Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

Inklusion durch Kinderaugen

Ein Beitrag von Lan Anh Nguyen (3. Semester MA Kommunikationsmanagement)

IMG_7450Das Seminar „Berufsethik & Gender“ bei Prof. Dr. Wiebke Möhring veranlasste die Mastersstudierenden der Hochschule Hannover dazu, sich ein letztes Mal vor der großen Masterthesis wissenschaftlich mit einem selbst gewählten Themenkomplex zu befassen. Nach einem inspirierenden Vortrag von Andi Weiland, Pressesprecher von Sozialhelden e.V., entschied ich mich für die Bearbeitung des Themas Inklusion – genauer gesagt: Die Darstellung von Menschen mit Behinderung in den Medien.

Dem Alltagsverständnis folgend, sind Menschen “behindert”, wenn sie in ihrer körperlichen Funktion, geistigen Fähigkeit oder seelischen Gesundheit von der gesellschaftlichen Normalität abweichen. Doch wer definiert, was „normal“ ist? Eine Behinderung ist nicht bloß als individuelles Defizit zu betrachten, sondern vor allem auch auf die Umwelt und die Reaktion auf die Umwelt zurückzuführen (Scholz, 2010, S. 50). So schließe ich mich der Neuinterpretation des Begriffs „Behinderung“ nach Aichele (2011) an: „Menschen mit Beeinträchtigungen sind nicht behindert, sie werden durch Barrieren in der Umwelt und in den Köpfen behindert.“

Was viele Menschen nicht wissen: Integration und Inklusion sind zwei unterschiedliche Gesellschaftskonzepte. Im Gegensatz zur Integration zentralisiert Inklusion die Vielfalt und Heterogenität einer Gesellschaft. Nicht das Individuum muss sich dem System anpassen, sondern die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssen flexibilisiert werden, damit Menschen mit Behinderung Barrierefreiheit und soziale Teilhabe ermöglicht wird. In einer inklusiven Gesellschaft ist das an der homogenen Mehrheit gemessene Normalitätsverständnis aufgehoben. Unterschiede werden als Bereicherung gesehen. (Radtke, 2006, S. 124)

Bei meiner Recherche bin ich auf ein Video der L’association Noémi gestoßen, die sich für einen Bewusstseinswandel der Gesellschaft zum Thema Behinderung einsetzt.

In dem Video spielen Eltern und Kinder ein Mimik-Spiel. Von einem Sichtschutz getrennt, sollen sie Grimassen nachahmen, die ihnen auf einer Leinwand vorgeführt werden. Während die Kinder das Spiel ungehemmt und unbeschwert angehen, beendeten die Eltern das Spiel, als ihnen ein Mädchen mit Behinderung gezeigt wird. Für die Kinder unterschied sich das Mädchen nicht von allen anderen.

Das Video ist ein hervorragendes Beispiel für gelungene Bewegtbild-Kommunikation, da es eine kraftvolle Botschaft transportiert, die wir uns alle vor Augen führen sollten: Um einer (unwissentlichen) Diskriminierung vorzubeugen, sollten wir jedem Menschen auf die gleiche Art und Weise begegnen – egal, ob mit oder ohne Behinderung! Das ist Inklusion.

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Quellen:

Aichele, V. (2011). Pressemitteilung: „Wir sind alle aufgefordert, Behinderung neu zu denken“. Zugriff am 19.01.2015 unter www.institut-fuer-menschenrechte.de/aktuell/news/meldung/article/pressemitteilung-wir-sind-alle-aufgefordert-behinderung-neu-zu-denken.html

Radtke, P. (2006). Das Bild behinderter Menschen in den Medien. Spektrum Freizeit, 30(2), 120-131.

Scholz, M. (2010). Presse und Behinderung. Eine qualitative und quantitative Untersuchung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.


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