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Hannover – 02. Mai 2012. Beim exklusiven Tête-à-Tête im kleinen Kreis von PRSH-Mitgliedern gab der Kommunikationschef bei der Vattenfall Europe AG Einblicke in seinen beruflichen Werdegang und Anekdoten zur ein und anderen zu bewältigenden Krise im Laufe seiner Karriere in der Pharma-, Luft- und Raumfahrt und Energiebranche.
Henry Kissingers Ignoranz-Taktik „There cannot be a crisis next week. My schedule is already full.“ wies Breitsprecher zurück. Nicht nur ist nach der Krise vor der Krise, auch scheren sich Krisen in einem Unternehmensbereich nicht um Spannungen in einem anderen. Die Krise ist omni-präsent – manchmal sind es sogar zwei auf einmal: Während seiner Position als Leiter der Abteilung Presse für die Bereiche Raumfahrt und Verteidigung bei Daimler-Benz Aerospace AG (Dasa), forderten Mitte der 90er Jahre innerhalb einer Woche die „Dolores“- und „Fokker-Krise“ all sein kommunikatives Geschick. Mit dem gesamten Vorstand im Urlaub und durch einen frühmorgendlichen Anruf eines Journalisten mit der Krisensituation überrascht und konfrontiert, zog Breitsprecher die Lehre:
Krisen können jederzeit auftreten. Eskalationsbeschleunigende Faktoren, und sei es die Alpenwanderung des CEO, die ihn trotz heutigen Möglichkeiten – wie Blackberry oder Blitz-Telco über Skype-App auf dem iPhone – kurzzeitig unerreichbar machen, müssen in erfolgreichem Krisenmanagement einberechnet sein.
So gar nicht betriebsblind geht er auch mit kommunikativen Fehltritten seines heutigen Arbeitgebers Vattenfall um: Die erste Reaktorschnellabschaltung 2007 im Kraftwerk Krümmel nach einem Transformerbrand wurde begleitet von unglücklichen TV-Bildern des Sicherheit beschwörenden Kraftwerkbetreibers vor einer enormen Rauchwolke. Gepaart mit defizitärer Informationspolitik des Unternehmens zur Zeit des Vorfalls, resultierte das Ereignis in einem gravierenden Imageschaden für den Konzern. An diesen Folgen, verstärkt durch eine zweite Reaktorschnellabschaltung 2009, die Breitsprecher, gerade einmal wenige Wochen im Konzern tätig, miterlebte, knabbert der Energieriese noch heute. Die Learnings? Bildwelten und Wording seien bei der Kommunikation während unfallbedingten Krisen ausschlaggebend. Ebenso wichtig seien gerade in Branchen, die eng mit den sensitiven Themen Menschenleben und Gesundheit verknüpft sind, Transparenz und initiative Information der Öffentlichkeit – das Medieninteresse an Krisen sei riesig. „ Am Ende kommt alles raus.“, so Breitsprecher. Der kriseneindämmende Faktor Schnelligkeit spiele eine große Rolle. Gleichzeitig müssten die Aussagen belastbar sein – einmal Gesagtes kann nicht zurückgenommen werden.
Krisenkommunikation? Die Kommunikation der Energiewirtschaft nach der Energiewende.
Im Anschluss erklärt Breitspreicher während der offiziellen PR-Lecture im Planet MID der Hochschule Hannover die Gesamtlage der Energiewende in Deutschland. Knapp ein Jahr nach der überraschenden 180-Grad-Drehung der Politik hinsichtlich des schnellstmöglichen Atomausstiegs bis 2022 als Reaktion auf die Unglücksserie im Kernkraftwerk Fukushima, fächern sich die kommunikativen Herausforderungen um das Überthema Energiewende breit:
Energiewirtschaft sowie Politik stehen im Konflikt zwischen Klimaschutzzielen, wie der Reduktion von Kohlenstoffemission einerseits und der Notwendigkeit neuer Kohlekraftwerke zur Deckung des vorrübergehenden Mehrbedarfs an Energie, die die vorgezogene Abschaltung der Meiler verursacht andererseits. Diese war in der Planung zum Übergang der vorrangigen Nutzung von regenerativen Energien nicht vorgesehen. Nicht zu schweigen von den enormen Kostenbelastungen durch Netzaus- und Kernkraftwerkrückbau. Gemein ist diesen Themen der Bedarf von Akzeptanz in der Bevölkerung. Dass diese für solche innovationsgetriebenen Großprojekte kein Garant ist, zeigt Breitsprecher am Beispiel Stuttgart 21 auf.
