Am Dienstag dieser Woche machten wir uns auf die Suche nach dem Kommunikationsmanager 2.0. Ein hochkarätig besetztes Podium, moderiert von Dominik Ruisinger, diskutierte in Hannover über die Herausforderungen für PR-Berater im Social Web.
In einem sind sich die Podiumsgäste einig: Für das Web 2.0 ist Leidenschaft gefragt. „Der Kommunikationsmanager 2.0 sollte wirklich Bock auf das Thema haben“, so der Geschäftsführer von Eyecansee Communications Daniel Görs über die wichtigste Eigenschaft eines Social Web-Managers. Schließlich verschwindet die Grenze zwischen Beruf und Privatleben in diesem Bereich immer mehr. Wenn Stefan Keuchel – alias „frischkopp“ – twittert, nimmt er das nicht als Arbeit war. Nur seine „wife 2.0“ sei davon weniger begeistert, erzählt der Pressesprecher von Google Deutschland. Bei Görs, ehrenamtlicher Leiter des DPRG-Arbeitskreises „Digital Relations/Social Media“, ist das ähnlich: „Ich bin offline, wenn mein Akku alle ist.“ Kurze Zeit später springt er auf und hastet zur Steckdose – sein Handyakku ist alle.
Kommunikationsmanager 2.0 – vielseitig einsetzbar
Bei all dem Hype um Social Media darf die klassische PR-Arbeit jedoch nicht vergessen werden. „Ein Kommunikationsmanager 2.0 braucht gute Kenntnisse in beiden Bereichen. Er muss crossmedial denken und handeln können“, gibt Timo Lommatzsch – Unitleiter Digital Dialogue bei Molthan van Loon – zu bedenken. Zudem sollte er wenigstens Grundkenntnisse im Bereich Suchmaschinenmarketing und Suchmaschinenoptimierung besitzen. Greenpeace-Webmanagerin Claudia Sommer sieht eine weitere Herausforderung für PR-Fachleute: „Man muss heute viel mehr zuhören als vor einigen Jahren.“ Im Web 2.0 geht es darum, einen persönlichen Dialog zu führen. Wer das authentisch schafft, kann die neuen Tools erfolgreich für sich nutzen.
Vor allem bei der Krisenkommunikation können Kommunikatoren über Twitter und Co schnell reagieren und so auch Zeit gewinnen. Keuchel erzählt aus der Praxis: „Vor wenigen Wochen funktionierte Google Mail nicht. Ich war gerade beim Friseur und habe beim Shampoonieren nochmal bei Twitter reingeschaut“, berichtet Keuchel. „Durch die Tweets anderer User habe ich gemerkt: Da stimmt etwas nicht. Ich habe sofort in der Firma angerufen und erfahren, dass sie bereits an dem Problem arbeiten. Bis das Mail-Programm nach ein paar Stunden wieder funktioniert hat, habe ich meine Follower ständig auf dem Laufenden gehalten. Obwohl die Leute fast einen ganzen Vormittag lang ihre E-Mails nicht abrufen konnte, war das Feedback absolut positiv.“
Natürlich muss nicht jeder PR-Berater im Web 2.0 aktiv sein. Allerdings sollte er mit Begriffen des sozialen Netzes umgehen können und wissen, was sich dahinter verbirgt. Wer sich aber mit Begeisterung auf diesen Bereich spezialisiert, dürfte es bei der Jobsuche nicht schwer haben. „Unter 100 Bewerbungen für Stellen für Social Media ist vielleicht eine dabei, die passt“, meint Sommer. Auch die anderen Podiumsgäste können aus eigener Erfahrung berichten, wie schwer es ist, kompetente Social Media-Manager zu finden. „Wir würden uns über Bewerbungen freuen“, folgt der Aufruf an die im Publikum sitzenden Studenten. Welche beruflichen Herausforderungen gefordert sind, haben die Podiumsgäste während der anderthalbstündigen Diskussion genauer erklärt. Oder, um es kurz und knapp mit den Worten von Stefan Keuchel zu sagen: „Der Kommunikationsmanager 2.0 ist eine eierlegende Wollmilchsau.“
Im Laufe der nächsten Tage werden wir die aufgenommenen Kurzinterviews mit den Podiumsgästen online stellen. Diese können dann hier und in unserem YouTube-Channel angesehen werden.
Sina Petzold, Tobias Köhne und Sascha Nottmeier
Wir freuen uns auf Claudia Sommer (Greenpeace), Daniel Görs (DPRG; Eyecansee), Stefan Keuchel (Google) und Timo Lommatzsch (Molthan van Loon), die sich gemeinsam mit Dominik Ruisinger (Online-PR-Dozent, FHH) beim “PRSH im Gespräch” auf die Suche nach dem Kommunikationsmanager 2.0 begeben werden.
Für alle Interessierten versuchen wir ab 18.30 Uhr zudem einen Livestream auf die Beine zu stellen. Wir laden dazu alle herzlich ein unter dem Tag #PRSH der Diskussion im “Netz” zu folgen und auf diesem Wege auch Fragen an unsere Podiumsgäste zu richten. Im Anschluss an die Veranstaltung wird es zudem wieder die gewohnten Interviews mit den Experten geben, die dann im Laufe der Woche auf der Homepage und in unserem YouTube-Channel zu sehen sind.
