Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

Einblicke in die aufstrebende Welt der Startups

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„Gründen-heute“ – Das Startup-Event in Hannover

Rund 150 Jungunternehmer und solche, die es werden wollen, trafen sich auf Initiative der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft hannoverimpuls am 13. Juni zur Veranstaltung „Gründen heute“ im Kulturzentrum Pavillon in Hannover. Das Event bot Gründern Erfahrungsberichte, interessante Impulse und neue Eindrücke rund um die moderne Gründungskultur. Im Fokus stand vor allem der Unternehmensstandort Hannover – der für viele Unternehmen, Agenturen und Startups enormes Potenzial bietet. Eine große Rolle nahm die für PRler besonders interessante Kommunikationsarbeit ein.

 

Frische Ansätze, aktuelle Trends und Tendenzen im Startup-Kontext

Gründungsinteressierte, Entrepreneure, Business Angels, Investoren, Coaches, und digitale Marktführer aus ganz Deutschland: Die digitale Wirtschaft legt ein hohes Tempo vor – fast täglich ergeben sich neue Businessmodelle. Wer eine Idee hat, kann diese dank einfach zur Verfügung stehender digitaler Infrastruktur gut umsetzten. In Sessions und Workshops wird kreiert, entwickelt und gestartet, am Kunden getestet, im Prozess optimiert. In puncto Finanzierung erschließen sich neue Wege z.B. über Bootstrapping, Venture-Capital oder Crowdfunding. Die Szene ist jung und gut vernetzt. Produktlebenszyklen erscheinen immer kürzer, hingegen steigen die vielfältigen Angebote rasant. Als Startup ständig innovativ zu bleiben, ist eine echte Herausforderung.

 

Netzwerkförderung und Know How für den Erfolg

Die Rahmenbedingungen zum Gründen haben sich in den letzten zehn Jahren enorm verändert. Auf die daraus resultierenden Chancen und Herausforderungen ging Sascha Schubert vom Bundesverband Deutsche Startups e.V. ein. Der Verband gilt als Kernrepräsentanz und Stimme der deutschen Startup-Szene. Im Dialog mit Entscheidungsträgern in der Politik erarbeiten sie Vorschläge, die eine Kultur der Selbstständigkeit fördern und die Hürden für Unternehmensgründungen senken soll. „Als Netzwerk verbinden wir Gründer, Startups und Branchenkenner miteinander“, sagte Sascha Schubert. Herausforderungen für Unternehmensgründer seien heute aber vor allem rechtliche Rahmenbedingungen, institutionalisierte Förderungen und auch die deutsche Bürokratie, erklärte Schubert. „Auch heimische Finanzierungsquellen sind schlichtweg ungenügend“, kritisiert der stellvertretende Verbandsvorsitzende in seiner Keynote. Gleichzeitig lobt er die stetig wachsende Startup-Community. Er rät jungen Gründern früh mit anderen über ihre Idee zu sprechen und Probleme stetig zu analysieren und disruptive Ideen zu entwickeln. „Startups nehmen in Berlin eine große Bedeutung im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt ein – jedoch kann eine Stadt wie Hannover viel mehr Impact Möglichkeiten für Gründer, Unternehmen und Agenturen bieten“, so Schubert.

Erfahrungenberichte aus der Startup-Szene

How to Build a Social Community? Max Schild und Yannick Pieper berichteten von ihrem Startup „tytle“, dessen Dienst es erlaubt, Messenger-Kommunikation als Untertitel auf dem Smart-TV anzuzeigen. Die ehemaligen Medienmanagement-Studenten konnten bereits in ihrer frühen Gründungsphase viel lernen und teilten fünf destillierte Leitregeln aus ihrem Erfahrungsschatz mit den gespannten Zuhörern:

  • Nutze deine Freunde: Ehrliches Feedback von Freunden bringt mehr als breit angelegte Crowd-Tests.
  • Die beste Conversion hat das Gespräch: Im Vergleich zu Newslettern haben wenige unmittelbare Kontakte größeres Potenzial, die eigene Idee über Fürsprecher weiterzutragen.
  • Zapf‘ andere Dienste an: Auf Bestehendes zurückzugreifen macht mehr Sinn, als alles selbst machen zu wollen. Mehrere Wachstumsmotoren zu verbinden kann zu schnellerem Wachstum führen.
  • Lover sind besser als Kontakte: Lieber auf Leute bauen, die von der Idee wirklich begeistert sind, als einen Pool von tausenden Kontakten rudimentär zu „pflegen“.
  • Sei auf alles vorbereitet: So viele Eventualitäten wie möglich bedenken, um flexibel darauf reagieren können.