Zurückhaltung lautete Vattenfalls Strategie nach den Ereignissen von Fukushima und Moratorium, die Atomkraft wieder auf oberste Stelle der Agenda deutscher Medien und Bevölkerung katapultierte und das tatsächlich absehbare Aus für die Kernenergie wahr machte. Offensive heißt es bei der Energiewende im Allgemeinen: Erklärstücke nennt Breitsprecher diese klima- und energiespezifischen Projekte, die Akzeptanz fordern. Ohne den Intellekt der breiten Masse in Frage stellen zu wollen heißt die kommunikative Strategie damit Komplexitätsreduktion. Denn welcher Otto-Normal-Steuerzahler blickt bei Wortgefechten zwischen Off-Shore versus CCS (Kohlenstoffspeicherung) tatsächlich durch? Um die Energiewende – denn beschlossen ist sie – nicht zum öffentlichen Krisenthema werden zu lassen, bedarf es also Information. Einfach und transparent.
Der PRSH bedankt sich bei Andreas Breitsprecher für die brandaktuellen Insights in das kommunikative Spannungsfeld der Energiewende!

Klaus Kocks beim PRSH: "I wanna know what I am lying about."
Gerüchte kursierten um den Besuch einer PR-Prominenz im neueingerichteten Auditorium des Planet MID auf der Expo Plaza, Repräsentanz und Schaltzentrale der PR Studierenden Hannover e.V. und Nachwuchs der Kommunikationsbranche.
Erst wenige Wochen vor dem finalen Termin seines Vortrages stand der Redner der ersten Lecture des Wintersemesters 2011/12 des PRSH fest: Klaus Kocks.
Die Fünftsemester des Bachelorstudienganges PR befanden sich in reger Aufregung. Schließlich begegnete uns die aus metamedialen Formaten wie zapp oder Menschen bei Maischberger bekannte Person in den vergangenen Wochen wieder und wieder in diversen Seminarinhalten. Ob im Rahmen der Diskussion um die Notwendigkeit von PR-Kodizes und Code of Conducts hinsichtlich der Zusammenarbeit von Agenturen und Unternehmen oder als Vertreter des verantwortungsethischen Ansatzes in der normativen Betrachtung von medialem Handeln. Würden wir tatsächlichen auf einen, wie in der Medienethikdebatte dargestellten, die Wahrheitsnorm modifizierenden Bösewicht treffen? Jemanden, der die wahrheitskonforme Kommunikationsarbeit nicht als ethische Grundnorm der PR anerkennt? Oder würden wir viel mehr erleuchtet? Endlich erlöst von der zwanghaften Vorstellung, die PR müsse permanent die Existenz ihres Berufsstandes legitimieren, indem sie ausschließlich im Interesse der Öffentlichkeit handelte? Geschürt wird dieser manische Zwang nicht nur von Gesinnungsethikern und Gehaltsneidern – bereits unser Studium startete mit einer vermeintlichen Realitätsklatsche. Noch nicht einmal waren sich die meisten Erstsemester vor zwei Jahren bewusst, was es eigentlich mit diesem englischen Begriff PR, der irgendwie Anlehnung an das Kreativmilieu und Grafik-Hipstertum versprach, auf sich hatte. „Sowas wie Kommunikationswissenschaften, nur praktischer.“, erzählte man beim Auszug noch den Eltern.
