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Trotz des Wissens der Kommunikationsschaffenden um die Wichtigkeit des Faktors Vertrauen geschieht es immer wieder, dass Organisationen massive Vertrauensverluste bei der Bevölkerung erleiden müssen. Das jüngste Beispiel: Das Agrarministerium Niedersachsen (mal wieder) und der aktuelle Dioxin-Skandal.
In einem von Grund auf sensiblen Feld wie der Lebensmittelindustrie, in der das Vertrauen der Verbraucher durch Skandale ohnehin schnell verloren geht, haben es Politiker und Institutionen Niedersachsens in kürzester Zeit geschafft große Teile ihres Vertrauens zu verspielen.
Die Diskrepanz von Worten und Fakten ist so groß, dass der Dioxin-Skandal in den Medien größer wird als er eigentlich sein müsste. Vor bereits mehr als einer Woche verkündigt das niedersächsische Agrarministerium, dass viele Höfe gesperrt seien, damit keine Dioxin-Eier in den Handel gelangen können. Der Endverbraucher erfährt später, dass betroffene Bauern tagelang nichts von der Anweisung aus dem Ministerium wussten. Eier aus angeblich gesperrten Höfen gelangten bis zum Wochenende in die Supermärkte. Bald darauf dementiert Niedersachsens Agrar-Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke seine Aussagen zu den Sperrungen der Höfe, er sei lediglich falsch widergegeben worden.
Aus Fehlern lernen? Denkste!
Doch damit ist es nicht genug. Ripke versichert am Dienstag dieser Woche, dioxinbelastetes Schweinefleisch sei nicht im Handel. Am Morgen danach korrigiert der Ministeriumssprecher seinen Chef: Er sei „nicht auf dem neuesten Stand der Informationen gewesen“.
Man sollte meinen aus dem Fall Grotelüschen habe das Ministerium gelernt, der Lernprozess scheint jedoch ziemlich langwierig zu sein. Die Unterschiede zwischen Information und zugrunde liegenden Sachverhalten, Aussagen und tatsächlichem Handeln und zwischen unterschiedlichen Personen innerhalb des Ministeriums sind ebenso immens wie bemerkenswert und schüren das Misstrauen der Öffentlichkeit immer mehr.
So wächst der Dioxin-Skandal in den Medien jeden Tag ein bisschen mehr – nicht etwa, weil jeden Tag neue skandalöse Fakten ans Licht der Öffentlichkeit gebracht werden und/oder die Gefahr des Dioxins sich für Menschen vergrößert (Dioxin ist noch immer nicht akut gesundheitsgefährdend), sondern weil die Protagonisten, die das Problem doch eigentlich lösen sollten, öffentlich durch Unwissen auffallen und nicht vertrauenserweckend sind.
Der Vertrauensverlust für die Politik könnte in diesen Fall größer als der für die Lebensmittelindustrie sein, auch wenn diese, bis hinab zum Landwirt, den wirtschaftlichen Preis dafür zahlen werden muss.
Am vergangenen Dienstag hat der PRSH e.V. die Gastvortragsreihe „PR-Lecture” gestartet. Den Auftakt markierte Björn Haße, Director Health bei der Agentur Edelman in Frankfurt, mit seinem Vortrag zum Thema „Internationale PR, work & think abroad“.
Was heißt es in einer global vernetzten Agentur zu arbeiten? Welche Besonderheiten, gerade im Umgang mit ausländischen Kunden und Mitarbeitern, müssen beachtet werden? All diese Fragen konnten Björn Haße (@bch bei Twitter) und Kathleen Schmiemann mit ihrer Präsentation vor 30 Stundenten und Studentinnen beantworten. Grundlegend für die PR-Arbeit selbst, aber auch für den Umgang mit ausländischen Mitarbeitern, sei vor allem eins: “There’s no ‘one fits all”.
Die lokale Kultur und Spezialitäten in den Zielmärkten müssen immer beachtet werden. Auch bei der Kommunikation mit Mitarbeitern in den USA, Großbritannien oder Indien müssen Sprache und vor allem die Zeitzone immer wieder mit bedacht werden. Anhand von vielen Beispielen präsentierte Haße schließlich zehn „Gebote” für ein erfolgreiches Arbeiten in einer global tätigen PR-Agentur.
Augenscheinlich sei auch, so Haße, dass internationale PR immer lokaler werden würde. Während in früheren Zeiten PR-Konzepte eins zu eins von Land zu Land übernommen wurden, würde heutzutage nur noch adaptierbares Material (so genannte PR-Toolkits) vom Agentur-Hub zur Verfügung gestellt und dann lokal umgesetzt werden. Daher setzt man bei Edelman bei der Konzeptionierung auf ein global einheitliches Vorgehen.
Im Anschluss an die Präsentation hatte das Publikum noch die Möglichkeit Fragen an den Referenten zu stellen. Hier standen natürlich insbesondere die PR-Ausbildung und Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten bei Edelman nach dem Studium im Vordergrund.
