Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

PR-Initiativen: Stellungnahme zu den GPRA-Mindeststandards

Stellungnahme zu den GPRA-Mindeststandards für Traineeausbildungen von den Studentinitiativen campus relations e.V. (Münster), kommoguntia e.V. (Mainz), LPRS e.V. (Leipzig) und PRSH e.V. (Hannover).

Da uns die von der GPRA festgelegten Mindeststandards für Trainees als Stellvertreter des Branchennachwuchs betreffen, möchten wir mit einer gemeinsam formulierten Stellungnahme die studentische Sicht zur Branchen-Diskussion über die Qualität der Agenturbewerber einerseits und die Rahmenbedingungen der Berufsausbildung andererseits darlegen.

Einheitliche Standards für Traineeships

Zunächst begrüßen wir die Festlegung von Mindeststandards für Trainees durch die GPRA und die damit verbundenen Vereinheitlichungsbestrebungen der Ausbildung vor allem hinsichtlich einer Professionalisierung des Berufsstandes in den GPRA-Agenturen. Als positiv nehmen wir die festgelegten Rahmenbedingungen wie die feste Zuteilung eines Betreuers, die strukturierten Weiterbildungsangebote und regelmäßige Feedbackmöglichkeiten wahr. Allerdings kritisieren wir vor allem die Dauer der Ausbildung und die Höhe der Vergütung, die wir auf eine fehlende Differenzierung unterschiedlicher Ausbildungshintergründe zurückführen.

Kostendeckende und wertschätzende Vergütung

Die Mindeststandards für Trainees beinhalten ein Mindestgehalt von 1.600 Euro. Dieser Betrag entspricht bei einer 40-Stunden-Woche nicht viel mehr als dem Mindestlohn, welcher bereits Praktikanten zusteht und in keiner Weise die Arbeit eines Berufseinsteigers würdigt. Dies gilt insbesondere für Studierende fachbezogener Bachelor- und Masterstudiengänge, die bereits über ein Spektrum an fachlicher Kompetenz verfügen. Da viele Studiengänge bereits Praktika in diesem Bereich als Zulassungsvoraussetzung formuliert oder in Form von Pflichtpraktika im Studienplan festgelegt haben, verfügen die Studierenden neben theoretischen Kenntnissen auch über praktische Fähigkeiten. Ein Trainee-Gehalt muss die Leistung wertschätzen und letztlich auch die Lebenshaltungskosten decken. Der von der GPRA festgelegte Mindeststandard folgt dieser Logik bislang nicht. Auch ist noch kein einheitliches Verständnis über die Funktion und den Nutzen des Traineeships nach einem absolvierten Kommunikationsstudium vorhanden. Dies spiegelt sich ebenfalls in den starren Zeitvorgaben wider.

Gemeinsamer Dialog

Vor diesem Hintergrund bedauern wir, dass wir nicht in die Verhandlungen mit einbezogen wurden. Wir hätten uns gern an einem Austausch beteiligt, um die Interessen und Ansichten der Studierenden angemessen vertreten zu können. Denn in der aktuellen Form erhöhen die Mindeststandards keineswegs die Attraktivität von Agenturen für zukünftige Bewerber.

PR-Initiativen_LPRS_PRSH_kommoguntia_campusrelations Kopie

Über die studentischen Initiativen

Die Studierendeninitiativen campus relations e.V., kommoguntia e.V., LPRS e.V. und PRSH e.V. ergänzen durch ihre Vereinsarbeit den regulären Lehrbetrieb an Hochschulen und Universitäten. Gemeinsam fordern sie die Anerkennung und Akzeptanz der Leistung, des Wissenstands und des daraus resultierenden Mehrwerts der PR-Studierenden.


6 Responses so far.

  1. Matthias Fischer sagt:

    So sinnvoll und begrüßenswert eine Zusammenarbeit zwischen den Studi-Initiativen auch sein mag – diese Stellungnahme ist einfach nur ein großer Witz.
    Leute! Die GPRA redet von MINDEST-Standards! Das Wort MINDEST impliziert, dass die Mindestvergütung keineswegs das letzte Wort ist.
    Hier geht es darum, Haltung gegen Dumping-Löhne zu beziehen, wie sie in unserer Branche leider nach wie vor üblich sind. An sich sollte das doch im Sinne von uns Studis sein, oder etwa nicht?