Da wurde man in der Begrüßungsrede der Studienanfänger durch die Fakultätsoberhäupter bereits mit der als allgemein bekannt deklarierten Feststellung konfrontiert, Journalisten und in Folge dessen auch Journalistik-Studierende seien ohnehin die besseren Menschen.
Der Glaube, die Arbeit von PR-Beauftragten bestehe lediglich aus dem permanenten Versuch Redakteuren Falschinformationen unterzujubeln war etabliert. Dass die meisten Kurse innerhalb unseres Curriculums in den nächsten drei Semestern mit denen der Journalistik-Studierenden übereinstimmten, wurde als Maßnahme zur Aneignung journalistischer Darstellungsformen im Kontext späterer, systematischer Unterwanderung der Redaktionsarbeit gewertet. Die Möglichkeit, dass sich PR und Journalismus gegenseitig bedingen, einander Impulse geben und damit voneinander profitieren, wurde den Studierenden nicht aufgezeigt. Dass letztere Charakterisierung der PR-Arbeit durch die Loyalität zum Auftraggeber und dessen Interessen ergänzt wird, dieser Umstand jedoch in einem, allen voran durch die Verleger, kapitalisierten Medien- und Gesellschaftssystem vollkommen ok und nicht schämenswert ist, macht Klaus Kocks in seinen sieben vorgetragenen Thesen zur „Henne-Ei-Problematik“ deutlich. Mit der in den 90er Jahren begonnen Entgrenzung von PR und Journalismus durch zunehmende Boulevardisierung, Ökonomisierung und einhergehender Digitalisierung des Journalismus, haben sich auch journalistische Produkte und Produkte der PR angeglichen. Die Notwendigkeit der Wiederherstellung eines objektiven, dem Ziel der Wahrheitsfindung dienenden Journalismus teilt auch Klaus Kocks – nicht zuletzt um die PR-Arbeit im betriebswirtschaftlichen Sinne zu rechtfertigen: Mediale Berichterstattung ermöglicht die Bildung von Wissen, Meinungen und Einstellungen und kann den PR-Zielen Akzeptanz, Vertrauen und Reputation dienen. Würden in Zukunft die Medien von den Rezipienten als von ökonomischen Zwängen abhängig und subjektiv berichtend wahrgenommen, stellt dies auch den Nutzen der Presse- und Medienarbeit als Teil der Public Relations in Frage.
Gerade als sich das studierende Publikum an den sekündlichen Abgleich des Kocksschen Vokabulars mit der Wikipedia-App auf ihren Smartphones gewöhnt hat, schließt Kocks seinen Vortrag auch schon fast. Nicht jedoch ohne die Studierenden mit einem letzten Statement zur Wahrheitsnorm in der PR stehen zu lassen: „ I am ready to lie, but I wanna know what I am lying about.“.
Beitragsreihe: Masterlücke- oder Brücke? Der Plan für Zwischendurch.
Bachelor in der Tasche, Master-Plan gezeichnet, aber kein Studienplatz? Oder Master absolviert, aber von unternehmenstypischen Hierarchien und chronischer Agentur-Unterbezahlung nach diversen Praktikumserfahrungen die Nase voll?
In einer Beitragsreihe stellt der PRSH e.V. Lückenbüßer-Optionen mit Karrierekick vor.
Freiberuflich coworken
Viele Studierende arbeiten bereits parallel zum Studium freiberuflich und haben die Möglichkeit auch nach dem Studienabschluss, diese Tätigkeit als Brücke oder Einstieg in die Berufswelt zu nutzen. Beim Edelstall, Hannover’s erstem CoWorking Space, ging der PRSH den Prinzipien der Selbstständigkeit am geteilten Arbeitsplatz auf den Grund.
Jonas Lindemann, Edelstall CoWorker, arbeitet in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) als Strategieberater für Kommunikation und Marketing. Was ihn zur Arbeit als Selbstständiger motiviert hat? „ Flexibilität hinsichtlich der Tagesgestaltung und der Umsetzung einzelner Projekte. Bei meiner Arbeit in Agentur und Unternehmen haben mich die vorherrschende Ellbogen-Mentalität und Karrieregeilheit gebremst.“, so Lindemann.
