Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

PR(SH)-Interview | Felix Barth

11414535_998547320156143_322607650_nFelix Barth studierte Politikwissenschaften und Öffentliches Recht an der Westfälischen Wilhems-Universität in Münster. Nach einigen studienbegleitenden Praktika machte er 2010 seinen Berufseinstieg bei der Hamburger PR-Agentur ORCA van Loon und arbeitet dort heute als Berater für Online- und Social-Media-Kommunikation.

Felix Barth (32) | Berater für Online- und Social-Media-Kommunikation bei ORCA van Loon in Hamburg

Public Relations bedeutet für mich das professionelle Management von Meinungsbildungsprozessen. Das heißt, man unterstützt Marken und Unternehmen dabei, mit Hilfe von Kampagnen, PR-Aktionen, Medienarbeit oder Online-Aktivitäten die Wahrnehmung dieser Marke oder des Unternehmens bei bestimmten Zielgruppen möglichst nachhaltig positiv zu beeinflussen. Dies geschieht in Abgrenzung zu klassischer Werbung, nicht indem das Produkt im Mittelpunkt steht, sondern indem man über ein Produkt, ein Unternehmen oder eine Marke Geschichten erzählt. Diese Inhalte müssen dem Leser, der Zielgruppe oder dem Verbraucher in irgendeiner Form einen Mehrwert oder einen Nutzwert bieten. Mit diesen kommunikativen Maßnahmen sollen die Kernbotschaften und die Alleinstellungsmerkmale eines Unternehmens, eines Produkts oder einer Marke transportiert werden, was letztendlich auf die Kommunikations- oder Unternehmensziele einzahlen soll.

Ich liebe meinen Beruf, weil  er so unglaublich abwechslungsreich ist. Man hantiert mit extrem vielen verschiedenen Kunden aus ganz unterschiedlichen Branchen. Gerade der Bereich der Online-Kommunikation ist extrem vielseitig. Es macht richtig Spaß, von Null an eine strategische Herangehensweise für ein Unternehmen, eine Branche oder eine Marke zu entwicklen, nicht nur konkrete Kommunikationsmaßnahmen zu konzipieren und abzuleiten, sondern diese auch in die Tat umzusetzen: Von redaktioneller Arbeit, Events, Videos, Broschüren, Social-Media-Kanäle bis hin zu Websites. Man kann sich kreativ austoben und wird permanent mit neuen Themenfeldern und Branchen konfrontiert, deswegen wird es auch nie langweilig.

Die bedeutsamsten Herausforderungen der Zukunft im Bereich PR sehe ich  in der wahnsinnig krassen Aufmerksamkeitsökonomie, in der wir leben, wo Marken, Unternehmen und auch Organisationen permanent um die Aufmerksamkeit der Menschen buhlen. Doch die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen kann dies ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr verarbeiten. Für Unternehmen oder Marken wird es daher immer schwieriger, das Interesse der Zielgruppen zu gewinnen. Mittlerweile müssen zunehmend Anzeigen geschaltet werden und somit ist es auch immer mehr eine Frage des Geldes, um zu relevanten Themenbereichen gefunden und gesehen zu werden. Früher waren Journalisten die Gatekeeper, die entschieden haben, welche Nachrichten an die Öffentlichkeit gelangen. Jetzt ist jeder, der Social-Media nutzt, in der Lage, die Funktion eines Multiplikators einzunehmen und gleichzeitig Sender und Empfänger zu sein. In dem Moment, wo ein Beitrag mit Freunden oder bestimmten Personenkreisen geteilt wird, wird Einfluss auf Meinungsbildungsprozesse oder eine Reichweite einer Nachricht genommen. Mit diesem ganzen Wahnsinn und der Informationsexplosion umgehen und als Unternehmen noch Aufmerksamkeit erreichen zu können, sind die bedeutsamsten Herausforderungen der Zukunft von PR. Man benötigt dafür viel neues Know-How. Zudem müssen die Inhalte, die bereit gestellt werden, einen Mehrwert und einen Nutzen bei den Adressaten erfüllen. Aus diesem Grund müssen Unternehmen zukünftig zunehmend redaktionell und journalistisch arbeiten und eigene Medienkanäle aufbauen, die mit relevanten Inhalten bespielt werden müssen.

Die PR-Profis der Zukunft sollten vor allem spezialisierungsfähige Generalisten sein. PR-Profis sollten die Fähigkeit haben, dem Kunden komplexe Themen zu vermitteln und die Umsetzung koordinieren zu können, also in einer Moderatorenrolle die Fäden in der Hand halten zu können. Die Kernkompetenz für PRler ist daher neben dem fachlichen Know-How in seinem Bereich vor allem eine Management-Kompetenz. Das heißt, Projekte müssen zeitlich, ressourcentechnisch und budgetär bezüglich des Personaleinsatzes geplant und das Geld eines Kunden so effizient eingesetzt werden, dass dieser letztendlich seine Kommunikations- oder Unternehmensziele erreicht. Dies wird natürlich immer komplexer, da es zunehmend mehr Kommunikationskanäle, Tools und Plattformen gibt. Daher ist es kaum möglich, ein so fundiertes Expertenwissen und Know-How zu haben und aufzubauen, dass alle Bereiche durch eine Person realisiert werden können, weshalb die einzelnen Aufgaben an die entsprechenden Verantwortlichen dirigiert werden müssen.

Eine wissenschaftliche Ausbildung im Bereich Kommunikationsmanagement finde ich zweitrangig, da gerade in der Medienbranche oft andere Kompetenzen zählen. Für mich hat eine wissenschaftliche Ausbildung kaum eine Rolle gespielt, da ich Quereinsteiger bin. Mein Studium hat zwar analytische und sprachliche Fähigkeiten und ein Gesamtwissen über unser Gesellschaftssystem und unsere Wirtschaft vermittelt, es überschneidet sich aber mit meiner heutigen Tätigkeit kaum noch. Um in einer Agentur erfolgreich zu sein, sind meiner Meinung nach vor allem Begeisterungsfähigkeit und Soft-Skills erforderlich. Das heißt PRler sollten ein vernünftiges Zeit-Management vorweisen und planen und sich organisieren können und den Aufgaben mit Enthusiasmus begegnen. Diese Kompetenzen sind in meinen Augen wichtiger als eine wissenschaftliche Ausbildung. Diese schadet aber natürlich auch nicht, denn sie vermittelt ein theoretisches Wissen, welches ich mir erst während meines Berufs aneignen musste.

Was ich den Studierenden der Hochschule Hannover noch auf den Weg geben möchte (für ihren weiteren akademischen und beruflichen Werdegang): Traut euch was und verwirklicht eure Ideen, sonst findet ihr euer Steckenpferd nicht. Gerade im digitalen Bereich ist es wichtig, neue Apps, Tools und Plattformen auszuprobieren und damit zu experimentieren. Man sollte Technologien, die man spannend findet, nicht nur passiv konsumieren, sondern selber anwenden und sich damit auseinandersetzen, um in dieser schnelllebigen Branche und Medienlandschaft am Ball bleiben zu können.

Das Interview führte Lea Klausing (Public Relations 4. Semester)


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