Public Relations Studierende Hannover e.V.

   
    

#ThePitch-Interview mit Oliver Schrott

Oliver Schrott, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Agentur „Oliver Schrott Kommunikation“ (kurz OSK), ist gelernter Journalist. Nach mehrjähriger Tätigkeit für Magazine im Automobilsektor machte er sich als freier Journalist selbstständig und schrieb für verschiedene Automobil-, Marketing- und Wirtschaftsmedien. 1993 gründete er OSK als Spezialagentur für die Branchen Auto, Mobilität und Technologie. Seine Leidenschaft ist die emotionale, bildstarke Umsetzung und Inszenierung von komplexen Themen.

 

PRSH-Mitglied Anjoula Hummel im Gespräch mit Oliver Schrott.

 

Herr Schrott, was war Ihr bisher spannendstes Projekt?

Wir haben natürlich eine ganze Menge spannende Projekte im Laufe der Zeit gemacht. Eine besondere Rolle hat für ich aber immer die Maybach Weltpremiere gespielt – von der Story, der Inszenierung und dem Medienerfolg her. Im Jahr 2002 hat Daimler die Marke Maybach, eine alte Automobilmarke, wiederbelebt. Das war damals eine sehr schwierige Aufgabe, weil diese Luxusmarke vor dem Zweiten Weltkrieg nur 20 Jahre existiert hat und nur etwa 2.000 Autos gebaut wurden, die seinerzeit das absolute Non-Plus-Ultra auf dem Markt waren. Wie belebt man eine so alte Spitzenmarke wieder? Wir haben dafür eine symbolische Reise von der alten in die neue Welt inszeniert. Den ersten neuen Maybach haben wir an Bord der Queen Elizabeth 2, einem der letzten verbliebenden Ozeandampfer, nach New York fahren lassen – also eine Reise voller Symbolik mit Anleihen an die erste Maybach-Epoche in den goldenen zwanziger Jahren. Dort haben wir dann seine „Weltpremiere an der Wall Street“ gefeiert, auch das eine betont plakative Inszenierung. Diese Geschichte hat damals, haben Medienforscher berechnet, ungefähr eine halbe Milliarde Menschen erreicht. Das heißt, rund 500 Millionen Menschen haben von einer Marke, von der sie wahrscheinlich nie zuvor gehört hatten, erfahren und dazu die Geschichte ihrer Wiedergeburt gelesen, gehört oder gesehen. Das war nicht nur eines unserer erfolgreichsten Projekte, sondern auch eines, das mir besonders am Herzen lag. Dort haben wir einfach alles verbunden, was sich irgendwie bewegen ließ – Schiffe, Flugzeuge, Autos – und daraus eine faszinierende Geschichte gemacht.

 

Welche Charaktereigenschaften sollten Young Professionals mitbringen, um erfolgreich zu sein?

Neugierde ist ganz wichtig. Man muss unglaublich offen sein für alles Neue. Vor allem, weil sich die Welt so schnell verändert, im Moment schneller denn je. Außerdem kann man nur mit Neugierde neue Themen, Ansätze und Blickwinkel finden, um Geschichten zu erzählen und somit das, was unsere Kunden von uns wollen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, über den eigenen Tellerrand zu schauen und auch mal die Grenzen der Profession zu sprengen. Ansonsten ist für mich in unserer Agentur besonders wichtig, dass jemand einfach mit allen Eigenschaften kommt, die ihn zu einem netten, anständigen und guten Kollegen machen. Keine Eifersüchteleien, keine Ellenbogenmentalität, sondern Teamfähigkeit und der Wille, gemeinsam mit anderen Höchstleistungen zu erbringen.

 

Young Professional von morgen – lieber Allrounder oder Spezialist?

Wir mögen beides. Spezialisten brauchen wir da, wo es darum geht, ein Thema zu beherrschen. Wir sind auf ein paar Themenfelder spezialisiert: Auto, Mobilität, Technologie. Dafür machen wir beispielsweise aufwändige Events, wir haben Architekten und bauen Markenräume, wir versuchen also Kommunikation wirklich für alle Sinne erlebbar zu machen. Da muss man schon fachliche Ahnung haben, um solche Themen kompetent aufbereiten und umsetzen zu können und ein guter und anerkannter Gesprächspartner der Kunden zu sein. Aber was das Handwerk angeht – gerne so „allroundig“ wie möglich.

 

Was lernt man im Agenturalltag, was man im Unternehmen nicht lernt?

Es gab eine Zeit, da hatten Agenturen eine große Anziehungskraft auf junge Leute, weil sie einen gewissen Glamoureffekt hatten. Dann wurden Unternehmen attraktiver, weil auch junge Leute stärker auf Sicherheit, eine zum Teil bessere Bezahlung, geregeltere Arbeitszeiten und Sozialpakete gesetzt haben. Ich glaube, es ist eine Typfrage was man bevorzugt. Trotzdem bin ich mir sicher, dass es einiges gibt, was nur Agenturen bieten können. Zum Beispiel die enorme Vielfalt der Aufgabenstellungen, die kreative Atmosphäre, die Spontanität und, dass einen jeden Tag etwas Anderes erwartet. Unternehmen sind da deutlich geradliniger. In Unternehmen gibt es viel mehr Prozesse, viel mehr Leitplanken, die man beachten muss. Agenturen bieten einen großen Raum, in dem ich mich wirklich selbst verwirklichen kann und in dem Kreativität gedeihen kann.

 

Was sind aktuelle Herausforderungen für Kommunikatoren?

Mitzuhalten. Ich glaube, das ist die größte Herausforderung. Alle Kunden und die ganze Industrie stehen im Moment vor der Herausforderung, dass sich durch die Digitalisierung unser ganzes Leben, alle Dienstleistungen, alle Produkte – einfach alles – im rasanten Maße ändert. Und die Kunden wollen von uns auf die vielen Fragen, die sich daraus ergeben, valide Antworten haben. Doch gerade in der Kommunikation neigen viele dazu, die erstbeste Antwort zu geben. Durch die Hektik, der wir alle ausgesetzt sind und das Kommunizieren auf allen Kanälen, müssen wir aufpassen, dass uns eines nicht verloren geht: Die Fähigkeit zum Tiefdenken. Dass wir den Dingen wirklich auf den Grund gehen. Alle Agenturen werden von ihren Kunden gut dafür bezahlt, dass sie überzeugende Antworten liefern. Das können wir aber nur, wenn wir ab und zu mal die Handys und alles abschalten und uns wirklich alleine oder im Team die Zeit nehmen, Dingen auf den Grund zu gehen. Ich glaube, sich diesen Freiraum zu schaffen als Individuum, aber eben auch als Team und als Agentur und damit außergewöhnliche belastbare Kommunikationslösungen zu entwickeln, das ist die größte Herausforderung. Aber wer das schafft, wird langfristig mit Sicherheit einen exzellenten Job machen und dafür auch belohnt werden.

 

Anjoula Hummel studiert im sechsten Bachelorsemester Public Relations.


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