Und was sagen die Kunden zur Arbeitsform des CoWorkings? Neukunden seien meist neugierig. Doppeldoktoren herrschten in der klassischen Strategieberatung, während celiklindemann mit ihrem Dienstleistungsangebot einen jüngeren Ansatz der Brand Strategies verfolgen. ” Unsere Kunden sind jung und innovativ.”, sagt Lindemann. Neue Dienstleistung, junge Kunden – das Konzept des Edelstalls biete den perfekten Präsentationsraum.
Der Einstieg in die PR-Selbstständigkeit
Wer sagt, dass Einsteiger das Rundum-Sorglos-PR-Paket anbieten müssen? Prinzipiell wird zwischen strategischen und operativen Leistungen unterschieden. Für wen der Kaltstart mit der Erstellung eines vollständigen Kommunikationskonzeptes zu riskant erscheint, ist je nach Kompetenz und Ausbildungsgrad ein Einstieg über die operative PR-Arbeit denkbar: Ob Texten von Pressematerial, Copywriting, Lektorat, Erstellung von Onlineauftritten und Multimediaprodukten oder Betreuung von Social-Media Repräsentanzen… .
Honoriert werden diese Leistungen laut DPRG mit Stundensätzen zwischen 60 und 70 Euro. Für die Erstellung von Kommunikationskonzepten und die kontinuierliche Betreuung von Kunden winken bereits Honorarpauschalen im vierstelligen Bereich.
Die freiberufliche PR-Arbeit ist zudem nicht gewerbesteuerpflichtig. Sie muss lediglich innerhalb von vier Wochen nach Beginn der Geschäftstätigkeit beim Finanzamt angemeldet werden. Ausgerüstet mit einer Steuernummer, werden Freelancern und Zusammenschlüssen als GbR lediglich Einkommens- und Umsatzsteuer berechnet. Gut zu wissen ist aber, dass Freiberufliche mit ihrem Privatvermögen haften.
Gründungswillige finden bei der Gründerwerkstatt Hannover weiterführende Informationen und Beratung.
Der Co-Working Space - ein Portrait
„ Interdisziplinäre Grenzen werden gesprengt. Ein Ort des Austausches und der Inspiration entsteht.“ titelt es auf der Webseite des Edelstalls. Sehr romantisch klingt das, aber tatsächlich ist Zeit in CoWorking Spaces Geld. Nimmt man sich diese also, um anderen Input zu geben?
„ Ja!“, sagt Hardy Seiler, Mitgründer des Edelstall. Gleich dem Medici-Effekt vereine der CoWorking Space das Ideenpotential von Selbstständigen aus verschiedenen Branchen außerhalb traditioneller Grenzen des Bürowürfels.
Natürlich sind die zwischen 25 und 35 jährigen und zu 60 % mac-kreativen CoWorkernden ambitioniert. Alle wollen vorankommen und arbeiten ständig an Selbstoptimierung. Aber: Der offene State of Mind sieht persönlichen Fortschritt im Austausch – Ob passiv beim Lauschen und Aha-Effekt nebenbei oder aktiv, durch gegenseitiges Lernen im 9-bis-5-Arbeitsalltag, Workshops oder Kontaktreihen.
Letztere sind auch für PR-Selbstständige ein großes Plus. Netzwerken ist in der offenen Arbeitsatmosphäre leicht. Wöchentliche Anfragen und Ausschreibungen über die facebook-Seite des Edelstall schaffen die Möglichkeit der Kundenakquise. So kann sich über das Gesuch eines Grafikers auch der Auftrag für eine Textertätigkeit oder eine umfassende Kommunikationsberatung erschließen. Die Atmosphäre in CoWorking Space strahlt Produktivität, Kompetenz und Kooperation aus. Ein weiterer Vorteil gegenüber dem Home-Office: Vor dem Kunden erscheint man nicht als Einmannbetrieb, sondern als unterhalte man ein gesamtes Büro.
