Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

Der CommsDay in Hannover

Kommunikation kennenlernen und (er)leben – darum drehte es sich beim ersten PRSH CommsDay. Im Rahmen eines eintägigen Kommunikationskongresses referierten vor rund 50 Teilnehmern PR-Professionals aus der Branche über vier verschiedene Bereiche der Kommunikation. Denn: Der Beruf des Kommunikationsmanagers ist vielfältig und facetten­reich. Für Studierende dieser Fachrichtung stellt sich daher irgend­wann die Frage, ob sie sich auf eine der zahlreichen Sparten in der Kommunikation konzentrieren sollen oder doch den Weg des Generalisten einschlagen. Um sich einen umfangreichen Überblick über die unterschiedlichen Bereiche der Kommunikation zu verschaffen, hat der PRSH den CommsDay ins Leben gerufen.

Panel 1: Keynote-Speech
Nils Hille, Geschäftsleiter der dapr, eröffnete die Referentenrunde unter dem Motto „Digitalisierung – wie fit ist die Unternehmenskommunikation?“ Sowohl Unternehmen als auch Agenturen setzen in Deutschland zunehmend auf Digitalisierung. Das ist eigentlich nichts Neues. Doch Nils Hille überraschte mit folgender Aussage: „Deutschland ist noch nicht digital genug“. Dabei bezog er sich insbesondere auf Unternehmen, diese müssten die Ressource „Digitale Natives“ besser nutzen. Die Grundlage dafür sei gegeben: Unternehmen sehen laut Hille die Notwendigkeit der Flexibilität in der Kommunikationsabteilung – so soll sich nicht mehr nur auf einen Kanal konzentriert werden.
Zu diesen Kanälen gehört auch die interne Kommunikation, denn hier fängt der digitale Wandel eines Unternehmens an. Rund zwei Drittel der Unternehmen hätten bereits das Potenzial ihrer Mitarbeiter als digitale Multiplikatoren erkannt und würden diese Möglichkeit unter anderem dafür nutzen, neue Mitarbeiter zu rekrutieren.
Aber welche Anforderungen stellen Arbeitgeber an ihre künftigen Mitarbeiter? Laut Hille setzen Unternehmen auf eine externe Expertise in den sozialen Medien. Dies sei eine Chance für den PR-Nachwuchs, denn der stufe seine digitalen Kompetenzen als sehr hoch ein.
Hilles Tipp für die Zukunft: Eine kleine Portion Demut mitbringen und eine große Portion Mut – um Gewohntes zu hinterfragen und um die Ecke denkenzu können.


Panel 2: Politische Kommunikation.
Wie passen Politik und Romantik zusammen? Mit Kommunikation. Unter der Headline „Ins Gelingen verliebt“ referierte Steffen Zinßer von A&B One über die Arbeit in der politischen Kommunikation. Hier habe in den vergangenen Jahren ein rapider Fall stattgefunden: Laut Zinßer sähe man an Beispielen wie Stuttgart 21 oder der Regierungskommunikation, wie die strategische Bedeutung der Kommunikation nach und nach verloren ginge. Kommunikation würde teils zur Betäubung eingesetzt, teils um einfach nichts falsch zu machen. Die Angst, etwas falsch zu machen, führe jedoch dazu, dass man sich nur noch auf Prozesse verließe und mit Kommunikation die Menschen nicht mehr erreiche. Zinßer plädierte während seines Vortrags für neue Kommunikationswege in der Politik. Denn Gesprächsfähigkeit herstellen, wo eigentlich keine ist, das könne nur Kommunikation. Der Aufruf an die Teilnehmer des CommsDays: „Man kann PR für eine gute Sache einsetzen oder als Beruhigungspille. Sie entscheiden.“ Es brauche eine gute Idee, um die Bevölkerung zu mobilisieren. Nur so sei es möglich, Politik nachhaltig zu beeinflussen.

Panel 3: Finanzkommunikation.
Wie unterscheidet sich diese Form der Kommunikation von anderen? Recht simpel: Im Finanzbereich müsse man sich immer einen Anstrich von Seriosität geben, so Dr. Lennart von Schwichow, Account Executive bei FleishmanHillard. Die Finanzkommunikation sei ein recht spezieller Bereich. Um hier Fuß zu fassen, bräuchte es einen gewissen Background, entweder durch ein BWL-Studium oder über Praxiserfahrungen im Finanzbereich.
Die kommunikative Herausforderung: Wie kann man beispielsweise abstrakte Unternehmen öffentlich platzieren? Das funktioniert durchaus über Influencer. Von Schwichow nutzt folgendes Beispiel: Verschiedene Blogger laufen mit Smartphones durch die Innenstadt, shoppen – Einer zahlt bar, der andere mit Fintech. So lässt sich auch ein Fintech-Startup anschaulich und öffentlich präsentieren.
Von Schwichow konzentrierte sich bei seinem Vortrag jedoch nicht nur auf die Finanzkommunikation, sondern auch auf das zunehmende Hinterfragen von Leadership und Establishment. Die These „Leadership ist tot!“ zeige, dass niemand auf politischer Ebene das Ruder in die Hand nehmen wolle. Kurz hätte es den Anschein gehabt als ob Donald Trump eine Gegenbewegung wäre, aber auch er rudere zurück. In den deutschen Parteien gäbe es keinen Konsens mehr darüber, welche Werte zählen und welchen Weg man einschlagen müsse. Dabei helfe die Kommunikation unter dem Motto „Spin lebt!“. Die Idee: Menschen miteinander verbinden, die gemeinsam etwas erreichen wollen. Und genau diesen Menschen Spin geben, damit sie etwas erreichen können.

