Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

PRSH zu Gast bei Dr. Oetker und Bertelsmann – Ein Nachbericht und Existenznachweis

Ein Beitrag von Carina Bogus und Lennart Neß (1. Semester MA Kommunikationsmanagement)

Ostwestfalen – so hieß das Ziel für die 20 PRSH-Mitglieder, die sich im Dezember auf Exkursionsreise machten. Auf dem Programm standen der Besuch von Dr. Oetker in Bielefeld und dem Medienkonzern Bertelsmann in Gütersloh. Ein Nachbericht und Existenznachweis.

Die Oetker-Gruppe – Mehr als Pizza & Co.

Beim Namen Oetker denken die meisten wohl zuerst an Backzutaten oder Puddingpulver. Das sind aber lediglich Produkte des Geschäftsbereichs Nahrungsmittel. Denn zur Oetker-Gruppe gehören mehr als 400 Firmen unterschiedlichster Branchen. Bionade, Wodka Gorbatschow oder Henkell Trocken sind nur einige Marken im Portfolio. Und sogar mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes von fast elf Millionen Euro stammt aus dem Geschäftsbereich Schifffahrt.

Mit Fokus auf dem Bereich Nahrungsmittel erhielten wir von Dr. Jörg Schillinger Einblicke in das seit über 120 Jahren operierende Familienunternehmen. Schillinger ist u.a. Pressesprecher der Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG und stellte zu Anfang Kommunikationsexperten als Grenzgänger heraus, die nach innen und außen operieren und Impulse geben. Die Öffentlichkeitsarbeit bei Dr. Oetker schlüsselt sich in die zwei Bereiche Unternehmens-PR sowie Marken- und Produkt-PR auf. Insgesamt sind hier zwölf Personen beschäftigt – Hannoveraner Studenten sind übrigens immer gern gesehene Praktikanten. Wichtig: Wer später bei Dr. Oetker auf Seite der Marken- und Produkt-PR arbeiten möchte, sollte neben einer PR-Ausbildung auch Know-how im Lebensmittelbereich mitbringen. Dieses Spezialwissen ist zum Beispiel nötig, um auf Augenhöhe mit kritischen Bezugsgruppen wie foodwatch zu interagieren.

Über kritische Bezugsgruppen

Im Umgang mit NGOs wie foodwatch oder Greenpeace verfolgt Dr. Oetker eine klare Linie: Kein Aussitzen sondern direkt den Dialog suchen, lautet der Leitsatz. So waren gerade erst Vertreter von Greenpeace zu Besuch, um über die Verwendung von Palmöl zu debattieren. Denn es sei wichtig zu wissen, was Kritiker denken und fordern, so Schillinger. Seine Interessen im Bereich Public Affairs lässt das Unternehmen übrigens über Verbände vertreten.

Verbraucher als Multiplikatoren

Außerdem wurde ein Blick auf die Herausforderungen der Zukunft geworfen. Demnach wachse der Druck, auch durch die zunehmende Macht der NGOs, stetig. Verbraucher seien durch zahlreiche Lebensmittelskandale zunehmend verunsichert und Journalisten stünden unter zunehmendem Zeit- und Wettbewerbsdruck. Dadurch leide häufig die Recherche. Zudem müsse der Verbraucher als Multiplikator verstärkt berücksichtigt werden.

Im Anschluss an den Vortrag warteten bereits Dr. Oetker Pizza-Kreationen auf uns. Begeisterung auch beim Nachtisch: Denn hier konnten wir den (wortwörtlichen) „Puddingautomaten“ in der Eingangshalle ausgiebig testen und bekamen Pudding to go. Ausgestattet mit Dr. Oetker Goodie Bags machten wir uns wieder auf den Weg.

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Bertelsmann – Globales Gefühl in ländlichem Idyll

Weniger kulinarisch, dafür ebenso interessant ging es in Gütersloh weiter. Dort, wo aus der Idylle Ostwestfalens heraus das größte Medienhaus Europas geleitet wird. Bertelsmann – so auch der Name der Bushaltestelle, an der wir ausstiegen. Von dort aus ließ sich nur erahnen, wie weit sich der Unternehmens-Standort erstreckt. Denn allein in Gütersloh beschäftigt Bertelsmann 12.000 Mitarbeiter – unmöglich, dass sie alle in den beiden Gebäuden arbeiten, die wir von der Straße aus sahen.

