Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

Vom goldenen Zeitalter und ganz, ganz viel Emotionen – #ThePitch No. 4

Ein Nachbericht von Kristin Becke (3. Semester MA Kommunikationsmanagement)

ThePitch_No_4#ThePitchVierWarDerAbsoluteWahnsinn: Zum bereits vierten Mal lud der PRSH e.V. Agenturvertreter zu sich nach Hannover ein. Zum allerersten Mal wurde am Ende über den „Best Pitcher 2015“ abgestimmt. Mit von der Partie waren wieder einmal große Namen aus der Agenturlandschaft: Ion Linardatos von Straub & Linardatos, Dr. Christof Biggeleben von Ketchum Pleon, Alexander Fink von Burson-Marsteller und Frank Behrendt von fischerAppelt. Durch den Nachmittag begleitet hatte Prof. Peter Szyszka, der „Godfather of Moderation“. Im Viertelstundentakt warfen sich die vier Herren für uns so richtig ins Zeug: An Bling-Bling wurde auch nicht gespart, so viel vorweg genommen.

 

Ion Linardatos legte einen sehr eindrucksvollen Start hin. Als Mitinhaber der 25-Mann-starken Hamburger Agentur vermittelte er den Studierenden das Gefühl von Heimat. „Ich will, dass ihr die Agentur sexy findet.“ (So so. Denn man tau.) Ion Linardatos hatte dafür ein ganz besonderes Ass in seinem (halbgriechischen) Ärmel: einen Poetry-Slam! (Der Hammer, oder?) Denn: „Es gibt immer einen Costa, den man anrufen kann!“ In einem locker flockigen Poetry-Slam brachte uns Mitarbeiter Nektarius Straub & Linardatos auf charmante Art und Weise näher. „Daheim ist es doch am schönsten… Bei uns wird auch mal nett geschnackt anstatt genetworked.“ Es herrschen flache Hierarchien, jede Stimme wird gehört. „Wir schicken den Hobbit los… sowas in der Art, nur mit Medien.“ (Es wurde gelacht.) „Heimat ist nicht da, wo du herkommst. Heimat ist da, wo du dich aufgehoben fühlst.“ Straub & Linardatos will bewusst nicht abgehoben sein in einer Branche, wo man zum Abheben, gar durch die Decke schießen, neigt. Das Haus der Agentur mit dem Konferenzraum Miami (klapprige Gartenstühle im Vintage-Stil im verträumten grünen Garten mitten in Hamburg-Ottensen) stellte Linardatos als die „kleine Gewürzmühle“ vor. Bei den sechs Leitwerten Professionalität, Entwicklung, Wertschätzung, Achtsamkeit, Eigenverantwortlichkeit und Offenheit steht der Mensch im Mittelpunkt.

 

„Hallo Hannover!“ Nach einem unheimlich starken Einstieg ging es weiter mit Dr. Christof Biggeleben, Head of Campaigning bei Ketchum Pleon. „Sicher Dir die Unterstützung Deiner Freunde. Und die der Öffentlichkeit.“ Cicero. Biggeleben überzeugte mit starken Zitaten und aussagekräftigen Thesen. Wie alt die Grundprinzipien unserer Profession sind? Über 2000 Jahre! Was sich verändert hat? Wir! (Word!) Gut, über die These, dass Ketchum die Kaderschmiede der deutschen PR ist (Bild Alexander Fink und Frank Behrendt), sei dahin gestellt. Doch mit Kampagnen zu G7 und dem Bild der drei gewonnenen Cannes-Löwen brachte Biggeleben etwas ganz Entscheidendes zum Ausdruck: Für verrückte Dinge, die man sich ausdenkt, Geld zu bekommen, macht diesen Job aus! (Wow!) Mit den Hashtags #HYBRID SEIN, #GROSS DENKEN und #SICHSELBSTHINTERFRAGEN machte er auf drei ganz besonders wichtige Themen aufmerksam. Reicht PR alleine noch aus? (Nein!) Kann man kleine Ideen groß machen? (So was von nein! Im Gegenteil.) Immer nur hinter neuen Buzzwords hinterher laufen? (NEIN!) Content-Marketing sei schließlich „ältester Wein in neuen Schläuchen“.

 

Es blieb spannend. Der Unterhaltungswert hoch. Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit Alexander Fink von der internationalen Agentur Burson-Marsteller. „Sie leben in goldenen Zeiten!“ (Na das hört doch jeder gern! Weiter so!) Der Grad an Professionalisierung in der Branche steigt stetig an. Die Zeiten sind jedoch (Butter bei die Fische) auch härter geworden. (Schon waren wir auf dem Boden der Tatsachen zurück. Doch wo er Recht hat, hat er Recht). Weltweit, in 107 Ländern meistert Burson-Marsteller Krisen und weitere Aufgaben, die von den Menschen geprägt sind. Und was kann einen Berufseinsteiger fachlich von 0 auf 100 bringen? Richtig, eine Krise. „Wir waren schon in mehr Skandale verwickelt als Silvio Berlusconi.“ Alexander Fink brachte seine Agentur über aktuelle Themen und Aufgaben den Studierenden näher und gab den Ratschlag, weniger fachlich perfekt, als vielmehr persönlich gereift zu sein. #Lead don’t follow. „Finde mehr als nur die richtigen Worte. Finde eine Karriere. Komm zur Agentur für die besonderen Fälle.“ Das letzte Chart: Adressen für die Bewerbung. (Da hatte wer seine Recruiting-Hausaufgaben gemacht.)