Bei aller Gedankenfreiheit, Ideenaustausch und gegenseitigem Input zählt dennoch Vertraulichkeit gegenüber dem Auftraggeber. Diese wird, wie auch bei der Agenturarbeit, vertraglich geregelt.
Edelstall Hannover – wie es funktioniert
Mit einer Zehnerkarte steht euch an zehn vollen Tagen à zehn Euro ein Arbeitsplatz zur Verfügung. Infrastruktur, das heißt Schreibtisch, Stuhl, Bildschirm, Tastatur und Wlan werden gestellt.
Die PR-Studierenden der FHH sind herzlich willkommen – zur Besichtigungstour oder auch einem kostenlosen Probetag. Ihr arbeitet nicht frei neben dem Studium und auch sonstige kreative Projekte finden sich derzeit nicht auf Eurer Agenda? Die Semesterprüfungen stehen bevor und acht Stunden im Edelstall garantieren nicht nur Netzwerk- und Inputmöglichkeiten, sondern bewahren euch auch vor der Küche, die dringend wieder einmal geputzt werden müsste oder dem Berg Bügelwäsche, der nun/jetzt/gleich/sofort abgebaut werden muss.
Sturm, Drang und Fernweh? Lest im nächsten Beitrag, welche Karrieremöglichkeiten die Internetplattform Escape the City bietet.
Lichtdurchflutet, die Elbphilarmonie und der Museumshafen gleich hinter der Fensterfront. Dieser Blick eröffnet sich einem aus den Büroräumen von Molthan van Loon. Normalerweise Kunden, wie Beiersdorf, Allianz… und an einem Freitag Anfang November auch uns, dem PRSH. Hier die zweite Review unseres Besuchs in Hamburg.
Wer bei solch einem Ausblick keinen Anstoß zum obligatorischen Small- Talk findet, kann nur ein über die Maßen Schön- Wetter- Mensch sein, der mit der Hansestadt daher von vornherein auf Kriegsfuß steht.
Petra Friedlaender, Geschäftsführerin der Kommunikationsunternehmens, positioniert Molthan van Loon als „im Markt einzigartig“. Während gewöhnlich Agenturen der Kommunikationsbranche entweder inhabergeführt oder einem Netzwerk angeschlossen seien, vereine Molthan van Loon die Vorteile beider Organisationsformen: Ob bei der strategischen Ausrichtung oder Entscheidungen bei konjunkturbedingten Herausforderungen kann die Agentur freier und flexibler reagieren. Dennoch genießt sie die Vorteile der Internationalität des Ketchum Pleon Netzwerkes als Exclusive Associate Partner.
Ob nun organisationstypisch oder nicht: Was bleibt ist die Stresserprobung. Trotzdem empfiehlt Tobias Soffner, MvL-Berater der unter anderem die Landesmarketing-Kampagne für das Land Mecklenburg- Vorpommern betreut, uns Nachwuchs-PRlern: Wer sich auf der „Seite der Idee, auf der treibenden Seite“ sähe, der solle die Agentur wählen. Die Kommunikation vieler Kunden werde daher oftmals auch nicht nur aus den eigenen Kommunikationsabteilungen gesteuert, sondern auch an Agenturen ausgelagert. Diese garantieren mit dem Seitenblick durch Branchendistanz für neuen Ideeninput.
Wir erfahren mehr über Cases aus den Bereichen Krisenmanagement, Profilschärfung und Markenkommunikation, welche zusammen mit Digital Dialogue die Schwerpunkte der Agentur bilden. In nur zwei Stunden werden wir in viele Geheimnisse der PR-Praxis eingeweiht und können den uns manchmal so trocken und theoretisch erscheinenden Vorlesungen mit neuem Vertrauen in ihre Praxistauglichkeit entgegenschauen.
