Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

PR(SH)-Interview | Danny Schwarze

Ein Beitrag von Katalin Genius (BA Public Relations)

danny-schwarze-foto.256x256Danny Schwarze war einer der Young Professionals der #30u30-Crew 2015. Seit vier Jahren arbeitet er für Edelman.ergo – unter anderem im Bereich digitale Kommunikation. Zunächst studierte Danny Schwarze BWL, erkannte dann aber schnell, dass PR genau sein Ding ist. Seine Vision: Erster PRler im Konferenzraum eines Großunternehmens zu sein, der einen Kommunikationschef davon überzeugen kann, kein telefonisches Follow-up für eine Pressemitteilung zu machen.

Danny Schwarze (28) | Senior Account Executive bei Edelman.ergo

 

Public Relations bedeutet für michzum einen, das Unternehmen aus Unternehmenssicht im besten Sinne auf allen Kanälen darzustellen, entweder mit den Produkten oder dem Unternehmen selbst. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, diese Darstellung mit der Erwartungshaltung der Verbraucher in Einklang zu bringen.

Zum anderen bedeutet PR für mich auch Feedback aus der Community zu sammeln und in einen Dialog mit den Leuten zu treten. Man führt im Vergleich zu klassischer Werbung oder zu Marketing-Maßnahmen in der Regel keine einseitige Kommunikation. Man schreit die Leute nicht an, nach dem Motto: „Ihr müsst unbedingt in dem Supermarkt einkaufen“ oder „Kauft genau dieses Produkt!“.

 

Ich liebe meinen Beruf, weilich es liebe, wenn etwas so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Wenn ich eine Idee habe, meine Kollegen und den Kunden in der Diskussion von dieser Idee überzeuge und dann, nachdem das Ganze umgesetzt wurde auch sehe, dass es funktioniert.

Wenn der Kunde oder auch mein Team mir am Ende des Tages Lob für meine Arbeit gibt, ist das absolut großartig! Wertschätzung wird absolut unterschätzt. Denn Zusammenarbeit funktioniert nur dann, wenn man sich gegenseitig wertschätzt.

Zum anderen liebe ich meinen Beruf, weil ich mich in dem Umfeld, in dem ich arbeite, total wohlfühle. Ich bin in der glücklichen Lage mit Leuten zusammenzuarbeiten, die ich als Freunde bezeichne und nicht nur als reine Arbeitskollegen. So erlebt man Erfolge gleich viel positiver und auch wenn es mal nicht rundläuft, hat man immer noch ein freundschaftliches Miteinander. Und keiner versucht sich noch gegenüber dem anderen zu profilieren.

Und ich liebe meinen Beruf, weil ich mich kreativ austoben darf, sprich, Strategien und Maßnahmen ausarbeiten kann, die für den einen Kunden für den bestimmten Zweck gerade passen könnten.

 

Die bedeutsamsten Herausforderungen im Bereich PR sehe ichdarin, dass die Kommunikationsbranche immer undurchsichtiger und komplexer wird. Gute Kommunikation kann aus jedem Bereich kommen. Eine Mediaagentur ist mit ihren Mitteln bzw. Netzwerken dazu in der Lage, eine geile Kommunikationskampagne auf die Beine zu stellen – genau wie eine PR-Agentur. Es geht stark um die Themen Content und Storytelling. Die PR muss auf der einen Seite akzeptieren, dass PR nicht die alleinige Herrschaft über Content und Storytelling hat. Es wird immer Player aus anderen Bereichen geben, gegen die wir antreten. Und auf der anderen Seite müssen wir uns in diversen Bereichen weiterentwickeln. Vor allem in Bezug auf „neue“ Disziplinen wie: Digital, Bewegtbild, Content Marketing, Programmatic Advertising etc. Das sind alles Expertisen, die eine traditionelle PR-Agentur von Haus aus vielleicht nicht unbedingt hat. Das heißt entweder muss sie sich ein Netzwerk an Partnern schaffen oder sie baut eigene Expertisen in diesen Bereichen auf. Es ist wichtig – und in Zukunft noch viel wichtiger – all diese Expertisen abbilden zu können.