Wir sind auf Eure und Ihre Fragen sehr gespannt! Livestream mit Chatfunktion: Klick!
Der Deutsche Rat für Public Relations schickt sich nun schon eine ganze Weile an, die PR-Schaffenden hierzulande in ethisch und moralisch korrekter Ausübung ihres Berufs zu einen. Ins Feld geführt werden dabei immer wieder Absenderklarheit und das Gebot der Transparenz. Das Resultat: Viel Diskussion und Häme, wenig Greifbares.
Aktuell arbeitet der DRPR an seiner siebten Richtlinie, die die Überschrift „PR in digitalen Medien und Netzwerken“ trägt. Diese kommt reichlich spät daher und so wirkt der erste Satz der Präambel (Zitat: „Online Kommunikation nimmt einen immer größeren Stellenwert in der gesamten Public Relations Branche ein – national wie international.“) denn auch sehr anachronistisch, hätte es einer solchen Richtlinie doch schon vor einigen Jahren bedurft. Worum geht es also? Zum einen um „klassische“ Online-Kommunikation (…) - mit Journalisten als Gatekeepern“, zum anderen um PR im „Social-Web“.
Natürlich stehen aus Sicht des DRPR auch in Sachen Online-Kommunikation Transparenz und Absenderklarheit an erster Stelle. Journalisten dürften also nicht gekauft werden und bei Meinungsäußerungen in Blogs müsse klar kenntlich gemacht werden, auf wessen Gehaltsliste man direkt oder indirekt stehe. Soweit, so gut. Dann aber driftet Richtlinie Nummer sieben leider in die Banalität ab: „Mystery-Phasen“ seien als „überraschendes Element in Kampagnen“ okay, Auftraggeber müssten ihren Agenturen auf die Finger schauen, selbst Testberichte müssten den Verweis auf die Bezugsquelle des jeweiligen Produkts enthalten. Es sind vor allem solche überflüssigen und schwerlich realisierbaren Vorgaben, die eine im Kern sinnvolle und nötige Richtlinie verwässern.
Doch noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Erstmals bietet der DRPR allen Interessierten die Chance, die Leitlinie mitzugestalten. Waren die Regeln eins bis sechs noch Ergebnis der Arbeit konspirativer Expertenkreise, wird Nummer sieben ganz im Sinne des Social-Media-Gedankens online zur Diskussion gestellt. In diesem Sinne ist es vor allem an den Kritikern des DRPR, die Richtlinie zu ergänzen. Bei Erfolg sollte man auch eine Überarbeitung der Regeln eins bis sechs in Aussicht stellen.
Mirko Lange ist Geschäftsführer von talkabout communications in München. Seine Agentur zählt zu den führenden Adressen im Beratungsfeld Online-Relations. “Wertschöpfung durch Kommunikation” (Co-Autor des gleichnamigen, im FAZ-Verlag erschienen Buches) und Social Media (Studienleiter an der BAW in München) sind Langes Spezialgebiete. Laut wefollow.com ist Mirko Lange der einflussreichste nicht-englischsprachige PR-Twitterati weltweit. In unserer Reihe “PR-Interview” stellt sich Mirko Lange den Fragen aus der Welt der Online-Relations und schildert seine Sicht auf den Nestlé-Case und das “überforderte Affentheater” (prreport.de vom 25.3.2010) im Anschluss.
Herr Lange, Ihre Agentur talkabout ist eine der führenden Adressen auf dem Feld der Online-Relations. Was machen Sie eigentlich, sollte irgendwann die Social-Media-Blase platzen oder die „Entschleunigung“ zu einem gesellschaftlichen Trend werden?
Mirko Lange: Schade, dass das kein Video-Interview ist: Sie würden mich herzlich lachen sehen. Was ich dann mache? Ich setze mich hin und weine! Nein, im Ernst: Ich mache mir da überhaupt keine Sorgen. Erstens verdienen wir unser Geld ja nicht nur mit Social Media – umsatzmäßig macht das aktuell einen eher kleinen Teil aus. Zweitens sind wir eine sehr dynamische Agentur – wir würden uns also schnell neuen Gegebenheiten anpassen. Drittens glaube ich nicht, dass es eine „Social-Media-Blase“ gibt: Dass das Medienmonopol aufgebrochen ist, und dass heute jeder publizieren kann, ist keine Blase sondern ein Fakt, der sich auch nicht mehr umkehren wird. Und schließlich glaube ich nicht, dass „Entschleunigung“ irgendwas mit unserer Arbeit zu tun hat. Wir könnten auch langsamer Social Media machen.
Besucher Ihrer Online-Profile von Twitter über posterous bis Formspring quälen Sie mit der unglaublich umfassenden Frage: „Wie können Unternehmen authentisch und anerkannt am öffentlichen Dialog teilnehmen, Fürsprecher gewinnen und dadurch Mehrwert schaffen?“ – Klingt wie die Suche nach dem heiligen Gral. Haben Sie denn selbst schon die Antwort gefunden?
Mirko Lange: Oh, dann muss ich die Frage umformulieren! Die war nicht als Frage gemeint, die ich anderen Menschen stelle. Das ist die Frage, die ich mir selbst stelle. Und nein, ich habe die Antwort noch nicht gefunden. Ich habe einige Ansätze, Aspekte und Elemente gefunden. Aber bestimmt noch nicht die Antwort. Aber ich halte die Fragen für die spannendsten, auf die man keine Antwort findet. Sie helfen einem, aufmerksam zu bleiben.
