitalen Wandel und so verortete er hier die größten Herausforderungen der Zukunft von Unternehmen: Ein Großteil sei noch immer mit dem gesellschaftlichen Wandel durch den Einfluss sozialer Medien überfordert. Die für die Kommunikationsabteilungen oft ärgerlichen Shitstorms im Netz seien dabei lediglich eine sich nun manifestierende Befreiung der Öffentlichkeit von Ohnmacht gegenüber dem jahrelang einseitig geführten Monolog der Unternehmen. Zu wenige Unternehmen begriffen den aktiven Dialog mit der Öffentlichkeit als Chance und stattdessen als Risiko. Zum Ende wandelte sich Biebls Keynote zu einer flammenden Rede für eine PR im Einklang mit der Ethik des deutschen Kommunikationskodexes. Dabei forderte er auch Visionen, Mut und Einsatz – insbesondere von den jungen PR-Praktikern –, die Relevanz und Rolle der PR in den Unternehmen weiter zu stärken, vor allem, wenn es um Zuständigkeiten geht.

 

PRSH-Forum_Podium 1

Martin Höfelmann, Richard Gaul, Susanne Liedtke, Dr. Willms Buhse, Tapio Liller, Prof. Dr. Peter Szyszka (v.l.n.r.)

Im ersten Panel waren die Nachwirkungen von Biebls Worten noch deutlich spürbar: Hier diskutierten Dr. Willms Buhse (Experte für Digital Leadership), Tapio Liller (Oseon), Martin Höfelmann (PRSH-Gründer und Mitarbeiter für Außen- und Regierungsbeziehungen, Volkswagen AG), Susanne Liedtke (achtung!) und Richard Gaul (Zehle-Gaul-Communications) unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Szyszka zum Thema „Kommunikation und Kommunikatorrollen im Wandel – Brauchen wir neue Spezialisten?“ über zukünftige Entwicklungen und Trends in der Kommunikationslandschaft und Anforderungen an den PR-Nachwuchs. Inhaltlich drehte sich die Debatte dabei um soziale Medien, unternehmensinternes Wissensmanagement und Vernetzung, aber auch um einen sich intensivierenden War of Talents und die immer noch unterschätzte Relevanz von Bewegtbildkommunikation. Prof. Szyszka resümierte: Die digitale Welt funktioniere nur zusammen mit der analogen Welt.

 

PRSH-Forum_Podium 2

Prof. Dr. Wiebke Möhring, Philipp Rafler, Nobue von Wurzbach, Katrin Nissel, Christian Weis, Astrid Aupperle (v.l.n.r.)

Moderiert von Prof. Dr. Wiebke Möhring griff das Podium „YOUniquability and DIversity“ die Frage auf, wie erfolgreiche Kommunikation und Integration in einem von Vielfalt geprägten Unternehmen gelingen kann. Nobue von Wurzbach (Continental) hob dabei die Bedeutung von Diversity Management als Führungsaufgabe hervor. Astrid Aupperle von Microsoft pflichtete ihr bei: „Diversity ist king!“ – und trat damit auf Twitter die Diskussion los, ob es diversitätsgerecht nicht „quing“ oder „keen“ heißen sollte. Daneben teilte Christian Weis teils sehr persönliche Erfahrungen aus seiner Arbeit für das LGBT-Netzwerk der Commerzbank „Arco“. Unter anderem argumentierte er, dass Unternehmen schon aus Produktivitätsgründen Diversität leben sollten: Denn wer sich als Mitarbeiter in seiner Persönlichkeit nicht akzeptiert fühlt, wendet mehr Zeit dafür auf, nach außen hin eine erwünschte Fassade aufrechtzuerhalten – verwendet also weniger Zeit auf die eigentliche Arbeit. Mit seinen Schilderungen machte Weis genau das, was Katrin Nissel (Dozentin für Intercultural Communication und Cross Cultural Management, Hochschule Bremen) als Kernelement erfolgreicher Diversity-Kommunikation sieht: Storytelling – und von Wurzbach fügte noch einen weiteren Faktor hinzu: Provokation. Wertschöpfung und Wertschätzung könnten dabei gut miteinander einhergehen. Philip Rafler von AIESEC gab dabei zu bedenken, dass nur gelebte Diversity auch authentisch wahrgenommen werde: Manche Unternehmen dagegen kommunizierten ihr Diversity Management so penetrant, dass die Umsetzung des eigentlichen Anliegens willens unglaubwürdig werde.