 

Die PR-Profis der Zukunft sollten vor allem… ihre Rolle und Position finden. Auf der einen Seite wird es den klassischen PR-Berater oder Projektmanager geben, der alles zusammen hält und der zentrale Ansprechpartner für den Kunden ist. Er muss in der Lage sein zu erkennen, wo die Kundenbedürfnisse liegen, gleichzeitig aber auch, wo Potentiale liegen, die man nutzen kann. Auf der anderen Seite ist auch immer mehr Spezialwissen gefragt. Es kann also sein, dass jemand merkt, dass er bspw. ein „Blogger-Relations“-Typ ist, weil er selbst einen eigenen Blog betreibt. Oder man ist ein Film-Spezialist, der in seiner Freizeit Filme für YouTube dreht und seinen eigenen Channel betreibt. In Zukunft wird es mit Sicherheit verstärkt die Möglichkeit geben, sein Spezialwissen gezielt einzubringen. Die PR-Nachwuchstalente müssen sich einen Arbeitgebersuchen – egal ob Agentur oder Unternehmen – bei dem sie den Eindruck haben, dass sie ihr Interesse und ihre Expertise auch weiterentwickeln und ausleben können. Dann kann es so ablaufen wie bei mir: Ich interessiere mich generell für Kommunikation und weiß, was in der Branche passiert. Aber ich habe keine wirkliche Spezialexpertise. Dafür musste ich mir einen Arbeitgeber suchen, der mir zum einen ein breites Spektrum an Entwicklungsmöglichkeiten bietet, um dann im Job bzw. in den ersten Monaten herauszufinden, was am Ende das ist, wofür ich am meisten brenne und dort dann auch gezielt gefördert werde.

 

Gibt es etwas, dass Dich an der PR auch mal nervt?
Vor allem in Bezug auf den Berufseinstieg gibt es einen Punkt, der mir immer wieder auffällt. Ich finde, dass es Aufgabe der Agentur bzw. des potentiellen Arbeitgebers ist, die Neueinsteiger auch ein Stück weit zu desillusionieren. Viele, die aus dem Studium kommen – mich eingeschlossen – gehen oft davon aus, dass sie unmittelbar nach ihrem Einstieg riesige Projekte verantworten oder die verrücktesten Konzepte austüfteln. Zu Anfang geht es allerdings darum, die Basic Tools zu erlernen und zu beherrschen. Natürlich bekommt jeder die Möglichkeit, an strategischen Konzepten mitzuarbeiten oder bei Neukundenpräsentationen dabei zu sein. Aber es wird in der Regel keiner auf Dich zukommen und Dir einen großen Kunden auf den Tisch legen mit der Aufgabe, Konzepte für die nächsten fünf Jahre zu entwickeln.

 

Eine wissenschaftliche Ausbildung im Bereich Kommunikationsmanagement finde ich… prinzipiell gut. Ich betreue bei Edelman.ergo am Standort München die Praktikanten und merke natürlich, dass immer mehr Bewerber aus Kommunikationsstudiengängen kommen. Es ist tatsächlich erst einmal so, dass Kommunikationsstudenten in übergeordneten Themen einen wahnsinnigen Wissensvorsprung gegenüber denjenigen haben, die beispielsweise Politik oder Geschichte studieren. Aber die Grund-Tools lernt man erst in der Praxis. Und die lernt man meiner Meinung nach nicht durch Uni-Projekte. Natürlich vermitteln diese einen Eindruck davon, wie es in der Praxis ablaufen könnte. Aber das Tagesgeschäft – zumindest in einer Agentur wie unserer – ist so volatil, das kann man in einem Studium meiner Meinung nach überhaupt nicht simulieren.

 


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