Nicht wirklich bereit zum öffentlichen Dialog war gerade der Lebensmittelgigant Nestlé,der von Greenpeace mittels Nutzung von Social Media gebrandmarkt wurde. Der Grund: Nestlé verwendet indonesisches Palmöl aus Beständen eines Herstellers, der für die Zerstörung des natürlichen Lebensraums von Orang-Utans verantwortlich ist. Sie haben sich die Zeit genommen und die Greenpeace vs. Nestlé-Story kritisch beleuchtet. Der Tenor: Greenpeace will Nestlé bluten sehen. Im Rahmen einer emotional-aufgeladenen und am Ende nicht immer ganz sachlichen Diskussion auf Ihrem Blog, gab es viel Zuspruch, aber auch Kritik an der Analyse-Tiefe. Der PR-Report schrieb in diesem Zusammenhang jüngst vom „überforderten Affentheater“ und verunsicherten Kommunikationsprofis. Sie selbst nannten einmal Social Media das Kokain der Kommunikationsberatung. Sieht nach einem kalten Entzug aus.
Mirko Lange: Hm. Sie machen ein Statement! Was ist die Frage? Allerdings möchte ich das Statement gerne kommentieren. Die Debatte auf dem Blog war sogar ausgesprochen sachlich. Sie wurde erst emotional, als mich einer der Kommentatoren persönlich angriff und persönlich zu diskreditieren versuchte. Das war auch keine Kritik an der „Analyse-Tiefe“, sondern er setzte „Analyse“ generell in Gänsefüßchen – er meinte, es sei gar keine Analyse, bzw. sie sei grundfalsch. Andere Leser des Blogs haben diesem Kommentator dann eine unfaire und nicht angemessene Kultur vorgeworfen. Das war dann die emotionale Debatte. Ich war zu dieser Zeit auf einem Workshop und war da überhaupt nicht beteiligt.

Kampagnenbild von Greenpeace (Rechte: Greenpeace)
Und so wie ich die Kritik an meiner Analyse (oder an meiner „Analyse“) verstanden habe, gab es niemanden, der mir darin widersprochen hätte, dass Greenpeace populistisch, polemisch und propagandistisch vorgehen würde. Es ging nur um die Fragen, ob das ob des guten Zweckes richtig bzw. vertretbar sei oder ob das nicht ganz normal wäre: politisches Campaigning sei eben so. Und ja, das ist neu: Dass alles, was man tut, transparent wird. Das ist eine große Herausforderung für die PR, die sich klassischerweise wünscht, die Informationslage kontrollieren zu können – Stichwort „onevoicepolicy“. Ich persönlich finde die Entwicklung unglaublich inspirierend, nicht überfordernd.
Ist es in diesem Kontext eigentlich problematisch, wenn immer mehr Berater oder eben „Möchtegern“-Berater sich selbst zu Gurus, Evangelisten, Experten oder Kunstfiguren ernennen und man oft auch den Eindruck bekommen muss, dass Eitelkeiten und Selbstüberschätzung die Agenda bestimmen? Steht die Online-PR hier nicht auch vor einem Qualitätsproblem?
Mirko Lange: Wir hätten wirklich ein Video-Interview führen sollen! Sie sähen mich schon wieder herzlich lachen. Das ist eine total künstliche und konstruierte Debatte. Scharlatane gab und gibt es in jedem Berufszweig. Aber auch hier gilt das Prinzip des Kokains: „Social Media intensiviert die Persönlichkeit“ (so wie Kokain). Alles wird transparenter. Und jeder, der in Social Media aktiv wird, wird schnell entlarvt, wenn er anderen etwas vormachen will. Man erkennt schnell den wahren Charakter. Das gilt für NGOs ebenso wie für Kommentatoren oder eben Möchtegern-Berater. Social Media verändert nichts. Es macht nur das sichtbar, was ist. Wobei das dann wieder eine ganze Menge verändert. Und steht die Online-PR vor einem Qualitätsproblem? Unbedingt! So wie die ganze PR schon seit langem vor einem Qualitätsproblem steht!
Mal von einer ganz anderen Seite betrachtet: Müssen sich Agenturen wie talkabout nicht bei einem Unternehmens-Versagen wie im Fall Nestlé im Bereich Digital Relations die Finger lecken? Schließlich wird mit solch prominenten Fällen doch die Notwendigkeit von professioneller Beratung offensichtlich.
Mirko Lange: Also das nächste Mal machen wir wirklich ein Video-Interview, abgemacht? Dann würde Sie sehen, dass ich einem Bären deutlich ähnlicher sehe als einem Geier. Zunächst denke ich nicht, dass Nestlé „versagt“ hat. Nestlé ist mit unfairen Tiefschlägen angegriffen worden. Ich kann verstehen, dass Nestlé deswegen irritiert war. Das war eine „gute“ Taktik von Greenpeace – zumindest wenn man annimmt, dass wir uns in einem Krieg befinden. Und Nestlé hat sich durch diesen Frontalangriff zu ein paar taktischen Fehler verleiten lassen – das könnten auch individuelle Fehler gewesen sein. Ansonsten folgt die Nestlé-Kommunikation nach meiner Auffassung einer klaren Strategie. Und die heißt nicht: Offenheit im sozialen Netz. Und das ist okay so, Nestlé hat auf dieser Basis keinen großen Beratungsbedarf. Ansonsten: Ja, ich glaube „Digital Relations“ sind ein Wachstumsmarkt. Deswegen schaue ich zuversichtlich in die Zukunft und freue mich auf jedes spannende Projekt. Aber ich bin über die Jahre auch dankbar und demütig genug geworden, um mir nicht bei jeder Gelegenheit „die Finger zu lecken“. Ob das andere Agenturen machen, kann ich nicht beurteilen.