Panel 4: Interne Kommunikation.
Was bekommt man im Studium über die interne Kommunikation mit? „War oft nicht so wahnsinnig sexy“, erinnert sich Joana Witt von ProSiebenSat.1 Media SEMit ihr kam ein ehemaliges PRSH-Vorstandsmitglied zum CommsDay. Das Ziel ihrer Präsentation: Mit Klischees aufräumen und zeigen, wie vielfältig die interne Kommunikation sein kann. ProSiebenSat.1 setzt vor allem auf das Intranet und das darin inkludierte Digital Magazine. Mit 3-5 News am Tag müsse man immer aktuell berichten, eine klassische Mitarbeiterzeitung würde dies nicht hergeben. Plattformen und Formate wie „Talent Breakfast“ mit dem CEO / Vorstand, Management Townhalls vor den Quartalszahlen oder CEO Video Messages sollen den Mitarbeiter direkt erreichen.
Die Kommunikation habe einen großen Stellenwert bei ProSiebenSat.1. Als Medienunternehmen müsse man auch in der internen Kommunikation gewissen Ansprüchen gerecht werden. Denn wie nach außen kommuniziert wird, müsse man auch nach innen kommunizieren. Projekte wie den Campus-Neubau begleite die Kommunikationsabteilung langfristig mit Kampagnen (Trailer, Testimonial).
ProSiebenSat.1 beschreibt sich als ein junges, spannendes Unternehmen, es passiert viel. Die interne Kommunikation versuche laut Witt genau das widerzuspiegeln. Mit Mitarbeiterevents wie dem Firmenlauf oder den „All Stars Awards“ (den „internen Oscars“) wolle die interne Kommunikation eins erreichen: Der Puls des Unternehmens zu sein.

Panel 5: Externe Kommunikation.
„Sprechen Sie mit den Journalisten und bauen Sie Vertrauen auf.“ Das war das Motto des letzten Panels: Michael Röll, Leiter Corporate and External Communications bei der TUI Group, räumte mit Klischees auf, sensibilisierte die Teilnehmer für den Umgang mit Journalisten und zeigte, was es heißt, unter Druck Antworten liefern zu müssen.
Die externe Kommunikation beinhalte eben nicht nur das Schreiben von Pressemitteilungen. Vielmehr gehöre bei der TUI Group der persönliche Kontakt zu Journalisten, die Konzern-Website, das Magazin zum alljährlichen Geschäftsbericht sowie die Social Media-Kanäle zum Tagesgeschäft. Besonders wichtig sei jedoch das Vertrauen zu den Journalisten. Dies bekäme man laut Röll nicht per Mail, sondern im persönlichen Gespräch oder zumindest am Telefon. Dieses Vertrauen sei Grundlage für eine konstruktive und faire Zusammenarbeit – auf beiden Seiten. Als Kommunikator in einem internationalen Konzern müsse man sich zudem an die Spielregeln der Journalisten aus den jeweiligen Ländern halten. Während man in Deutschland auf Hintergrund und im Vertrauen spreche könne, verwenden die britischen Medien das gesagte Wort.
Auch der Druck, der bei aktuellen Themen von Journalisten auf die externe Kommunikation ausgeübt werden würde, kam zur Sprache. In einem Quiz mit den Teilnehmern demonstrierte Michael Röll die Herausforderung, in kürzester Zeit richtige Antworten liefern zu müssen. Ein Tipp von Röll: „Sie können nicht alles wissen. Haben Sie den Mut, auch mal mit Halbwahrheiten zu leben, aber seien sie gut vorbereitet.“ Denn Rölls Erfolgsfaktoren in der externen Kommunikation lauten: Schnelligkeit, Vertrauen und Mut.

Diskussionsrunde.
Im gemeinsamen Gespräch mit Dr. Annika Schach, Professorin an der Hochschule Hannover, diskutierten die Referenten über Einstiegsmöglichkeiten und den Stellenwert der Digitalisierung im eigenen Unternehmen. Auf den Zug der Digitalisierung sind alle bereits aufgesprungen, jedoch mit unterschiedlichen Gewichtungen. Deutlich wird: die klassischen Medien haben nach wie vor eine essentielle Bedeutung, nicht alles lässt sich digital kommunizieren.
Spätestens bei den Kompetenzanforderungen an den PR-Nachwuchs sind sich alle einig: Natürlich sind Praxiserfahrungen und das Handwerkszeug wichtig. Young Professionals sollten aber vor allem Dingen eines: Mutig sein und Persönlichkeit zeigen – egal in welchem Bereich der Kommunikation.

Mein Fazit: Eine tolle Auftaktveranstaltung! Am Ende des Tages war genau das erreicht worden, was wir uns (neben dem Netzwerken) erhofft hatten: abwechslungsreiche und spannende Vorträge, ein besseres Verständnis für Kommunikation und gut gelaunte Teilnehmer. Wir freuen uns auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr!

Ein Nachbericht von Katalin Genius, BPR 5


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