In einem dieser beiden Gebäude wurden wir von Stephan Knüttel, Pressesprecher für Medien- und Wirtschaftsinformationen, in Empfang genommen. Und da waren wir, angekommen in der Zentrale eines Medienkonzerns, der weltweit rund 111.000 Mitarbeiter in über 50 Ländern beschäftigt. Gar nicht so kalt und steril, wie man hätte vermuten können. Stattdessen fühlte man sich in vergangene Jahrzehnte zurückversetzt. Dunkle, warme Töne, die Wände mit Holz verkleidet, die Böden mit Teppich.

Einmal über New York, Luxemburg und Hamburg zurück nach Gütersloh

Zunächst gab uns Stephan Knüttel einen Überblick über die Geschäftsbereiche und Unternehmen, die mit Bertelsmann in Verbindung stehen. Das Penguin Random House in New York, die RTL Group in Luxemburg, Gruner und Jahr (G+J) in Hamburg, um nur einige zu nennen. Theoretisch erstrecken sich die Wege von Gütersloh über verschiedene Kontinente und landen schließlich wieder bei RTL in Köln oder 11FREUNDE in Berlin. Doch eine inhaltliche Verbindung zu diesen Marken gibt es nicht, betont Knüttel. Auch die einzelnen Medienhäuser arbeiten weitgehend autark. Nur zu bestimmten Entwicklungen, wie zuletzt der mehrheitlichen G+J-Übernahme durch Bertelsmann, wird eine gemeinsame kommunikative Linie, die in der PR so viel beschworene „One Voice“, abgestimmt.

Wenn Dezentralität bei Bertelsmann so eine große Rolle spielt, fragt man sich nach der Aufgabe des „Zentralbereichs Öffentlichkeitsarbeit“. Immerhin umfasst dieser 40 Mitarbeiter, die unter der Leitung von Karin Schlautmann arbeiten. Stephan Knüttel erklärte uns die Untergliederung und Aufgaben der Bereiche Corporate Communications, Medien- & Wirtschaftsinformationen, Interne Kommunikation, Reputationsmanagement, Repräsentanz und Corporate History. So erfuhren wir, dass Knüttel in seiner Abteilung für die weltweite externe Kommunikation sowie für Reden, Korrespondenzen und das Monitoring zuständig ist.

Auf der Suche nach eigenständigen Talenten

Während Knüttel erzählte, kam sein Kollege Nico Rose dazu. Er verantwortet für Bertelsmann das Employer Branding. Ein Bereich, der bei der Vorstellung des Zentralbereichs Öffentlichkeitsarbeit fehlte. Und formal auch nicht zu diesem gehört. Rose positioniert als Teil des Human Resources Management die Arbeitgebermarke und nennt sich selbst den „Personalpressesprecher“ Bertelsmanns. Eine passende Bezeichnung, wie wir schnell merkten. Denn letztlich sind es vor allem kommunikative Aufgaben, die seinen Alltag prägen. Er zeigte uns die neue Karriere-Website und die so genannten Social Media „Touchpoints“, mit denen Bertelsmann auf seine Karriereangebote hinweist. „Create your own career“ heißt der Leitsatz, den er dabei mehrfach herausstellte. Bertelsmann brauche eben vielseitige Mitarbeiter, die auch mal über den Tellerrand blicken und ihren eigenen Weg gehen, so Rose.

Um diese Leute kennenzulernen, gibt es die Veranstaltung „Talent meets Bertelsmann“, bei der junge Menschen aus aller Welt an der Repräsentanz in Berlin zusammenkommen. An drei Tagen werden Case Studies aus dem Alltag der Bertelsmann-Unternehmen bearbeitet. Das Highlight des Events ist die Ergebnispräsentation vor den Vorständen des Konzerns und seiner Medienhäuser. Nicht ohne Stolz zeigte uns Rose den Videoclip von der letzten Veranstaltung, verbunden mit der Einladung an uns, es als „Talent“ im nächsten Sommer zu versuchen. Damit endete nicht nur der Vortrag bei Bertelsmann, sondern auch unsere Exkursion. Und wo für uns vorher noch ein „weißer Fleck“ auf der Landkarte war, steht nun mit Ostwestfalen ein Name, der in der beruflichen Zukunft des ein oder anderen von uns noch eine interessante Rolle spielen könnte.


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