Derzeit tummeln sich die „User“ auf diversen Social-Media-Plattformen. Gleichzeitig lässt sich ein Trend erkennen, dass Plattformen wie Facebook oder Google Buzz ein Rundum-Paket der Funktionen von Diensten wie Twitter, Flickr etc. integrieren. Wohin wird hier die Reise gehen? Auf welche Plattformen sollten social-media-affine Unternehmen setzen?
Mirko Lange: Ich glaube, diese Frage beruht auf einer falschen Vorstellung von Social Media. Mein Lieblingssatz ist derzeit: „Wenn Social Media die Antwort ist – was war dann gleich noch die Frage?“. Social Media bietet nahezu unendlich viele Optionen. Welche die richtige ist, lässt sich nur sagen, wenn man die genaue Frage kennt. Einfach nur auf einer bestimmten Plattform präsent zu sein, ist kein Wert – es sei denn man will nur auf seiner To-Do-Liste den Punkt „Social Media“ abhaken und sich selbst damit beruhigen, dass man das auch richtig gemacht hat. Die Frage spielt eigentlich auch keine Rolle. Wenn man mit den Menschen sprechen will, die für einen relevant sind, dann muss man sie dort treffen, wo sie sind. Und wenn sie irgendwann weg sind, muss man ihnen folgen. So einfach ist das. Wir müssen nur aufhören zu denken, dass wir die Kontrolle hätten, sondern wir müssen flexibel und geschmeidig werden. Das erfordert Denken und Arbeit, aber so ist das eben.
Gerade der Bereich Social Media ist synonym mit dem Begriff des Dialogs. Dieser Dialog ist auch ein wichtiger kommunikativer Aspekt von Corporate Social Responsibility. In den USA ist die Verquickung dieser beiden Bereiche bereits im Gange. Bisher regieren in Deutschland noch die dicken Nachhaltigkeitsberichte. Inwiefern kann das Feld der CSR durch einen Stakeholderdialog im Netz an Authentizität gewinnen?
Mirko Lange: Vor allem im Bereich CSR spielt Social Media eine eminent wichtige Rolle. Die spezifischen Besonderheiten von Social Media kommen hier voll zum Tragen: Persönliche Kommunikation, Partizipation, Transparenz, teilhaben lassen, Beiträge von Nutzern, Multimedialität, Vernetzung, … all das hat in diesem Bereich eine große Bedeutung. Unternehmen können soziale Medien nutzen, um die Gesellschaft, für die sie sich engagieren, an dem Projekt teilhaben zu lassen, sodass sie sich davon überzeugen können, dass die Motivation des Unternehmens „echt“, also authentisch, ist. Je stärker die Transparenz und je größer das persönliche Involvement der am Projekt beteiligten, desto engagierter die Kommunikation und desto authentischer wirkt das Unternehmen. Direkter „Dialog“ spielt da übrigens eine untergeordnete Rolle: Man sollte antworten, wenn man direkt angesprochen wird. Aber mehr auch nicht.
Sie sprachen mal davon, dass in der deutschen Agentur- und Beraterlandschaft das Thema Social Media 2009 fast komplett verschlafen wurde. Was hat sich getan und was muss sich noch in 2010 ändern?
Mirko Lange: Fast jede Agentur hat heute Social Media auf der Agenda stehen. Manche verstehen etwas davon, andere glauben, sie verstünden etwas davon, weil sie twittern, und wieder andere wissen, dass sie das Thema nicht verstehen und suchen Kooperationen. Die Agenturen und Berater werden in den kommenden Monaten hoffentlich in echten Projekten echte Erfahrungen machen, denn die ist unabdingbar. Und wenn ich „echte Projekte“ sage, dann meine ich den direkten Kontakt mit Meinungen – auch mit kritischen Meinungen. Man muss wirklich „auf die Straße“ gehen, um Social Media zu verstehen, Disneyland reicht da nicht. Zudem muss es auch in diesem Bereich eine bessere Ausbildung geben, also dass die Menschen, die schon Erfahrungen haben, ihre Erfahrungen an andere weitergeben. Ich bin ja selbst Dozent an der „Social Media Akademie“, die auf E-Learning setzt, und habe zusammen mit der Bayerischen Akademie für Werbung in München einen Lehrgang entworfen, der im Mai diesen Jahres beginnen wird.
Zum Abschluss noch eine Frage zum PR-Nachwuchs: Was für Einstiegsmöglichkeiten gibt es bei talkabout, was für Eigenschaften muss ein aussichtsreicher Bewerber mitbringen?
