Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

PR(SH)-Interview | Daniel J. Hanke

Ein Beitrag von Katalin Genius (3. Semester Bachelor Public Relations)

PR_Interview_Hanke

Daniel J. Hanke mit Katalin Genius beim PRSH-Karrieretag

Daniel J. Hanke ist Vorstand der Kommunikationsagentur Klenk & Hoursch AG und leitet den Münchner Standort. Die Klenk & Hoursch AG ist eine inhabergeführte Agentur für methodische Unternehmens- und Mar- kenkommunikation in der digitalen Ära. Hankes Schwerpunkte liegen im Bereich Social Media, Digital Marketing sowie in der Change- und Krisenkommunikation. Er berät dabei Unternehmen aus DAX-30, Fortune-500 und dem Mittelstand.

Daniel J. Hanke (41) | Vorstand bei der Klenk & Hoursch AG

 

Public Relations bedeutet für mich
erst einmal Beziehungen. Wir haben 2007 das „Public Relations“ aus unserem Agenturnamen gestrichen. Weil schon damals Medienarbeit nur ein Aspekt unserer Arbeit war. Trotzdem mag ich den Begriff „Public Relations“ sehr, weil er verdeutlicht, dass wir dabei helfen, die Beziehungen zwischen Unternehmen, Produkten und Dienstleistungen und ihren Kunden, Konsumenten und weiteren Stakeholdern zu gestalten. Und an diesen Beziehungen zu arbeiten – inhaltlich, technisch, und organisatorisch – das ist es, was die Arbeit und damit einhergehend auch die PR, extrem spannend macht.

Ich liebe meinen Beruf, weil
ich aus ganzem Herzen sagen kann: Ich liebe Beratung! Nämlich die strategische, kreative und handwerkliche Auseinandersetzung mit den Herausforderungen meiner Kunden. Zum Start eine gute Datenbasis mit Insights zu den relevanten Teilöffentlichkeiten und ihren Informations-, Entscheidungs- und Kaufgewohnheiten. Dann zielgerichtete Kreativität, die zu einer klugen Lösung führt, die man am Ende tatsächlich in der „echten Welt“, also auf der Straße, sieht. Das liebe ich wirklich!

Und ich liebe meinen Job auch, weil ich als Agenturinhaber sehr selbstbestimmt arbeiten kann. Das betrifft mein Arbeitsvolumen: Ich möchte meinen Job noch 25 Jahre mit Leidenschaft machen. Das geht nur, wenn ich ein greifbarer Ehemann und Vater bin, wenn ich körperlich fit bleibe und wenn ich mir Zeit für Beziehungen, Inspiration und Zerstreuung nehme. Und das betrifft meinen Arbeitsstil: Ich bin jemand, der dauernd zwischen Vollgas und Entspannung oszilliert. Andere arbeiten vier Stunden im gleichen Tempo vor sich hin. Beides ist ok, aber ich brauche eben Toleranz für den Stil, mit dem ich maximale Qualität produziere.

Die bedeutsamsten Herausforderungen im Bereich PR sehe ich
in der Digitalisierung. Die beschäftigt Unternehmen nicht nur in Bezug darauf, wie sie entwickeln, produzieren, verkaufen und kommunizieren. Die Digitalisierung betrifft im Kern die Unternehmenskultur: Welche Fähigkeiten und welches Mindset brauchen meine Mitarbeiter, damit ich auch in Zukunft im Markt bestehen kann? Und: Wie finde, gewinne, integriere und binde ich diese Mitarbeiter? Denn unter Umständen haben die ganz andere Vorstellung zu Karriereweg, Arbeitsplatz, Hierarchien, Präsenzpflicht, Tools und Kommunikation. Das ist eine echte Herausforderung, übrigens auch für Agenturen. Allerdings tun wir uns als 50-Leute-Laden mit der Digitalisierung sicher etwas leichter, als ein DAX-30-Konzern…

Gibt es etwas, dass Sie an der PR auch mal nervt?
Was mich manchmal nervt, ist die Reduzierung von Kommunikation auf Media Relations. Damit macht sich PR zu klein. Denn vieles von dem, was wir heutzutage in der internen und externen Kommunikation eines Unternehmens tun, geht weit über Medienarbeit hinaus. Klar: Leitmedien sind wichtig und auch 2015 hat sich noch kein Kunde über eine halbe Seite Coverage im Handelsblatt beschwert. Aber für bestimmte Produkte und Dienstleistungen für bestimmte Teilöffentlichkeiten hat Reichweite keinen Wert. Schon gar nicht in klassischen Medien.

Die PR-Profis der Zukunft sollten vor allem
sattelfest sein, was die theoretischen Grundlagen angeht: Konzeption, Recherche und Texten in allen Varianten. Und zwar einen Teil davon gelernt aus der Hochschule, einen Teil aus den Praktika und einen Teil aus „Nebenbei-Engagements“, wie dem PRSH.

Darüber hinaus halte ich das Thema „interkulturelle Kompetenz“ für extrem wichtig. Klenk & Hoursch ist eine inhabergeführte Agentur, aber die Hälfte unserer Kunden sind internationale Mandate, bei einem Drittel arbeiten wir ausschließlich auf Englisch mit Ansprechpartnern in Brüssel, Cleveland / Ohio oder Istanbul. Einen Teil dieser Kompetenz kann man während des Studiums erwerben, weil da Zeit ist für Praktika oder einen Auslandsaufenthalt.

Vieles andere, vor allem die Erfahrung, kommt dann „on the job“ und Stück für Stück. Nach jeder Social Media Strategie, nach jedem Leitbild, nach jeder Instagram-Kampagne und jedem Medientraining ist man schlauer und kann wieder besser beraten.


Eine wissenschaftliche Ausbildung im Bereich Kommunikationsmanagement hat

für mich viel damit zu tun, dass Menschen die Grundlagen der Kommunikation verstanden haben: Wie Beziehungen zu Stakeholdern aufgebaut und mit Leben gefüllt werden können, wie Meinungen und Präferenzen entstehen, wie Markenführung im digitalen Zeitalter funktioniert, wie Unternehmen Reputation auf- und ausbauen. Das kann ruhig auch sehr theoretisch sein, Die Praxis kommt ja noch früh genug.

Dann gibt es so gewisse Grundfertigkeiten der zeitgemäßen Kommunikation. Da ist mir natürlich derjenige lieber, der schon 2.000 Tweets rausgehauen hat, als ein anderer, der seine Bachelorarbeit in der germanistischen Textlinguistik zu „Fragen der Kohärenz und Kohäsion in Texten Sozialer Medien am Beispiel von 25 ausgewählte Tweets aus dem deutschsprachigen Raum zwischen 2010 und 2012“ schreibt, selbst aber nicht twittert.


Wenn nicht PR – in welchem Job würde man Sie sonst finden?
Wahrscheinlich würde ich ein Restaurant aufmachen. Ich bin erstens koch- und essbegeistert und „zwinge“ meine Kinder, im Namen der sozialen Beteiligung, dauernd zum Mitkochen. Und ich halte gemeinsame Mahlzeiten für eine der elementarsten und kulturübergreifendsten Formen der Kommunikation und der sozialen Interaktion. Kürzlich las ich den schönen Satz: „Ein gedeckter Tisch ist wie eine Brücke zwischen Menschen“. Wahrscheinlich würde ich aber sehr schnell merken, dass die Aufgabe, ein spannendes Restaurant zu führen, dann doch nicht so romantisch ist, wie mit den eigenen Kindern an einem entspannten Samstagnachmittag vor sich hin zu schnibbeln, brutzeln und naschen…


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