    Und zur Dauer? Leute – was wollt ihr? Sind euch 12 Monate zu viel oder zu wenig? Wenn ihr Verantwortung übernehmen wollt und dementsprechend z.B. eine Kampagne im Rahmen eines Traineeships konzipieren und umsetzen wollt sind 12 Monate das absolute Minimum. Von der Konzeption über die Umsetzung bis zum Ergebnis gehen schonmal locker 6-7 Monate drauf. Und bis man in einer Agentur „frei schwimmen“ kann braucht man auch nochmal 3-4 Monate. Dabei ist es egal, welche Berufserfahrung man vorher hatte. Jede Agentur „tickt“ anders, von den Kunden ganz zu schweigen – und in ein neues Themengebiet arbeitet man sich auch nicht mal so locker flockig in 3 Tagen rein. Welche fachliche Kompetenz haben wir denn nach einem Studium – außer dass wir theoretisch wissen, wie es geht? Als wenn ein wenig Praxis im Rahmen von Praktika eine echte Vorbereitung auf ein Traineeship darstellt?

    Leute, bei allen Forderungen und dem guten Willen eurer Stellungnahme – vielleicht sollte man bei aller Emotionalität erstmal hinterfragen, was die Hintergründe für die GPRA-Standards sind bevor man eine halbgare Moser-Stellungnahme publiziert. Dann noch zu erwarten, dass die GPRA euch zu irgendwelchen Verhandlungen einlädt wirkt dann doch ein wenig seltsam. Eigentlich hatte ich – und übrigens noch einige andere Studis – gehofft, dass die peinliche Stellungnahme zu den Praktikums-Standards der GPRA ein Ausrutscher war. Aber ihr beweist immer wieder, dass es noch schlimmer geht.

    • Sebastian sagt:

      Hallo Matthias!

      Ich verstehe deine Argumente, möchte aber aus meiner Sicht folgendes dazu sagen: Ich bin auch für Mindeststandards und finde es toll, dass die GPRA sich um solche bemüht und damit gegen Dumpinglöhne vorgeht. Allerdings finde ich ein Gehalt, welches kaum mehr als den Mindestlohn darstellt, für bspw. Masterabsolventen nicht angemessen. Außerdem glaube ich, dass solche Mindeststandards schnell zu Branchenstandards werden, wenn sich die Agenturen darauf berufen können und dann ist eben kein Raum mehr nach oben. Klar gibt es auch weiterhin Agenturen, die besser zahlen etc., aber es geht um das generelle Prinzip, nämlich dass keine Unterscheidung zwischen Bachelor-und Masterabsolventen, die einen fachbezogen Studiengang durchlaufen haben, und bspw. Quereinsteigern gibt. Meiner Meinung nach gibt es da de facto unterschiedliche Kompetenzstände, die durch die aktuelle Regelung nicht berücksichtigt werden. Ebenso wenig wird ein gemeinsames Verständnis der Funktion und des Nutzens eines Traineeships nach dem Kommunikationsstudium klar.

      Gleiches gilt für die Dauer. Dabei geht es gar nicht um eine radikale Kürzung des Zeitraumes. Viel mehr geht darum zu zeigen, dass es nicht fair ist, einen Trainee für 18 Monate mit diesem Gehalt auszustatten, wenn dieser schon Vorerfahrungen durch Studium, Praktika und Werksstudententätigkeiten hat – vor allem in Relation zu Bewerbern, die komplett neu in die Branche kommen. Dort herrscht einfach ein Ungleichgewicht in der Wertschätzung von erworbenen Kenntnisse. Insbesondere vor dem Hintergrund einer Professionalisierung kann ich diese Regelung nicht nachvollziehen. Außerdem ist es glaube ich nicht üblich, dass Berufseinsteiger anderthalb Jahre schlechter bezahlt werden, nur weil sie irgendwo neu beginnen. Folgt man deiner Logik zum „Reinkommen in eine Agentur“ müsste man bei jedem Jobwechsel automatisch weniger verdienen.

      Zu deinem letzten Punkt möchte ich noch sagen, dass sich hier für einen ganzen Branchennachwuchs eingesetzt wird und es nicht darum geht, für einige Studenten aus PR-Initiativen gute Einstiegsgehälter herauszuschlagen. Es gibt einfach einen Wunsch nach Anerkennung und Wertschätzung von fachbezogenen Studiengängen und Abschlüssen. Dieser ist kein Wunsch nach 36.000€-Gehältern. Und wie bereits betont wurde, geht es glaube ich nicht um eine Moser-Stellungnahme, sondern darum aufzuzeigen, dass es noch Optimierungsbedarf bei den oben genannten Punkten gibt. Über eine angemessene Form der Mindeststandards würden sich sicher alle freuen.