Mirko Lange: Studenten steigen bei uns als Trainee ein. Aktuell für 1.800 EUR pro Monat. Ich mag Menschen, die schnell denken können. Die für ein oder mehrere Themen brennen. Und die dazu das Handwerk verstehen, sowie mutig sind, neue Dinge auszuprobieren.
Vielen Dank für Ihre Einschätzungen!
(das Interview führte Martin Höfelmann)
Links:
Der Nestlé-Greenpeace-Case in der sachlichen Analyse auff RBB Radio fritz
“Überfordertes Affentheater” – prreport.de über die PR-Szene und den Nestlé-Case
Mirko Lange bei Twitter
Unsere bisherigen PR-Interviews:
“CSR ist eine Strategie, keine PR!” – Susanne Bergius im PR-Interview
“Twittern MUSS keiner” – Ina Steinbach im PR-Interview
Ina Steinbach ist PR-Beraterin bei achtung! in Hamburg. Ihr Schwerpunkt liegt in der Unternehmenskommunikation. Thematisch befasst sie sich mit dem gesamten PR-Portfolio von Krisen-PR über Issues Management bis hin zur PR im Web 2.0. Im Rahmen des letztgenannten Arbeitsschwerpunkts betreut sie beispielsweise den Twitter-Auftritt von eBay in Deutschland. In unserem ersten Interview der Reihe “PR-Interview” stellte sich Ina Steinbach insbesondere unseren Fragen rund um das Thema Online-PR.
Herzlichen Glückwunsch! Der von Ihnen betreute Ebay-Account hat kürzlich die 4000 Follower-Marke durchbrochen. Gab es ein Geschenk aus San José?
Ina Steinbach: Nein, das gab es nicht, aber meine Ansprechpartner in der eBay-Pressestelle waren natürlich sehr froh über diesen weiteren Meilenstein. Wobei die Zahl der Follower mir persönlich nicht so wichtig ist. Wenn wir es schaffen, einen kontinuierlichen Dialog zu führen und Kundenanfragen zur Zufriedenheit der Kunden zu beantworten, dann ist das wesentlich wichtiger als solche Zahlen.
Wann sind Sie das erste Mal mit Twitter in Kontakt gekommen und waren Sie bereits damals von den kommunikativen Möglichkeiten für Unternehmen überzeugt?
Ina Steinbach: Laut Twitter bin ich seit März 2008 angemeldet – was verglichen mit einigen Early Adoptern natürlich sehr spät ist. Zu Beginn war ich überhaupt nicht von Twitter überzeugt, wie wohl die meisten beim ersten Kontakt. Sinn und Kraft von Twitter erschließen sich erst, wenn man eine Weile am Ball bleibt und sich langsam Follower & Verfolgte finden.
Erzählen Sie uns von Ihrem Tagesgeschäft. Wie sieht die Arbeit einer Social-Media-Beraterin aus?
Ina Steinbach: Ich bin keine Social-Media-Beraterin, sondern klassische PR-Beraterin und sehe mich auch als solche. Social Media-Kommunikation ist aber ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit und muss es meines Erachtens auch für alle PR-Berater heutzutage sein. Mein Tagesgeschäft setzt sich insofern sehr stark aus ganz klassischen PR-Tätigkeiten zusammen, wobei Social Media-Monitoring der wichtigste kontinuierliche Bestandteil der täglichen Arbeit ist. Ein Großteil der Social Media-Beratung ist auch immer noch, Ängste und Fragen von Unternehmen zu klären, die sich teilweise sehr unsicher sind, ob und wie sie Social Media nutzen sollten.
Was glauben Sie, wie viel Strategie und wie viel blinder Aktionismus stecken im deutschen Corporate-Twitter?
Ina Steinbach: Hinter den meisten Corporate Accounts stecken schon viel Know-How und Strategie. Oft fehlt die Anbindung an einer größere Social Media-Strategie, wobei man hier auch sagen muss, dass Twitter ganz klar ein kostengünstiger Türöffner für eine Gesamtstrategie ist. Aber nur zu twittern macht schlicht keinen Sinn, wenn man ansonsten eine klassische Top-Down-Kommunikation betreiben will.
Sie twittern im Namen der PR-Agentur achtung!. Können Unternehmen die Twitterei nicht selbst managen oder sind Agenturen einfach besser und innovativer?
Ina Steinbach: Ich finde sogar, dass ein Corporate Twitter-Account, der sich auf Unternehmensthemen mit Customer Support-Elementen konzentriert anstatt auf pure Markenkommunikation, eher im Unternehmen angesiedelt sein sollte. achtung! hat den eBay-Account beispielsweise erfolgreich auf den Weg gebracht und im ersten Jahr betreut. Nun übernimmt die Unternehmens-Pressestelle, worüber ich mich sehr freue. Denn natürlich sind die Ansprechpartner dort noch näher am Thema und nun werden auch direkte Einblicke in das Unternehmen möglich, die ich als externe Beraterin, egal wie nah ich an den Themen im Tagesgeschäft dran bin, nur unter Mehraufwand liefern kann.
Zum twitternden Mitarbeiter: Was ist dieser? Chance, Gefahr, Authentizität? Und: Muss er durch Social Media-Kodizes gebändigt werden?
