Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

PR(SH)-Interview I Daniel Klinge

IMG_2291swDaniel Klinge ist 26 Jahre alt und arbeitet als Junior Consultant Public Affairs im Bereich Energiepolitik bei Ketchum Pleon. Vorher war er als Praktikant, Werksstudent sowie als Trainee bei Ketchum Pleon tätig.

Public Relations bedeutet für mich auf übergeordneter Ebene, die Reputation eines Unternehmens, einer Organisation oder einer Person aufzubauen, zu erhalten oder zu entwickeln. Das kann mit klassischen Kommunikationslösungen geschehen, aber auch mit innovativen und kreativen Maßnahmen. In jedem Fall ist es unerlässlich, das Umfeld eines Akteurs und dessen Stakeholder sehr genau zu kennen. Nur so kann es gelingen, eine Beziehung zu diesen aufzubauen und ein öffentliches Verständnis gegenüber dem Akteur aufzubauen.

Ich liebe meinen Beruf, weil er mir schon zu Beginn meiner Karriere die Gelegenheit gibt, eigenverantwortlich Projekte zu leiten, Erfahrungen bei der Mitarbeiterführung zu sammeln und Einblicke in eine Vielzahl von Unternehmen, Themen und Kommunikationsbereichen zu erhalten. In unserer Agentur gibt es viele kurze Entscheidungswege und ein vergleichsweise junges Mitarbeiterumfeld, was man vor allem in größeren Unternehmen selten vorfindet. Obwohl ich als politischer Berater in einem traditionell konservativen Umfeld arbeite, treffe ich im Büro auch auf bunte Sneaker und Nerdbrillen. Diese Balance mag ich.

Die bedeutsamsten Herausforderungen der Zukunft im Bereich PR sehe ich in dem Spannungsverhältnis zwischen dem Erzeugen von Relevanz auf der einen Seite und dem zumindest gefühlten Druck, sich der Geschwindigkeit und Frequenz der digitalen Medien anpassen zu müssen auf der anderen Seite. Dazu gehört auch, die Entscheidung treffen zu können, dass nicht jeder Kommunikationstrend oder jeder Kanal für das vorliegende Problem sinnvoll ist – auch wenn ein Kunde oder der eigene Geschäftsführer das „cool“ findet, also Fälle wie dieser hier: „Wir sollten auch mal was bei Twitter machen.“

Die PR-Profis der Zukunft sollten vor allem immer dazu bereit sein, über viele verschiedene Disziplinen hinweg zu denken. Egal ob Digitales, Medien, Politik, Kreatives, Marketing, Werbung – keines dieser Bereiche darf als Leuchtturm betrachtet werden, sondern muss sich in die übergeordnete „Story“ eines Unternehmens oder einer Organisation einordnen lassen. Als politischer Berater muss ich auch bereit sein, unsere Strategien mit Pressesprechern, Marketingchefs oder Vorstandsvorsitzenden abzustimmen.

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PRSH-Vorstand mit Alexander Brincker (links) und Daniel Klinge (rechts) von Ketchum Pleon Deutschland

Eine wissenschaftliche Ausbildung im Bereich Kommunikationsmanagement finde ich grundsätzlich hilfreich, halte sie aber nicht für zwingend notwendig. Egal wie praxisorientiert oder theoretisch ein Studiengang ist, sollte man so viel Zeit wie möglich in „echte“ eigene Erfahrung investieren – sei es durch Praktika, Nebenjobs oder freiwilliges Engagement. Was ihr im zweiten Semester im Proseminar diskutiert habt, würde mich als Recruiter eher weniger interessieren. Aber wenn ihr über einen gewissen Zeitraum die Öffentlichkeitsarbeit eines Vereins übernommen habt oder die Social-Media-Accounts einer Initiative betreut habt, ist das sehr spannend.

Was ich den Studierenden der Hochschule Hannover noch auf den Weg geben möchte: Findet in jedem Fall Euren eigenen Weg. Der berühmte rote Faden im Lebenslauf kann schon helfen, aber letztlich soll und muss das Studium auch eine Zeit der Orientierung sein. Meine persönliche Meinung ist, dass viele Praktika und Engagement in ganz unterschiedlichen Organisationen sehr wertvoll sind – selbst wenn man mal katastrophal danebengelegen hat mit seiner Wahl. Urlaubs- und Auslandssemester sind für die eigene Entwicklung und damit auch für die eigene Reflexionsfähigkeit extrem wichtig. Es hat am Ende nicht derjenige oder diejenige die besten Chancen, die als schnellster aus der Uni stolpert, sondern wer seine Zeit für die eigene Entwicklung am besten genutzt hat.

Das Interview führten Loreen Abedi & Jan Reinholz (BA Public Relations 4. Semester)


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