Außerdem lernen wir: Marketing lässt sich in der Praxis oft nur selten von der PR trennen. Gerade bei Unternehmen erhalten Marketing und PR oftmals ein gemeinsames Budget. Die Rolle der PR als Longtail erkennen jedoch immer mehr Unternehmen und so prognostiziert auch Molthan van Loon, wie viel andere, einen Zuwachs der PR zu Lasten der Werbung. Gut für uns!
Und nach dem Studium?
Für unsere Nachwuchsfrage wird sich daher ausgiebig Zeit genommen: Bei der Bewerbung zum Trainee fährt prinzipiell der Masterabsolvent nicht unbedingt auf der Überholspur. Jedoch: Ein schneller Studienabschluss ersetzt nicht die Persönlichkeitsentwicklung. Hat ein Trainee mit lediglich einem Bachelorabschluss die ersten 12 Monate in der Agentur beendet, ist er oder sie nicht unbedingt bereit als Junior Berater auf die Kunden losgelassen zu werden.
Die Herzschlagrate der anwesenden Siebt- bis Zehntsemestler beruhigt sich so wieder und Petra Friedlaender skizziert die weiteren Karrierestufen, die es bis zur Geschäftsführung einer PR-Agentur zu erklimmen gilt: Als Assistent arbeitet man nach dem Traineeship zwar noch unter dem Junior Consultant, immerhin jedoch mit einem unbefristeten Vertrag. Im Anschluss folgen die Positionen Junior Consultant und schließlich Berater.
Auch wenn es ein langer Weg bis zur Führungsposition ist, die Vorzüge der Agenturarbeit in unserem Gespräch mit Molthan van Loon werden deutlich: Die Projektarbeiten aus unterschiedlichen Branchen ist abwechslungsreich und spannend. Und das ab dem ersten Tag! Denn ob Trainee oder Berater, das Credo der Agentur lautet: „Der Kunde bekommt nicht den einzelnen Berater, sondern Molthan van Loon. Das Team.“
Der PRSH möchte sich herzlich bei Molthan van Loon und der Google Deutschland GmbH für ausgiebige Einblicke in die PR-Branche und agentur- und unternehmensspezifische Arbeitsweisen bedanken!
Am Freitag vor zwei Wochen besuchten wir Google Deutschland und die Agentur Molthan van Loon in Hamburg. Die erste Review beschäftigt sich mit dem Besuch beim Suchmaschinen-Monopolisten Google und dessen Dankbarkeit gegenüber Thilo Sarrazin.
Rauf. Fahrstuhl eins. Das Türschild liest zwar Google, aber auch „Kein Eingang“. Runter Treppenhaus zwei. Fast sehen wir Vorurteile über die Transparenz des Unternehmens in der Anatomie des Google-Gebäudes voreilig bestätigt. Hoch. Fahrstuhl zwei. Endlich leuchten uns die sechs Buchstaben in Duplo-Farben entgegen.
Stefan Keuchel, Google Pressesprecher, führt uns mit kleinem Abstecher zur Kantine in das nächste Stockwerk zur Unternehmenskommunikation. Versorgt mit Bio-Lassi und Öko-Brause erhalten wir in den nächsten zwei Stunden viel Insights in die Entstehungsgeschichte, die Finanzierung und die neuesten Anwendungen des Suchmaschinen-Monopolisten. Stopp- unangebrachter Wortgebrauch! Stefan Keuchel gefällt diese häufig von den Medien vorgeworfene Positionierung nicht. Warum? Er führt die Mission des Unternehmens an: Das Bestreben, die Informationen der Welt für jedermann zugänglich und nutzbar zu machen. „Völlig kostenlos übrigens.“, fügt er hinzu. Der Nutzer hebt Google also selbst in die führende Marktposition. Zudem gäbe es durchaus Mitbewerber für den sich der Suchende entscheiden könnte.