Ina Steinbach: Mit gebändigt werden hat das gar nichts zu tun. Man kann durch Social Media-Richtlinien Ängste und Unsicherheiten nehmen, bei vielen Mitarbeitern herrscht in Bezug auf Social Media große Unsicherheit. Mitarbeiter, die frei und persönlich twittern, können ein authentisches Bild des Unternehmens nach außen tragen und tragen dadurch einen wertvollen Teil zum Employer-Branding bei.
In Bezug auf Twitter wird immer wieder, und auch zu Recht, auf Schwierigkeiten in der Evaluation hingewiesen. Wie schätzen Sie diese Problematik persönlich ein und wie evaluiert man bei achtung! Corporate-Twitter?
Ina Steinbach: Evaluation ist eine Herausforderung. Tools wie Klout, das ich sehr zu schätzen weiß, beginnen allmählich, die Twitter-Auswertung zu professionalisieren. Reichweite allein halte ich dabei für wenig aussagekräftig. Der Dialoganteil und die Klickraten von getwitterten Links sind da schon wichtigere Kennzahlen. Eine Systematik ist hier ganz klar noch in der Entstehung begriffen, ich probiere sehr viel aus und teste neue Evaluationsinstrumente.
Auch reine B-to-B-Unternehmen wie Airbus nutzen mittlerweile die Welt der Social-Media. Macht sowas aus Ihrer Sicht Sinn und warum?
Ina Steinbach: Klar macht das Sinn. Es sind ja stets Menschen, die sich austauschen, aneinander Fragen richten, sich Empfehlungen geben. Und es geht um Wohlwollen und Sympathie untereinander. Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Sympathie braucht es sowohl „B-to-C“ als auch „B-to-B“.
Selbst eine der größten deutschen Banken, die Commerzbank, ist nicht auf Twitter aktiv. Kann man sich so etwas heutzutage noch leisten und mit welchen Argumenten würden Sie den Commerzbankern zu einem Twitter-Engagement raten?
Ina Steinbach: Das müsste ich mir genauer anschauen. Grundsätzlich: Twittern MUSS keiner. Es ist nur einer von vielen, vielen Social Media-Kanälen, und jedes Unternehmen muss ganz klar evaluieren, was Sinn macht und wie es welche Kanäle nutzen will. Was sich allerdings kein Unternehmen mehr leisten kann ist, die Kommunikation in den partizipativen Netzen gänzlich zu ignorieren.
Der ebay-Twitter leistet unter anderem Support für Kunden, Daimler hat einen eigenen Presse-Twitter-Account. Wie hilfreich kann Support, wie gründlich Presseinteraktion in 140 Zeichen sein? Wissen die „social media gurus“ nicht mehr was ein Telefon ist?
Ina Steinbach: Sie wissen es schon, aber sie nutzen halt den ganzen Tag sowieso ihren Rechner. Es ist schneller, mal eben kurz den Twitteraccount eines Unternehmens zu fragen, als umständlich eine Nummer rauszusuchen und dort anzurufen. Allerdings wird die Konversation bei komplexen Themen natürlich zwangsläufig schnell auf Email gezogen, da 140 Zeichen in den seltensten Fällen ausreichen.
Twitter entwickelt derzeit eine spezielle Anwendung für Unternehmen namens „Contributor“. Damit sollen Firmen Nutzerkonten eröffnen können, über das gleich mehrere Angestellte mit Kunden kommunizieren können. Wird das Corporate-Twitter damit neuerfunden?
Ina Steinbach: Klingt spannend. Aber solche Anwendungen gibt es bereits, unter anderem CoTweet und Hootsuite. Von CoTweet bin ich persönlich ziemlich beeindruckt. Das neue Team hinter dem eBayDE-Account wird diese Anwendung nutzen.
Vor einiger Zeit saßen Sie bei einem Seminar unter anderem mit den Verantwortlichen der Unternehmens-Twitter-Profile von Kodak, Allianz, Germanwings oder Otto zusammen. Was waren Ihre zentralen Erkenntnisse?
Ina Steinbach: Dazu gibt es einen sehr spannenden Blog-Beitrag, der alle Hinweise und Tipps sehr gut zusammenfasst: Hier ist er zu finden
Folgender Fall: Ein twitternder Meinungsführer hat zum wiederholten Male ersteigerte Ware nicht erhalten und teilt sich via Twitter mit. Kriegen Sie das mit und wie ist der kommunikative Ablauf in einem solchen Fall?
Ina Steinbach: Ich bekomme das mit, über gezieltes Twitter Monitoring. Ich würde in einem solchen Fall die Person per @reply anschreiben und fragen, ob ich helfen kann. In der Regel wird dieses Angebot schnell und gerne angenommen. Die Details werden dann per Direct Message und Email geklärt. Wenn die Angelegenheit dann erledigt ist, freuen wir uns über einen Danke-Tweet natürlich ganz besonders!
In einem Zeit-Interview berichtete Karen Heumann (Jung von Matt) von einer Meinungsführer-Freundin die, nachdem sie twitterte, dass sie bei C&A kein Dirndl mehr bekommen hätte, von C&A vier verschiedene Dirndl zugeschickt bekam. Allerdings viermal in der gleichen und falschen Größe. Eine fast perfekte Aktion also. Ersetzt der Dialog den Monolog bei Unternehmen und wie lange wird es dauern, bis solch eine Kommunikation Status Quo in deutschen Unternehmen sein werden?