Direkt aus dem Startup-Hotspot Berlin

Interessante Einblicke in die Welt der Internet-Startups gab Co-Founder Nils Seger von der Kommunikationsagentur RCKT. Communications, die aus dem Startup-Inkubator Rocket Internet hervorging. Direkt aus dem Hotspot Berlin berichtete er über die aktuellen Trends der Szene – allerdings stellt auch Nils Seger fest, dass Trends immer schwer zu beziffern sind. So zeigte er aktuelle Tendenzen im Startup-Kontext und Ideen mit viel Potenzial: Von Fintech, also Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen, über Household Services wie Putzhilfen oder Bestellservices bis hin zu Realtime Technologien und neuen Medien, besonders hier gibt es derzeit großes Potenzial.

Was scheint wichtiger zu werden?

  • Life-Optimization: Ideen und Startups für den Alltag werden immer immer häufiger entwickelt.
  • Real-Time-Content: Die liebe zum Content wird zur Relevanz. Das Involvement wird wichtiger als das Storytelling. Der Content der Zukunft sollte Qualität aufweisen und anspruchsvoll sein.
  • Go mobile: Die mobile Nutzung steigt weiter an. Nutzer von Smartphones und Tablets machen einen immer größeren Teil der potenziellen Kunden im Web aus.
  • Measurement: Die Analyse und KPIs werden einen noch höheren Stellenwert in der kommunikativen Arbeit einnehmen.

Kommunikationsarbeit für Unternehmen besteht demnach in Zeiten der Digitalisierung vor allem darin, Menschen im Netz involviert zu halten. Um online auf sich aufmerksam zu machen bleibe laut Seger nur die stetige Lieferung von gutem Content, der interessant und relevant ist. „Digitalisierung ist mehr als eine Website; es ist ein kultureller Gedanke“, konstatiert Seger. Die Angst vorm Scheitern versucht der Junggründer dem Publikum zu nehmen und bringt den Spirit und die zentrale Botschaft auf den Punkt: „Startup bedeutet Fehlerkultur. Es muss nicht alles von Anfang an perfekt sein.“

Trendthema Bloggen – Freizeitbeschäftigung oder Businessmodell?

Weiter ging es mit der interaktiven Session „Bloggen als Geschäftsmodell und Kommunikationsmedium“ mit Lifestyle-Bloggerinnen Julia-Maria Blesin von nicetohavemag und Sandra Czok von Majoli Blog. Zentrales Thema war der Spagat zwischen Authentizität und Wirtschaftlichkeit. Leser erwarten immer neue, hochwertige und journalistisch-unabhängige Inhalte, wollen aber meistens nicht dafür bezahlen.

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Blogging: Vom Hobby zum Business?

Nur rund drei Prozent aller Blogger schaffen es heute, von ihrer Arbeit zu leben. In der Theorie ist Blogging ein offenes Berufsfeld – jeder kann Blogger werden. In der Praxis zeigt sich, dass das Bloggerdasein „mindestens acht Jobs in einem vereint“, so Julia-Maria Blein. Blogger sind Fotograf, Grafiker, Informatiker und Redakteur, aber auch Model, Stylist und Öffentlichkeitsarbeiter. Kurz gesagt: Ein Blog bedeutet eine Menge Arbeit. Aufwendige Beiträge sollten mindestens dreimal pro Woche erscheinen, um die Leser bei Laune zu halten, erklären die Blogger. Authentizität muss also immer gegeben sein. Zudem ist ein Blogger nahezu 24/7 online und bespielt nebenbei alle möglichen Social-Media-Kanäle. Denn ein Blog ist nicht genug – Blogging erfordert crossmediales Denken und Handeln.

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Der PRSH-Vorstand mit Julia-Maria Blesin (mitte) von Nicetohave Mag.

