Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

PR(SH)-Interview | Andreas Fischer

Ein Beitrag von Loreen Abedi (6. Semester Bachelor Public Relations)

Andreas-Fischer-Swiss-Life-Deutschland--152068Andreas Fischer studierte Sportwissenschaften mit dem Schwerpunkt Management an der Deutschen Sporthochschule Köln und absolvierte zwischen 2009 und 2011 berufsbegleitend einen Master of Business Administration (MBA) mit Schwerpunkt Marketing. Seit 2013 ist er für Swiss Life Deutschland als Bereichsleiter für Marketing und Kommunikation tätig. Zu seinen Hauptverantwortlichkeiten gehören die Führung der Abteilungen Unternehmenskommunikation, Vertriebs- und Produktmarketing, Brand und Online sowie Events und Schulungsveranstaltungen mit Teams in München und Hannover.


Andreas Fischer (40) | Bereichsleiter Marketing und Kommunikation bei Swiss Life Deutschland

 

Public Relations bedeutet für mich
Die inhaltlich wichtigste Aufgabe der PR ist es, bei der Umsetzung der Strategie eines Unternehmens zu unterstützen. Dies bedeutet vor allem, verschiedene Facetten der Strategie mit ihren unterschiedlichen Prioritäten intern wie extern verständlich und auf verschiedensten Kanälen zu erklären. Zudem geht es bei PR vor allem um Beziehungen und den Kontakt zu Medien und Journalisten. Entscheidend ist, als Ansprechpartner jederzeit erreichbar zu sein und einen von Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Zuverlässigkeit geprägten Kontakt zu etablieren. Wenn das gelingt, haben Unternehmen die Chance, über das klassische Frage-Antwort-Schema hinaus mit eigenen Themen Gehör zu finden, sofern diese einen echten Mehrwert für die Medien bieten.

 

Ich liebe meinen Beruf, weil
er viel Abwechslung bietet. Kein Tag ist wie der andere, ich habe mit vielen interessanten Menschen zu tun und die Möglichkeit zu gestalten – strategisch, kreativ und handwerklich. In unserer Branche haben wir zudem die Chance, mit unseren Dienstleistungen Menschen dabei zu helfen, finanziell für sich zu sorgen, damit sie ein längeres Leben selbstbestimmt führen können. Das ist eine Aufgabe mit hoher gesellschaftlicher Relevanz.

 


Die bedeutsamsten Herausforderungen der Zukunft im Bereich PR sehe ich in

hier möchte ich mich nicht nur auf PR beschränken, sondern die Kommunikation ganzheitlich betrachten. Denn ganzheitliche Kommunikation ist mehr als nur PR. Konkret sehe ich drei Herausforderungen:

  1. Glaubwürdigkeit/Vertrauen: Als Unternehmen ist für uns die Beziehung zu unseren Kunden und Geschäftspartnern das Wichtigste. Das heißt: Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind zentral und Marke und Kommunikation müssen das auch ausstrahlen. Letztlich geht es darum, Kunden mit Produkten und Services zu begeistern. Dabei ändern sich Anforderungen an Unternehmen deutlich und damit auch die Rolle der Unternehmenskommunikation. Heute werden nicht mehr einfach nur Marken gekauft. Kunden entscheiden sich für Menschen und für die Glaubwürdigkeit des Unternehmens, die hinter den Marken stehen. Darum ist Vertrauensmanagement wichtig.
  2. Mobile und digitale Kommunikation nimmt stetig zu und fordert sinnvolles Ressourcenmanagement. Wo will ich als Unternehmen präsent sein? Stelle ich mich breit auf oder fokussiere ich mich auf bestimmte Kanäle? Auf allen relevanten Plattformen dabei zu sein, vor allem mit Relevanz, ist eine Herausforderung im Zeitalter von 24/7.
  3. Content Marketing: Hier lautet die zentrale Frage, wie ich meine Kunden heute erreichen kann. Früher stand das Unternehmen im Fokus, heute der Kunde. Dabei geht es oftmals nicht um die Suche nach einem Produkt, sondern nach Lösungen. Dazu gehört auch der Wandel in der klassischen PR, wobei es längst nicht mehr nur um die Pressearbeit im eigentlichen Sinne geht, sondern um die Gestaltung des Wandels hin zu Multi-Channel-Managern.

 

Die PR-Profis der Zukunft sollten vor allem
zuhören können, offen und neugierig sein für sehr differenzierte Themengebiete und sich die Lust am Recherchieren erhalten. In jedem Unternehmen gibt es Spezialisten zu Fachthemen, von denen man selbst noch nichts gehört hat. Die Aufgabe der Kommunikatoren ist es, gemeinsam mit den Experten Texte und Aussagen so zu verdichten bzw. aufzubereiten, dass sie von einer breiten Zuhörerschaft nicht nur verstanden werden, sondern auch auf Interesse stoßen. Dass man für diese Aufgabe ein Teamplayer sein muss, zeigt sich dann spätestens in der Praxis im Austausch mit den Kollegen. In diesem Kontext gewinnt der Begriff „Storytelling“ für die Gesamtkommunikation zunehmend an Bedeutung. Denn neben der reinen Informationsvermittlung bzw. Verlautbarungskommunikation braucht es vor allem spannende Geschichten, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und damit die Chance auf Coverage signifikant zu erhöhen. Hier ist noch viel Potential , um Kommunikation noch schlagkräftiger zu machen – und somit eine echte Aufgabe für die PR-Profis der Zukunft.

Eine wissenschaftliche Ausbildung im Bereich Kommunikationsmanagement finde ich

eine tolle Sache und sinnvolle Entscheidung. Denn: Dies trägt dazu bei, die Kommunikationsbranche als Ganzes zu stärken und zu professionalisieren. Denn wir Kommunikatoren prägen das Erscheinungsbild des Unternehmens nach außen maßgeblich mit und machen Strategie, Produkte und Dienstleistungen sichtbar und erlebbar. Aber über die Theorie dürfen wir bitte die Praxis nicht vergessen. Kommunikation ist zu einem großen Teil auch ordentliches „Handwerk“. Stichwort Textkompetenz: diese ist und bleibt eine der wesentlichen Voraussetzungen für unseren Job, die man ganz praktisch „trainieren“ kann und muss.

 

Was ich den Studierenden der Hochschule Hannover noch auf den Weg geben möchte:
Nutzen Sie das Studium, um die Grundlagen der Kommunikation zu verstehen. Wie funktioniert Stakeholder-Kommunikation, wie funktioniert Markenführung vor dem Hintergrund des Megatrends Digitalisierung, wie funktioniert Reputations-Management – die Kette lässt sich beliebig fortsetzen. Und seien Sie aktiv in den Kommunikationsfeldern: ein aktiver Twitterer hat immer bessere Chancen als jemand, der die 140 Zeichen nur aus Büchern kennt. Zudem gilt: beginnen Sie schon an der Hochschule, sich ein Netzwerk aufzubauen. Davon zehren Sie ein Berufsleben lang. Und vergessen Sie nicht, vor allem auch die Dinge abseits der Hörsäle zu genießen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.