 

PRSH-Forum_Podium 3

Prof. Dr. Ulrike Buchholz, Thomas Zwiebler, Andreas Severin, Melanie Malczok, Andreas Lehmann, Thomas W. Ullrich (v.l.n.r.)

Last but not least wurde im Rahmen des Podiums „Das macht Sinn! – Identitäts- und Sinnstiftung in einer projektbasierten Unternehmenskultur“ zur Diskussion gestellt, welchen Beitrag Kommunikationsmanagement leisten kann, um die Unternehmensführung bei der Darstellung der Sinnhaftigkeit von Aufgaben, Strukturen, Innovationsprozessen und Wandel innerhalb einer Organisation zu unterstützen. Hier entzündete sich die Diskussion vor allem an einer Aussage der selbständigen Kommunikationsberaterin Melanie Malczok: Wenn Unternehmen Exzellenz von ihren Mitarbeitern fordern, brauche es Sinnstiftung – denn Sinn und Zweck der Arbeit seien nicht identisch. Gerade in den Reihen der Generation Y gab es eifriges Kopfnicken, während es auf unter den übrigen Panelteilnehmern Thomas Zwiebler (VW Nutzfahrzeuge), Andreas Lehmann (DIS AG), Thomas Ullrich (komm.passion) und Andreas Severin (crossrelations brandworks) sehr kontrovers zuging. Zum Beispiel, ob Sinnstiftung (wie Diversity) nicht ein „Akademikerproblem“ sei, wie man Sinn überhaupt definieren könne und, ob Diversity gewissen Mitarbeitern, z.B. Introvertierten in Sachen Offenheit, auch Zwänge auferlegen könne.

In der Zwischenzeit zeigte sich, dass die Besucher sich die Keynote von Matthias Biebl zu Herzen genommen hatten: Der Hashtag #PRSHforum war über vier Stunden lang in den Top 10 der deutschen Twitter Trending Topics, kam vor Weihnachten und Helene Fischer sogar auf Rang 6 und unterstrich damit die Relevanz der Veranstaltung. Eine Twitter Wall mit den Tweets zu den Panels belebte in den Pausen das Gespräch zwischen den Besuchern.

 

 

Nach viel fachlichem Input leitete das anschließende Get-Together die offiziellen Feierlichkeiten zum fünften PRSH-Jubiläum ein. Im szenischen Design Center der Hochschule ehrte der Vorstand zu Beginn das PRSH-Kuratorium und berief Prof. Dr. Ewald Wessling als weiteres Kuratoriumsmitglied. Anschließend fand die Gewinnerbekanntgabe der begleitenden Gewinnspiele statt: Als erfolgreichster Twitterer wurde Tapio Liller die Ehre zuteil, die PRSH-Geburtstagstorte anzuschneiden. In entspannter Atmosphäre kam es im weiteren Verlauf des Abends noch zu vielen guten Gesprächen zwischen Professionals und Studierenden. Mit einem üppigen Buffet und zum Tanz motivierenden Grooves fiel langsam auch die Spannung von den Organisatoren ab. Auf Twitter hatte es zuvor schon viel Lob gegeben. Und so bleibt die Gewissheit: Die Arbeit hat sich gelohnt! – Das PRSH-Forum hat das Profil des PRSH als ernstzunehmende und professionelle Studierendeninitiative gestärkt.

 

 

Ein besonderer Dank gilt unseren Förderern und Sponsoren, die zum Gelingen unserer Veranstaltung beigetragen haben: Blackberry, Bundesverband deutscher Pressesprecher, Coca-Cola, Commerzbank, crossrelations brandworks, Deutsche Messe, Hannoversche Kaffeemanufaktur, Hill + Knowlton, insignis, Johanssen + Kretschmer, McDonald’s Ehmann, Microsoft, Orca van Loon, PR-Journal, Sparkassenverband Niedersachsen, TUI, VGH, Volkswagen Nutzfahrzeuge, weedandcandy


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.