      • Matthias Fischer sagt:

        Hallo Sebastian,
        warum sollten Agenturen denn unterscheiden zwischen „Kommunikationswissenschaftlern“ und Quereinsteigern? Wenn ein Quereinsteiger aufgrund seiner Soft- und Hard-Skills mehr zum wirtschaftlichen Ergebnis beiträgt als jemand, der Bachelor- oder Master-Absolvent ist, dann ist es doch wohl logisch, dass er besser bezahlt wird. Willkommen in der Leistungsgesellschaft!
        Zum Thema Dauer: Am Ende kommt es doch darauf an, wie gut sich jemand verkauft. Ich habe selbst diverse Praktika hinter mir und weiß, dass sich Dauer und Bezahlung von Praktikumsstellen und Traineeships extrem stark unterscheiden.
        Wie eingangs erwähnt: Bei dem GPRA-Paper handelt es sich um Mindeststandards, nicht um ein Handbuch „Traineeship für Anfänger“.
        Jede Vorbildung und jeden Kompetenzstand schriftlich zu berücksichtigen sprengt da deutlich den Rahmen. Im Übrigen heißt es in den Standards deutlich „12 bis 18 Monate – je nach Vorkenntnissen“.
        Zum Thema „beim Jobwechsel weniger bekommen“: Welcher Jobwechsel denn? Wir kommen von der Uni und haben – wenn überhaupt – minimalste Kenntnisse darüber, wie es an der PR-Front wirklich aussieht. Ein Praktikum ist nicht wesentlich mehr als der Einblick in ein Goldfischglas. Es geht hier erneut um das Thema Leistungsgesellschaft: Bringe ich Leistung und überzeuge meinen Arbeitgeber Agentur gibt es kaum eine andere Branche, in denen man so schnell die Karriereleiter raufklettern kann wie in der Kommunikation.
        Wenn ihr euch wirklich für den ganzen Branchennachwuchs einsetzt wäre es großartig, dies auch zu tun. Sonst wirkt es so wie „Bachelor- und Masterstudenten der PR heulen rum, weil sie nicht damit klarkommen, dass sie sich genau so einer Leistungsgesellschaft stellen müssen wie Studenten aller anderen Studiengänge“. Anerkennung und Wertschätzung muss man sich verdienen.
        Dass es dir aus deiner Sicht um „Optimierungsbedarf“ geht ist ja schön und gut – aber mit solch halbgaren Stellungnahmen disqualifiziert ihr euch und uns Studenten komplett als Gesprächspartner für die GPRA. Denn ihr zeigt damit, dass ihr überhaupt nicht verstanden habt, wie es derzeit um die Kommunikationsbranche bestellt ist.

  2. Matthias Fischer sagt:

    Hallo Sebastian,
    warum sollten Agenturen denn unterscheiden zwischen „Kommunikationswissenschaftlern“ und Quereinsteigern? Wenn ein Quereinsteiger aufgrund seiner Soft- und Hard-Skills mehr zum wirtschaftlichen Ergebnis beiträgt als jemand, der Bachelor- oder Master-Absolvent ist, dann ist es doch wohl logisch, dass er besser bezahlt wird. Willkommen in der Leistungsgesellschaft!
    Zum Thema Dauer: Am Ende kommt es doch darauf an, wie gut sich jemand verkauft. Ich habe selbst diverse Praktika hinter mir und weiß, dass sich Dauer und Bezahlung von Praktikumsstellen und Traineeships extrem stark unterscheiden.
    Wie eingangs erwähnt: Bei dem GPRA-Paper handelt es sich um Mindeststandards, nicht um ein Handbuch „Traineeship für Anfänger“.
    Jede Vorbildung und jeden Kompetenzstand schriftlich zu berücksichtigen sprengt da deutlich den Rahmen. Im Übrigen heißt es in den Standards deutlich „12 bis 18 Monate – je nach Vorkenntnissen“.
    Zum Thema „beim Jobwechsel weniger bekommen“: Welcher Jobwechsel denn? Wir kommen von der Uni und haben – wenn überhaupt – minimalste Kenntnisse darüber, wie es an der PR-Front wirklich aussieht. Ein Praktikum ist nicht wesentlich mehr als der Einblick in ein Goldfischglas. Es geht hier erneut um das Thema Leistungsgesellschaft: Bringe ich Leistung und überzeuge meinen Arbeitgeber Agentur gibt es kaum eine andere Branche, in denen man so schnell die Karriereleiter raufklettern kann wie in der Kommunikation.
    Wenn ihr euch wirklich für den ganzen Branchennachwuchs einsetzt wäre es großartig, dies auch zu tun. Sonst wirkt es so wie „Bachelor- und Masterstudenten der PR heulen rum, weil sie nicht damit klarkommen, dass sie sich genau so einer Leistungsgesellschaft stellen müssen wie Studenten aller anderen Studiengänge“. Anerkennung und Wertschätzung muss man sich verdienen.
    Dass es dir aus deiner Sicht um „Optimierungsbedarf“ geht ist ja schön und gut – aber mit solch halbgaren Stellungnahmen disqualifiziert ihr euch und uns Studenten komplett als Gesprächspartner für die GPRA. Denn ihr zeigt damit, dass ihr überhaupt nicht verstanden habt, wie es derzeit um die Kommunikationsbranche bestellt ist.