Als amerikanisches Unternehmen hat Google natürlich nicht nur eine Mission, sondern auch eine Vision: Die von den meisten Usern ignorierte „Auf gut Glück“-Suche ist das Ideal des Suchmaschinenanbieters. Wie Captain Kirks Computer auf eine Frage eine einzige richtige Antwort geben zu können, sei das Hauptziel der Google-Gründer.

Google die Krake?
Um dies zu erreichen muss Google den Nutzer schon genau kennen. Zack und wir befinden uns in der Hauptdebatte: Google, die Krake. Gmail scannt unsere Emails. Richtig. Google setzt Cookies. Richtig. Auch richtig ist aber: Wir möchten unser Postfach spamfrei haben. Deswegen scannt auch jeder Freemail-Provider unsere Emails. „Herzlich Willkommen XY bei Amazon! Leser, die dieses Buch kauften, interessierten sich auch für diese…“, so setzt auch jeder andere Webseitenanbieter Cookies.
Die zu Beginn aufgestellte Analogie der Gebäudestruktur zur Durchsichtigkeit der Datenverarbeitung fanden wir während unserem Gespräch auch widerlegt. Der eigentlich offensichtlich, unter dem Suchschlitz auf der Google-Startseite platzierte Link „Datenschutz“ führt zu einem Portal mit umfangreichen, auf die verschiedenen geografischen Zielgruppen zugeschnittenen Informationen zum Umgang mit ihren persönlichen Daten.
Dass die meisten von uns diese Plattform als alternative Quelle zu reißerischen Titelstories der nationalen Publikumszeitschriften („Eine Spiegel-Titelgeschichte wünscht sich keiner.“) bisher nicht wahrgenommen haben, mag auf unseren Tunnel-Blick zurückzuführen sein. An dessen Ende stehen die ersten 20 Ergebnisse unserer Stichwortsuche mit den höchsten PageRanks, also den meisten Verlinkungen von anderen Webseiten.
Die Kommunikation rund um Streetview
Der Besuch bei Google verdeutlicht wieder einige bereits in der Theorie gelernten PR-Basics an Hand der Praxis: Erstens, die Schwierigkeit zielgruppenspezifischer Kommunikation bei globalen Produktlaunches: „Uns ist es leider nicht gelungen den Nutzern deutlich zu machen, warum dies ein nützlicher Service ist.“, gesteht Stefan Keuchel beim unvermeidlichen Gesprächspunkt „Streetview“.
Während die Applikation in anderen Ländern nahezu diskussionslos angenommen wurde, unterschätzte man die Nachwirkungen totalitärer, von Überwachung geprägter Systeme in der deutschen Regierungsgeschichte. Das Misstrauen gegen die schwarzen Fahrzeuge mit dem mächtigen Hahnenkamm aus Kameras löste eine Debatte hinweg durch alle Medien und Bevölkerungsschichten aus.
Zweitens, der Einfluss unvorhersehbarer Medienereignisse auf Prozesse öffentlicher Meinungsbildung: „Wir müssen Herrn Sarrazin eigentlich dankbar sein.“, sagt da Stefan Keuchel. Dessen Theorien zur Genetik der Arbeitsmoral empörten die Öffentlichkeit noch mehr, als der gehypte Eingriff in die Privatssphäre durch Google- Streetview und setzte dieser Krise einen vorzeitigen Endpunkt.
Zum Schluss lernen wir, dass Google weitaus mehr kann als die Stichwortsuche in weniger als einer zehntel Sekunde und unser Leben als recherchebetraute Praktikanten und Trainees erleichtern kann: Google Echtzeit und Google Trends sind nur zwei der Möglichkeiten, um zum Beispiel Themen mit einem aktuell hohem Conversational Capital zu identifizieren und so auf Trends zu schließen.
Dass nicht alle diese Funktionen auf Anhieb auch auf dem Smart Phone des nicht aus der Fassung zu bringenden Pressesprechers vorzuführen waren, sorgte eher für Erleichterung als Wehmut: Selbst die Krake funktioniert nicht immer und überall.