Ina Steinbach: Dem Dialog kann sich kein Unternehmen entziehen. Allerdings hängt es stark davon ab, wie die generellen Strukturen in einem Unternehmen gestaltet sind. Unternehmen mit flachen Strukturen tun sich eventuell leichter. Sicher ist es auch bei Weltkonzernen schwierig, ständig alle laufenden Konversationen im Netz zu beobachten. Langfristig werden aber fast alle Unternehmen sich den neuen Kommunikationsgewohnheiten der Gesellschaft anpassen (müssen).
Letzte Frage mit der Bitte um eine 140-Zeichen-Antwort: Mal abgesehen von ebay. Welche Twitter-Accounts deutscher Unternehmen sind aus Ihrer Sicht besonders gelungen und warum?
Ina Steinbach: @Cinemaxx @otto_de @mymuesli sind meine liebsten Accounts wegen Dialog & Authentizität. Im Employer Branding setzt @otto_jobs Benchmarks.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg in 2010!
Links:
Ina Steinbach bei Twitter
eBay bei Twitter
Twitter-Tipps von deutschen Corporate-Twitter-Verantwortlichen
Interview mit Karen Heumann (Jung von Matt) u.a über das zwitschernde Dirndl
Wenn das Gala-Dinner anlässlich der Silvester-Feierlichkeiten auf dem neuen Aushängeschild von TUI Cruises, der „MeinSchiff“, auch nur halb so gut gelungen ist, wie das PR-Feuerwerk von TUI Cruises im Jahr 2009, dann muss man sich um das Wohl der Passagiere keine Sorge machen. Dabei hatte das PR-Jahr noch mit einem Schmunzeln begonnen, da die Kreuzfahrtsparte der TUI es soweit in Sachen Kundendialog getrieben hatte, dass diese, mit Zwischenschaltung einer Jury, dem neuen Luxusliner prompt den etwas hölzern anmutenden Namen „MeinSchiff“ gaben. Ein Name, der zwischen Queen Mary II oder Pride of Hawai zwar auffällt, aber nicht überzeugt.

Die "MeinSchiff" (Foto: TUI Cruises)
Was machte das Jahr 2009 zu einem MeinSchiff-Jahr?
Vorab erwähnt sei dabei, dass es TUI Cruises bestens verstand die Öffentlich-Rechtlichen vor das eigene Schiff zu spannen. Dies war erstmals eindrucksvoll bei der glamourösen Taufe im Hamburger Hafen zu sehen. Der NDR, der sich nachträglich viele Fragen dazu gefallen lassen musste, berichtete am 15. Mai zwei Stunden live. Unter der Schiffshymne, gesungen von Anna Netrebko, taufte dann auch folgerichtig NDR-Allzweckwaffe Ina Müller das Schiff. NDR-Show-Bühne und eine Talksendung der „aktuellen Showbude“ rundeten die perfekte Inszenierung gekonnt ab, in der sich TUI Logo und MeinSchiff nicht über zu wenig Aufmerksamkeit beschweren konnten. Dass Productplacement nach dem „Marienhof-Skandal“ noch so leicht und offensichtlich möglich ist, ist schon erstaunlich. Bei TUI Cruises wird es keinen gestört haben.
Doch wer denkt, dass man die Vermarktung seines Produkts im öffentlich rechtlichen Fernsehen nicht noch toppen könnte, der sah nicht die im Sommer abgedrehten Folgen des ZDF-Kochsendungsmarktführers „Die Küchenschlacht“. Hier kochen Hobbyköche unter Beaufsichtigung von Lafer, Lichter und Co täglich um die Wette. Ein Sternekoch spielt dabei jeweils Preisrichter, kegelt einen Kandidaten pro Tag raus und ernennt am Ende jeder TV-Woche den Sieger.
Eine ganz normale Kochsendung? Nicht im Sommer. Denn da wurde die ZDF-Sendung auf dem Sonnendeck der „MeinSchiff“ abgedreht. Statt eines kargen Studiohintergrundes konnte der Zuschauer die Stadtansichten von Malaga, Cadiz, Lissabon oder Bordeaux sehnsüchtig bewundern. Das Kochoutfit ließen die Juroren in ihren Kabinen. Das „MeinSchiff“-Polohemd sah einfach besser aus. In diesem wurden sie dann noch von den moderierenden Kollegen sinngemäß unter den Worten angekündigt: „Gerade noch in der tollen MeinSchiff-Saunalandschaft und jetzt hier bei uns“. Komplettiert wurde für TUI auch diese gelungene PR-Aktion durch aussagekräftige Intros, die das Schiff von seiner schönsten Seite zeigten. Wohlgemerkt: Hier ist die Rede vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und zugegeben: Der im nicht gerade mediterranen Deutschland sitzende Zuschauer, der die Ausstrahlung im kühlen Herbst sehen durfte, muss sich mächtig nach diesem Schiff gesehnt haben.
Das wusste auch der CEO, Richard J. Vogel: „Mit Johann Lafer, Horst Lichter, Alexander Herrmann und Alfons Schubeck haben wir an Bord vier Spitzenköche, die für unsere Gäste die Reise auf der „Mein Schiff“ zu einem außergewöhnlichen Erlebnis machen. Kochsendungen erfreuen sich gerade bei Hobbyköchen immer größerer Beliebtheit.“ Bedenkt man, dass Zuschauer von Kochsendungen, in denen von Amateuren oftmals statt Reibekuchen eher Langusten an Kürbisravioli geboten werden, wohl auch noch so ziemlich die Zielgruppe des Genießer- und nicht Animations- „MeinSchiff“ sind, kann man TUI Cruises nur beglückwünschen.