Auf die Frage inwieweit eine Fachqualifikation nötig sei um beispielsweise im Bereich Health Communication tätig zu sein, antwortete Haße, dass eine fachliche Spezialisierung nicht zwingend notwendig sei, wenn der Bewerber bereits auf Metaebene und damit strategisch denken könne. Hier wäre ein Kommunikationsstudium sicherlich von Vorteil, so Haße. Auch Absolventen ohne Agenturpraktikum hätten, wenn auch erschwerte, Einstiegschancen bei Edelman. Diese müssten jedoch überzeugend darstellen können in der Lage zu sein Kunden zu betreuen. Ein wichtiges Einstellungskriterium sei jedoch die menschliche Komponente. Der oder die Bewerber/in müsse einfach ins Team passen.
Ganz sicher jedoch passen Björn Haße und Kathleen Schmiemann von nun an zum PRSH. Denn: Zum Abschluss bedankten sich die PRSH-Mitglieder mit zwei Ehrenmitgliedschaften für den gelungen PR-Lecture-Start.

Die erste Podiumsdiskussion unseres erst kürzlich gegründeten PRSHVereins zum Thema „CSR als Herausforderung für die Unternehmenskommunikation“ kann als voller Erfolg verbucht werden. Die fast 100 interessierten Zuhörer, der Sektempfang im Foyer und natürlich die Diskussion selbst übertrafen die Erwartungen.
Einen großen Anteil daran hatten unsere Podiumsgäste, die interessante Beiträge zu den einzelnen Facetten von Corporate Social Responsibility liefern konnten. So unterstrich Dr. Gerhard Prätorius, Leiter CSR und Nachhaltigkeit der Volkswagen AG, bereits zu Beginn der Diskussion, dass sich CSR in den vergangenen Jahren zum „Problemlösungsfall“ für Unternehmen entwickelt habe.
Dieser Meinung schloss sich auch Stefan Dahle an, der beim Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft (Imug) als Leiter der CSR-Beratung arbeitet. Er verglich das CSR Verständnis in den USA mit dem heutigen europäischen Verständnis und machte auf die Unterschiede zwischen Charity (USA) und nachhaltigem Wirtschaften (Europa) aufmerksam. Als wichtige journalistische Meinungsführerin und Beobachterin der CSR-Szene in Deutschland bemängelte Heike Leitschuh, dass gerade dieses Verständnis von CSR noch nicht in allen deutschen Unternehmen angekommen sei.
Ein Grund dafür sei, so Eins A Kommunikation- und DPRG-Landesgruppen-Chef Thorsten Windus-Dörr, dass das Thema CSR vor einigen Jahren einfach über viele Unternehmen gekommen sei, ohne dass diese darauf vorbereitet gewesen wären. Er betonte jedoch auch, und dies stellte sich auch bei den Fragen nach der Diskussion noch einmal heraus, dass gerade der Mittelstand bereits lange CSR Maßnahmen durchführen, diese jedoch nicht als solche bezeichnen und kommunizieren würde.
Im Wesentlichen einig war sich das Podium über die Frage, wie stark CSR-Projekte mit dem unternehmerischen Kerngeschäft verknüpft sein müssen, um nicht als „Greenwashing“ tituliert zu werden. Einzig Dr. Gerhard Prätorius machte deutlich, dass es nicht immer so leicht sei, diese Verknüpfung herzustellen.
Nach dieser ersten Verortung von CSR und Nachhaltigkeit wurde die Diskussion von Moderator Andreas Severin (Managing Partner Crossrelations, Düsseldorf) auf die kommunikativen Aspekte von CSR in der Unternehmenskommunikation gelenkt. Stefan Dahle machte hier deutlich, dass schlicht zu oft über Dinge kommuniziert wird, die in der Realität nicht stattfänden. „Die Kommunikation muss der CSR-Performance des Unternehmens angepasst sein“, so Dahle weiter. Außerdem müsse CSR-Kommunikation transparent und reflektiv sein. Insbesondere selbstkritische Stimmen vermisse er in den Nachhaltigkeitsberichten deutscher Unternehmen. Diesen Punkt unterstrich ebenfalls Heike Leitschuh, die in diesem Zusammenhang auch Verbesserungspotential beim ansonsten vorbildlichen VW-Nachhaltigkeitsbericht ausmachte.
Nach dem Ende des ersten “PRSH im Gespräch” führten Rebecca Acar und Daniela Wrage mit allen vier Gästen Kurzinterviews, die in den kommenden Tagen hier online gestellt werden. Als ersten Vorgeschmack daher nun das erste PRSH-Interview mit Dr. Gerhard Prätorius, dem Leiter CSR Nachhaltigkeit der Volkswagen AG:
Hiermit möchten wir noch einmal unseren Dank an die geladenen Podiumsgäste und natürlich an unseren Moderator Andreas Severin richten. Außerdem geht ein großer Dank an alle Beteiligten, die in Sachen Catering, Dokumentation und sonstigen organisatorischen und technischen Aufgaben so perfekt geholfen haben.
Und hier geht es…
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Zu den PRSH-Interviews (mit Dr. Prätorius, Heike Leitschuh, Thorsten Windus-Dörr, Stefan Dahle)