Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

PR(SH)-Interview Steffen Zinßer

Steffen Zinßer ist Geschäftsführer der Kommunikationsagentur A&B One, die ihre Standorte in Berlin und Frankfurt am Main hat. Zu den Geschäftsfeldern gehören Unternehmens- und Finanzkommunikation, Politische Kommunikation, Marketingkommunikation sowie Gesundheitskommunikation. Steffen Zinßer ist seit 1998 in der Agentur tätig. Sein Schwerpunkt liegt auf dem Standort Berlin, er verantwortet die Leistungsbereiche Design und Werbung.

Wie sind Sie zur PR gekommen?
In meinem Studium hatte ich immer den Plan, Lehrer zu werden. In Frankreich war ich als Assistent an zwei Schulen tätig und habe dort gemerkt, dass mir das liegen würde. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Lehrer in ihrem Beruf als Einzelkämpfer arbeiten, und doch häufig sehr erschöpft sind. Als ich dann ein Praktikum bei einem Radiosender in der Öffentlichkeitsarbeit gemacht und am Hörertelefon gearbeitet habe, ist mir klargeworden, dass diese Art von Arbeit auch sehr zu mir passt. Ich fand es total irre dabei die Leute kennen zu lernen. Und zwar alle. Leute vom Land, aus der Stadt, Leute die hauptberuflich im Auto sitzen. Also wirklich die ganze Bandbreite. Und es hat mir Spaß gemacht, der Öffentlichkeit alles Mögliche nahe bringen zu müssen, zum Beispiel irgendwelche Spiele, die man im Studio veranstaltet. Und so bin ich vom Schuldienst zur PR gekommen.
Entscheidend anders daran, dass ich jetzt in der Öffentlichkeitsarbeit und nicht als Lehrer arbeite, ist, dass ich in verschiedenen Teams tätig sein kann, und dass das sehr arbeitsteilig ist. Dabei kann und darf man die Bereicherung in atmosphärischer und intellektueller Hinsicht, die von Teamarbeit ausgeht, nicht unterschätzen.

Gab es einen bestimmten Punkt in Ihrer bisherigen Karriere, der Sie zu der Person gemacht hat, die Sie jetzt sind?
In meiner Karriere gab es so einen speziellen Punkt nicht. Aber weil ich nach der Schule einfach so beseelt war vom Französischen, sowohl der Sprache als auch der Kultur, war ich ein Jahr als Au Pair in Paris, was als Mann schon recht ungewöhnlich war. Ich bin unglaublich froh, dass ich das gemacht habe. Es war eine fantastische Zeit, die mich immer noch berührt, weil es auch zu einer Zeit war, in der man zu seinem bisherigen Leben Abstand braucht und was entdecken will.
Deshalb halte ich einen Auslandsaufenthalt unbedingt für empfehlenswert, weil es auch nie wieder so leicht wird, Sprachen zu lernen und zu perfektionieren.

Gibt es in der PR denn auch etwas, das sie nervt?
Besserwisser. Davon gibt es in der PR mehr, als in anderen Kommunikationsdisziplinen. Ich glaube das hängt zum einen mit dem Typ von Menschen zusammen, der sich zu der PR-Branche hingezogen fühlt.Dazu kommt, dass es PR-Aufgabe ist, die Welt oder irgendwelche Phänomene in der Gesellschaft zu verstehen. So entwickeln viele der Menschen, die in der PR arbeiten, die Stärke bestimmte Dinge erkennen oder ihnen zumindest auf den Grund gehen zu können. Daraus folgern dann viele, dass sie das Recht haben permanent zu erklären, wie es richtig ist.

Was war Ihr bisher spannendstes Projekt und warum?
Ich finde es sehr spannend, wenn man über die PR hinauskommt. Wenn es darum geht, verschiedene Disziplinen zu verknüpfen und herauszufinden, wie sie funktionieren und wie man das in die Aufgaben, die man lösen soll, integrieren kann. Mein prägendstes Erlebnis habe ich da im Design erlebt. Als ich das Designbüro für unsere Agentur aufgebaut habe, ist mir klargeworden, dass mir das in der Kommunikation gefehlt hat ohne es richtig benennen zu können. Das Visuelle, sowie auch das Emotionale, ist in der Kommunikation unerlässlich.
Ansonsten haben mich die vielen Projekte für die Bundesregierung leidenschaftlich erfasst. Weil ich mich dabei nicht nur als Kommunikationsberater sehe, sondern auch als Bürger. Es macht mir Spaß, das, was mich ohnehin umtreibt, von einer anderen Seite beurteilen zu können und damit umgehen zu müssen. Das ist das, was mich an politischer Kommunikation fasziniert. Dass es meine vielen Seiten anspricht.

Welche Charaktereigenschaft sollte Ihrer Meinung nach ein Young Professional mitbringen, um später erfolgreich zu sein?
Zunächst finde ich es wichtig, mutig und neugierig auf Menschen zu sein, die anders denken und die Dinge anders anpacken. Es ist wichtig offen dafür zu sein, was man eigentlich für ein Typ ist und im professionellen Umfeld seine Stärken und Schwächen kennen zu lernen, um daraus etwas machen zu können. Das braucht nicht nur Offenheit, sondern auch Selbstreflexion und Selbstkritik.
Neben Mut ist nämlich auch Demut eine wichtige Charaktereigenschaft. Gerade den Young Professionals, die aus Fachstudiengängen wie Public Relations kommen, fehlt Bescheidenheit und die Demut vor der Sache. Wir als Branche sind froh, dass es diese Fachstudiengänge gibt. Es ist bloß wichtig, eine gewisse Distanz zu gewinnen und eine Möglichkeit zu finden, das, was man studiert hat, einordnen zu können.
Also Studenten sollten nicht von der Hochschule kommen und denken, dass sie gleich Projekte und Kampagnen steuern können.
Aber es ist auf jeden Fall gut, dass sie die fachlichen Erfordernisse bereits an der Hochschule gelernt haben.

Ein Beitrag von Antonia Sommer, BPR 3


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.