Basis der Social-Media-Offensive: meinschiff.tv
Bei diesen gelungen Aktionen vergisst man völlig, dass auch Online einiges geboten wird. Sicherlich kann man darüber streiten, ob der gut situierte Kunde Twitter und Videoblogs nutzt, dennoch werden diese Kanäle geschickt besetzt. Die niemals versiegende Quelle deutscher Promis, Komiker und Künstler, die regelmäßig die „MeinSchiff“ zwischen Spitzbergen und Trinidad bevölkern, wird hier gekonnt in Szene gesetzt. Sei es, wenn „MeinSchiff-Golfer Heiner Lauterbach“ auf Deck den Schläger schwingt, Roger Cicero zusteigt, Reiner Calmund den Tiefgang vergrößert oder 2010 Panikrocker Udo Lindenberg sein Zimmer im Atlantik gegen den Konzertsaal des Luxusliners eintauschen wird.
Über Twitter und Facebook erfahren die „dummen“ Daheimgebliebenen etwas vom Django-Asül-Silvesterauftritt, bei Flickr kann man den letzten Sonnenuntergang neidvoll nachempfinden. Und auf http://meinschiff.tv/ gibt es dauerhaft Bewegtbilder der schiffseigenen Moderations-Crew und Verweise auf die euphorische Berichterstattung von Spiegel.TV, RTL, Merian, BILD und Co. Im Bereich Media-Relations muss TUI Cruises enorm viel geleistet haben. Vielleicht ist das erste Schiff des deutschen Reiseriesens aber auch einfach nur ein medialer Selbstläufer? Die Basis für diesen Erfolg ist aber letztendlich ein gutes Produkt. Schenkt man den vielen Kommentaren auf den Seiten des Video-Blogs Glauben, scheint TUI dieses zu haben, gute PR gab es in 2009 zumindest reichlich.
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Der Marienhof-Skandal auf FAZ.net
PRSH auf einem der größten deutschen Social-Media-Kongresse
Die höchste I-Phone-Dichte Norddeutschlands an diesem Tag, geschätzt jeder zweite Teilnehmer bei Twitter aktiv, ganz reales Lachsfilet in der Mittagspause und “mixed sessions” im Foyer, die sich als “Gesprächsrunden” entpuppten, in denen ganz altmodisch die Diskussion über den letzten Votrag außerhalb des Sitzungssaals weitergeführt wurde. Das war das ConventionCamp 2009 in Hannover mit seinen 1000 Teilnehmern, die sich aus Bloggern, Social-Media-Addicts, PRlern, Marketing-Menschen oder Studenten zusammesetzten.
Der Kongress fand zum zweiten Mal in Hannover statt und konnte dabei einen riesigen Sprung in Sachen Teilnehmerzahl machen (von 300 auf 1000). Los ging es für alle “Social-Media-Verrückten” im ConventionCenter der Messe Hannover, wo von 9.30 bis 18.15 in fünf Keynote-Sessions, den parallel dazu stattfindenden Open-Sessions sowie der Opening und Closing-Session über die Zukunft des Internets diskutiert wurde.

Wir vom PRSH informierten uns dabei zunächst über die Zukunft der old-economy in Form von Zeitungen. Thomas Knüwer vertrat dabei die These, dass in 2010 das Zeitungssterben in Deutschland beginnen wird und gerade die Verlagsbranche auf Veränderungen kaum angemessen reagieren würde. Weitere Programmpunkte waren die open Sessions zu Social Media im Bereich PR und Marketing sowie SEO: wie Google rankt. Während Letzteres naturgemäß auf einem hohen technischen Level ablief, jedoch interessante Einblicke in die Suchmaschinenoptimierung zuließ, war die Session über PR im Social Media Bereich von Altbekanntem gekennzeichnet. Der Journalismus bleibt als Gatekeeper relevant, Blogger muss man jedoch ernstnehmen. Gleichzeitig muss man die Natur von Social Media verstanden haben. Es nützt nichts, PR-Mitteilungen zu zwitschern, man muss mit den Usern in Kontakt treten und den Dialog suchen. Ob Twitter die Zukunft sein wird oder nur ein zweites “Second Life”, bleibt abzuwarten. Klargemacht wurde jedoch, dass der Reiz des Social-Media-Accounts für Unternehmen vor allem Imagevorteile birgt. Twitter, Facebook und Blogs sind In, Unternehmen die dies für sich auch beanspruchen, müssen dem Sorge tragen und auch im Social-Media-Bereich aktiv sein.
Den Abschluss bildetet die Keynote-Präsentation von Dirk Rockendorf (Contintenal – Leiter ebusiness), der den Weg der Continental AG im worldwideweb vorstellte.
Fazit: Ein interessanter Besuch eines der größten deutschen Kongresse zu diesem spannenden Thema. Eine sehr professionelle Durchführung. Eine klasse Location. Super Catering. Und ein großes Lob, dass der Eintritt für Studierende kostenlos war. Das CCH09 war übrigens den tagüber am 26.11.09 das meist debattierte Thema bei Twitter.