 

Last but not least: Frank Behrendt, fischerAppelt. Warum? Darum! Ein Mann, der lieber in den hinteren Reihen sitzt. Mit Musik hieß Frank Behrendt uns Willkommen. Denn, ist ja klar: „Zu jedem guten Akt gehört eine gute Auftrittsmusik. Alles andere ist lame.“ Um die brandaktuellen 10 Ratschläge kamen auch wir nicht drum herum: Pünktlich gedruckt und mit dem unschlagbaren Angebot eines Autogramms gab uns Behrendt sein Credo mit auf den Weg. (Unsere 10 Tipps für ein tiefenentspanntes erfolgreiches Studienleben findet Ihr im Übrigen hier.) Für Behrendt in der Kommunikation ganz wichtig: Der Faktor Mensch und zitierte BBDO-Chef Andrew Robertson mit PR „is all about the people“. Da Folienpräsentationen total 90er sind, lief bei Behrendt alles über Bewegtbild. Mit einem goldenen, von Pailletten besetzten Sakko setzte der Showmaster seinem Auftritt die Krone auf. „Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.“ (Zitat seines Kindheitshelden Vicky, von Vicky und die Wickinger…) Jetzt aber mal im Ernst. Behrendt appellierte an die Studierenden: „Achtet nur auf drei Dinge: the work, the work, the work.“ Wie eine Agentur tickt, wie sie arbeitet, das zeigen ihre Werke draußen am Markt. Sie spiegeln die Haltung einer Agentur wider. Mit drei Kampagnen stellte Behrendt fischerAppelt vor. „Wenn Euch Leute erzählen, dass sie Content können, lächelt freudig und denkt: Wieder so ein Schwätzer.“ Und zu der Frage, ob mehr Werbung oder PR? Das ist Bullshit (Zitat). „Wir sind eine integrierte Agentur.“ Besonders beeindruckt hatte eine Pro Bono Kampagne, die fischerAppelt in Kooperation mit einer anderen Agentur auf die Beine gestellt hat. Mit Erfolg. Mit Tränen in den Augen gab Behrendt zu: „Das war das erste Mal in dieser Branche, dass meine Mutter stolz auf mich war.“ (Sprachlosigkeit. Tiefes Schlucken. Tränen bei #ThePitch? SOWAS GAB’S NOCH NIE! Emotionen Pur.) Zum Abschluss noch ein paar weise Worte vom Showmaster: „Sucht Euch eine Branche aus, die zu Euch passt. Sucht Euch einen Arbeitgeber, der Euch so behandelt, wie Ihr es verdient. Sucht Euch einen Chef aus, der oben steht und von dem Ihr lernen könnt. Der ein Mensch ist, nicht ein Manager.“ Was für ein Pitch…

 

Podium_PitchIn einer abschließenden Diskussionsrunde wurde nach Themen gefragt, die man mit einer Kampagne anfassen müsste. Ion Linardatos ergriff sofort das Mikrofon: „Diese Nazi-Scheiße auf facebook.“ (Wie wahr.) An diese Menschen über Kommunikation ranzukommen ist ein wichtiges Thema, das Chance, aber auch Risiko zugleich sein kann. Ein Thema, was sich um grundsätzliche Haltungsfragen dreht, das nicht nur digital, sondern auch über face-to-face-Kommunikation angepackt werden müsste. Ein weiteres wichtiges Thema: die Krise von VW und die Gefahr, als Vorreiter in der Automobil-Branche abzustürzen. #Dieselgate zeigt wieder einmal, wie die Welt maximale Transparenz von Unternehmen einfordert. Führungskulturen und Management müssen sich verändern und an diese Situation anpassen. Die Profis waren sich darüber einig, dass dieser Change für die Kommunikation eine herausfordernde Challenge darstellt. In diesem Zusammenhang sollte auch die Frage gestellt werden, was die Verantwortung des Verbrauchers ist, der Transparenz einfordert. Auch sollten wir uns als Branche im Hinblick auf einen kritischen Journalismus hinterfragen. Schließlich fungieren wir für die Journalisten als Wissensvermittler. Ob es ein goldenes Zeitalter für die Kommunikationsbranche im Hinblick auf den Arbeitsplatz gibt, bezweifelte Behrendt. „Das ist Märchenerzählerei. Zeiten sind schon immer interessant und challenging.“ Die inhaltlichen Thematiken seien dafür spannend wie nie zuvor. „Es herrschen goldene Zeiten im Hinblick auf Herausforderungen, Ansprüche und Möglichkeiten.“

 

Zum Schluss ging es dann um uns: die potenziellen Bewerber. Was zum Teil fehlt, sind die Persönlichkeiten, Offenheit und Neugierde. Der Blick für das große Ganze. Alle vier Pitch-Teilnehmer legten den Studierenden noch einmal ans Herz: Der Weg über eine Agentur lohnt sich aus dem Grund, dass man dort in kürzester Zeit am meisten lernt und es damit ganz schnell nach ganz oben schaffen kann. Zuletzt noch ein wichtiger Einwand von unserem Gast Thomas Dillmann, dem Chefredakteur vom PR-Journal: Es darf niemals an Demut vor der Erfahrung fehlen! Nach so viel Emotionen und spannenden Beiträgen wurde schließlich der Gewinner gekürt: Mit Heimat haben Ion Linardatos und sein Costa die Studierenden überzeugt! Chapeau!


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