Doch das Geschäftsmodell hat natürlich auch positive Facetten: Was als Hobby startet, kann sich mit viel Leidenschaft zum Business entwickeln. Doch wie rentabel ist das Bloggen? „Bei der Frage ‚PR versus Marketing‘ haben Unternehmen den Blogger in seiner Schnittstellenfunktion immer häufiger auf dem Schirm“, weiß Julia-Maria Blesin. Budgets seien in Aussicht, jedoch sei es schwer, sich mit einem Blog zu etablieren und etwas vom „saftigen Stück Kuchen“ abzubekommen.

 

Gerade bei Startups sind die Founder die Marke

Startups punkten mit Persönlichkeit in der Kommunikation: „Ihr seid die Blogger für euer Startup“, stellte Steven A. Zielke der Nebelhorn Medien GmbH und CEO von Blappsta mit Fingerzeig auf das Gründerpublikum fest. „Ihr müsst alle Jobs eines Bloggers beherrschen, um euch und euer Startup als Marke zu positionieren.“ Nach diesem anschaulichen Vergleich ging Zielke näher auf das Bloggen für Unternehmen beziehungsweise Startups ein. Derzeit gebe es rund 152 Millionen Blogs im Internet. Um bei diesem Überangebot nicht unterzugehen, gehe es heute nicht mehr um Reichweite, sondern vor allem um Relevanz. „Das Thema SEO wie es früher war, ist vorbei. Es geht rein über Content und was er für die Leser bedeutet.“ Dabei seien Heavy-User wesentlich bedeutender als lose Kontakte. „Wirklich treue Nutzer gibt es kaum noch“, weiß der Medienexperte. Jeder Blog will gerne nachhaltig Leser gewinnen und begeistern. Es gibt viele digitale Alternativen – die Leserschaft könne man nur mit entsprechenden Tools wieder zurückholen betont Steven A. Zielke.

Laut Zielke sollte bei all dem Blogging eines nicht vergessen werden: Am Ende des Tages solle das Unternehmen Umsatz machen, wohingegen die Anzahl von Page Impressions oder das Ranking bei Google zwar hilfreich – aber nicht alles – sein könnten.

 

Wie kommt man nun auf eine innovative Idee?

Der letzte Impuls an diesem Tag kam von Jan K. Arndt von Trend Innovation. In seinen „Grundlagen des disruptiven Innovationsmanagements” stellte er die Frage: Wollen wir die Zukunft gestalten oder ertragen? Die Digitalisierung und Schnelllebigkeit führe demnach für Unternehmen zu steigendem Innovationsdruck. Um erfolgreich zu werden und auch zu bleiben, gilt es fortlaufend neue Ideen zu entwickeln: „Um aus der Massen ähnlich wirkender Unternehmen herauszustechen und seinem Kunden aufzufallen, muss man anders sein – und zwar mit System“, erklärt Jan K. Arndt. Das Ergebnis des Vortrags: Breaking Rules – viele Konventionen ließen sich bei näherem Hinsehen neu definieren. Genau darin liege der Schlüssel zu zukunftsorientierter Innovation, referierte Jan K. Arndt.

Auch für den Regelbruch gibt es Regeln: Jede Regel sollte hinterfragt werden. Jede Regel kann gebrochen werden. Nicht jede Regel darf gebrochen werden, erklärt Jan K. Arndt

 

Fazit – von der PR für die PR von Startups

Die Lektion für ein Startup und die Kommunikation: Wachstum ist niemals fertig. Die größte kommunikative Herausforderung besteht darin, seine Ideen zu entwickeln und diese danach auf den verschiedenen Ebenen zu kommunizieren. Gründer sollten sich zwar komplett auf ihr Produkt konzentrieren, jedoch auch auf die Darstellung bei der definierten Zielgruppe. Im Kern geht es immer um eine gute Geschäftsentwicklung – die Kommunikation kann die Geschäftsentwicklung beschleunigen. „Gründen heute“ gab vielfältige und interessante Impulse rund um das Thema Startups, Innovation, Digitalisierung, Kommunikation und dem Standort Hannover. Neben Erfahrungsberichten, Tipps, vielen Leitregeln und dem Vorstellen aktueller Trends der Gründerszene, machte das Event vor allem eines: Lust auf das Gründen und auf die Arbeit in einem Startup.

 

Ein Beitrag von Loreen Abedi und Jan Reinholz (BA Public Relations 4. Semester)


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