Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

#ThePitch-Interview mit Uta Schwaner

Uta Schwaner ist Managing Director von Golin Deutschland und mit über 20 Jahren Agenturerfahrung eine absolute PR-Fachfrau. Vor anderthalb Jahren wagte sie den Schritt und ging mit dem Joint Venture Golin an den deutschen Markt. Zu Anfang saß sie allein im Büro und hatte lediglich einen Laptop und einen Blumenstrauß auf dem Schreibtisch. Heute arbeitet sie bereits für namenhafte Kunden mit einem stetig wachsenden Team.

 

Wie sind Sie zur PR gekommen?

Nicht ganz so straight, wie man das gerne im Vorstellungsgespräch erzählt. Ich habe erst etwas ganz anderes studiert, auch in Hannover. Bauingenieurwesen, das war eine totale Lektion in Demut und völlig an meinen Talenten vorbei. Ich habe dann später angewandte Kulturwissenschaften studiert, mit Medien- und Öffentlichkeitsarbeit als Schwerpunkt, aber gar nicht mit der Absicht in eine PR-Agentur einzusteigen. So richtig wusste ich überhaupt nicht, was Agenturen machen. Es hat sich dann durch viele Agenturpraktika für mich herausgestellt, dass das die richtige Disziplin und der richtige Weg für mich ist.

 

Welche Charaktereigenschaften sollten Young Professionals mitbringen, um erfolgreich zu sein?

Neugierig und extrovertiert sein hilft. Ich glaube nicht, dass das der richtige Beruf ist, gerade in einer Agentur, wenn man sehr introvertiert ist. Wenn man ungern präsentiert, muss man sich schon gegen seine Veranlagung verausgaben. In dieser Hinsicht hilft eine gewisse Begabung für Kommunikation ungemein, aber es gibt einfach vieles, was man lernen kann und es bewegt sich auch so viel weiter. Ich mache heute auch nicht mehr den Job, den ich vor 20 Jahren gemacht habe. Insofern würde ich sagen, dass Neugierde, eine Grundcleverness und Kommunikationsfähigkeit helfen, um einen in dem Beruf nach vorne zu bringen.

 

Was bietet Golin Deutschland in der Nachwuchsförderung?

Wir sind nicht so strukturiert, wie andere Agenturen, weil wir erst seit anderthalb Jahren auf dem deutschen Markt sind. Wir sind ein Start-up mit einer ganz langen Firmengeschichte im Hintergrund. Dadurch hat man, wie ich finde, das Beste aus zwei Welten. Aus diesem Grund habe ich mich auch persönlich dafür entschieden Golin Deutschland aufzubauen, weil ich auf die eigene Erfahrung aus der Agentur zurückgreifen, aber alles komplett neu aufbauen kann. Deshalb gibt es nicht so festgefahrene Strukturen, sodass ich sagen könnte, das ist unser Trainee- oder Nachwuchsprogramm. Es gibt viele Dinge, die auch international angeboten werden, aber in dieser Aufbauphase, ist das noch sehr individuell mit mir zu verhandeln. Da wir fast alle Jobs international machen, ist es eine gute Möglichkeit, sich in dieser Vielfalt auszuprobieren. Also auch nach London zu fahren und da vor Ort mit Kollegen zusammenzuarbeiten und viel „on the job“ zu lernen. Das ist glaube ich auch das, was uns deutlich unterscheidet und für Viele, die neugierig sind, ein Auswahlkriterium sein kann. Klar hat es einen Vorteil, wenn ich ein großes Ausbildungsprogramm anbieten kann, aber für die aktuell sechs Mitarbeiter brauche ich nichts festzuschreiben. Ein Berufseinsteiger und jemand mit 15 Jahren Berufserfahrung haben so unterschiedliche Talente, dass ein festgelegtes Programm ihnen überhaupt nicht gerecht werden würde. Ich gucke eher, was braucht der jeweilige Kollege und mit was ist ihm am meisten geholfen.

„Mut steht bei Golin stets über Mittelmäßigkeit.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was war ihr bisher spannendstes Projekt?

Nach über 20 Jahren in der Agentur, an dem kaum ein Tag dem anderen gleicht, ist das so schwer zu beantworten. Ich kann mich aber daran erinnern, dass ich vor Stolz fast geplatzt bin, als ich den ersten Award für die kreativste Kampagne gewonnen habe. Das war der PR Report Award damals, das ist über 10 Jahre her. Damals war ich noch Junior Beraterin und so stolz auf der Bühne zu stehen, weil ich für Heinz mit „Weck den Heinz in Dir“ diesen Award gewinnen konnte. Das ist natürlich ein bleibendes Erlebnis, gerade weil es das erste Mal war. Sehr stolz war ich aber auch immer auf die Margarine Kampagne. Besonders, weil es eine sehr schwere Arbeit ist, den Deutschen, die von dem Guten in der Butter überzeugt sind, die Vorteile von pflanzlicher Ernährung zu kommunizieren. Auch gegen alle Stakeholder, die eigentlich eine negative Einstellung haben und denken, dass Margarine künstlich und damit ungesund ist. Da eine Aufklärungsarbeit zu leisten, war eine toughe Arbeit, darauf war ich auch extrem stolz. Alles, was nicht ganz einfach zu knacken ist und was man am Ende doch hinbekommt, das ist das, was hängen bleibt, was stolz und was es auch besonders macht.

 

Was lernt man im Agenturalltag, was man im Unternehmen nicht lernt?

Ich habe nie im Unternehmen gearbeitet, deshalb kann ich das tatsächlich gar nicht beantworten. Für mich kam es aber dennoch nie infrage, weil ich immer gesehen habe, wie abwechslungsreich unsere Jobs sind und wie frei man auch zwischen den unterschiedlichen Themen springen kann. Wenn man in den Agenturen sagt, mit dem Thema oder dem Kunden komme ich überhaupt nicht zurecht, kann man das Projekt wechseln. Die Strukturen sind anders und ich sehe ehrlich gesagt im Vergleich, dass wir ganz andere Aufstiegsmöglichkeiten haben. Wenn man sich nicht dumm anstellt, kann man vom Junior oder vom Praktikanten bis zum CEO in einer Agentur den kompletten Weg gehen. In den meisten Kommunikationsabteilungen von Unternehmen, wobei das nicht auf alle zu trifft, gibt es drei bis vier PR-Referenten und einen Kommunikationschef. Das kann dann ziemlich schnell eine Einbahnstraße sein und dort wird man nicht jedes Jahr befördert, selbst wenn man einen brillianten Job macht. Die Abwechslung und die Flexibilität zwischen den unterschiedlichen Themen, plus die Chance schnell Karriere zu machen, ist das, was agenturspezifisch ist und was ich aus der Außenbetrachtung bei Unternehmen so nicht sehe.

 

Ein Beitrag von Lisa Spielmann (BPR5)


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.