  3. Sebastian sagt:

    Hallo Matthias,

    natürlich finde ich, dass alle, die eine gute Leistung bringen, Recht auf eine angemessene Bezahlung haben – auch Quereinsteiger. Ich bin allerdings schon der Meinung, dass PR-Studierende einen Kompetenzvorsprung (insbesondere was die von dir genannten hard facts angeht) haben. Wäre das nicht der Fall müsste man sich die Frage stellen, wozu es überhaupt die Studiengänge gibt und ob die Branche professionalisierte Bewerber braucht. Meiner Meinung nach ist der Aufwand, einen Quereinsteiger in die PR-Branche und die Agentur einzuführen, dennoch höher als bei PR-Studierenden. Und das ist der Punkt, welcher differenzierter Betrachtet werden muss. Wenn man davon ausgeht, dass es dort keine Unterschiede gibt, kann man sich jedwede universitäre Ausbildung in diesem Bereich sparen. Und ich sehe da schon Unterschiede.

    Dabei geht es mir nicht darum, einen Vergleich mit anderen Bewerbern etc. zu scheuen, oder mir anzumaßen, besser als alle Quereinsteiger zu sein, dennoch finde ich, dass ich durch meine Praktika, Werkstudententätigkeiten und die Inhalte des Studiums schon verstanden habe, wie die PR-Branche funktioniert und auch das essentielle Handwerk gelernt habe. Und das möchte ich auch durch meinen zukünftigen Arbeitgeber vermittelt bekommen, dass er genau das zu schätzen weiß. Ich bin gerne bereit, Leistung zu bringen und auch mehr zu tun als von mir erwartet wird. Aber das auch zu einem Gehalt, dass das auch widerspiegelt und nicht einem Praktikumsgehalt ähnelt. Denn ich meine, dass man als Berufseinsteiger schon mehr leisten kann.

  4. Matthias Fischer sagt:

    Lieber Sebastian,
    irgendwie drehen wir uns im Kreis. Es ist ja schön, dass du Unterschiede zwischen PR-Studierenden und Quereinsteigern siehst. Nur was, wenn die Realität anders aussieht?
    Nochmal: Der GPRA geht es darum, MINDESTstandards zu definieren. Nicht irgendwelche unrealistischen Mondsummen für Traineegehälter in den Raum zu werfen, die am Ende von keiner Agentur aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen gezahlt werden.
    Und genau das ist die Krux: Die GPRA ist ein Verband der führenden PR-Agenturen. Wenn du lieber in irgendeiner Klitsche arbeiten möchtest, die mit Mondgehältern um sich wirft – gerne. Ich für mich werde zum Ende meines Studiums mit Sicherheit in keine Unternehmensberatung (weil: boring) oder zu irgendeiner Eintagsfliegen-Online-Butze gehen. Denn für eine seriöse, professionelle Ausbildung im Rahmen eines Traineeships bedarf es aus meiner Sicht mehr als eines hohen Einstiegsgehalts. Mich reizen vielmehr die Aufstiegsmöglichkeiten in Agenturen und die Möglichkeit, in einem Traineeship zu beweisen, dass ich lernen kann und will. Meine Einstellung ist nämlich nicht, dass ich alles weiß wenn ich mit dem Studium fertig bin – sondern dass ich dann am Anfang meiner beruflichen Entwicklung stehe.
    PS: Wenn du denkst, du seist so gut – dann bring das doch in Gehaltsverhandlungen ein. Denn ein gar nicht so unwichtiger Teil des PR-Handwerks ist nicht umsonst Verhandlungstalent/Verhandlungsgeschick. Die GPRA-Mindesstandards werden dich doch wohl nicht daran hindern, selbst dafür zu sorgen dass die 1.600 Euro eben als MINDEST-Salär gesehen werden…

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