Beitragsreihe: Masterlücke- oder Brücke? Der Plan für Zwischendurch.
Bachelor in der Tasche, Master-Plan gezeichnet, aber kein Studienplatz? Oder Master absolviert, aber von unternehmenstypischen Hierarchien und chronischer Agentur-Unterbezahlung nach diversen Praktikumserfahrungen die Nase voll?
In einer Beitragsreihe stellt der PRSH e.V. Lückenbüßer-Optionen mit Karrierekick vor.
Freiberuflich coworken
Viele Studierende arbeiten bereits parallel zum Studium freiberuflich und haben die Möglichkeit auch nach dem Studienabschluss, diese Tätigkeit als Brücke oder Einstieg in die Berufswelt zu nutzen. Beim Edelstall, Hannover’s erstem CoWorking Space, ging der PRSH den Prinzipien der Selbstständigkeit am geteilten Arbeitsplatz auf den Grund.
Jonas Lindemann, Edelstall CoWorker, arbeitet in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) als Strategieberater für Kommunikation und Marketing. Was ihn zur Arbeit als Selbstständiger motiviert hat? „ Flexibilität hinsichtlich der Tagesgestaltung und der Umsetzung einzelner Projekte. Bei meiner Arbeit in Agentur und Unternehmen haben mich die vorherrschende Ellbogen-Mentalität und Karrieregeilheit gebremst.“, so Lindemann.
Und was sagen die Kunden zur Arbeitsform des CoWorkings? Neukunden seien meist neugierig. Doppeldoktoren herrschten in der klassischen Strategieberatung, während celiklindemann mit ihrem Dienstleistungsangebot einen jüngeren Ansatz der Brand Strategies verfolgen. ” Unsere Kunden sind jung und innovativ.”, sagt Lindemann. Neue Dienstleistung, junge Kunden – das Konzept des Edelstalls biete den perfekten Präsentationsraum.
Der Einstieg in die PR-Selbstständigkeit
Wer sagt, dass Einsteiger das Rundum-Sorglos-PR-Paket anbieten müssen? Prinzipiell wird zwischen strategischen und operativen Leistungen unterschieden. Für wen der Kaltstart mit der Erstellung eines vollständigen Kommunikationskonzeptes zu riskant erscheint, ist je nach Kompetenz und Ausbildungsgrad ein Einstieg über die operative PR-Arbeit denkbar: Ob Texten von Pressematerial, Copywriting, Lektorat, Erstellung von Onlineauftritten und Multimediaprodukten oder Betreuung von Social-Media Repräsentanzen… .
Honoriert werden diese Leistungen laut DPRG mit Stundensätzen zwischen 60 und 70 Euro. Für die Erstellung von Kommunikationskonzepten und die kontinuierliche Betreuung von Kunden winken bereits Honorarpauschalen im vierstelligen Bereich.
Die freiberufliche PR-Arbeit ist zudem nicht gewerbesteuerpflichtig. Sie muss lediglich innerhalb von vier Wochen nach Beginn der Geschäftstätigkeit beim Finanzamt angemeldet werden. Ausgerüstet mit einer Steuernummer, werden Freelancern und Zusammenschlüssen als GbR lediglich Einkommens- und Umsatzsteuer berechnet. Gut zu wissen ist aber, dass Freiberufliche mit ihrem Privatvermögen haften.
Gründungswillige finden bei der Gründerwerkstatt Hannover weiterführende Informationen und Beratung.
Der Co-Working Space - ein Portrait
„ Interdisziplinäre Grenzen werden gesprengt. Ein Ort des Austausches und der Inspiration entsteht.“ titelt es auf der Webseite des Edelstalls. Sehr romantisch klingt das, aber tatsächlich ist Zeit in CoWorking Spaces Geld. Nimmt man sich diese also, um anderen Input zu geben?
„ Ja!“, sagt Hardy Seiler, Mitgründer des Edelstall. Gleich dem Medici-Effekt vereine der CoWorking Space das Ideenpotential von Selbstständigen aus verschiedenen Branchen außerhalb traditioneller Grenzen des Bürowürfels.
Natürlich sind die zwischen 25 und 35 jährigen und zu 60 % mac-kreativen CoWorkernden ambitioniert. Alle wollen vorankommen und arbeiten ständig an Selbstoptimierung. Aber: Der offene State of Mind sieht persönlichen Fortschritt im Austausch – Ob passiv beim Lauschen und Aha-Effekt nebenbei oder aktiv, durch gegenseitiges Lernen im 9-bis-5-Arbeitsalltag, Workshops oder Kontaktreihen.
Letztere sind auch für PR-Selbstständige ein großes Plus. Netzwerken ist in der offenen Arbeitsatmosphäre leicht. Wöchentliche Anfragen und Ausschreibungen über die facebook-Seite des Edelstall schaffen die Möglichkeit der Kundenakquise. So kann sich über das Gesuch eines Grafikers auch der Auftrag für eine Textertätigkeit oder eine umfassende Kommunikationsberatung erschließen. Die Atmosphäre in CoWorking Space strahlt Produktivität, Kompetenz und Kooperation aus. Ein weiterer Vorteil gegenüber dem Home-Office: Vor dem Kunden erscheint man nicht als Einmannbetrieb, sondern als unterhalte man ein gesamtes Büro.
Bei aller Gedankenfreiheit, Ideenaustausch und gegenseitigem Input zählt dennoch Vertraulichkeit gegenüber dem Auftraggeber. Diese wird, wie auch bei der Agenturarbeit, vertraglich geregelt.
Edelstall Hannover – wie es funktioniert
Mit einer Zehnerkarte steht euch an zehn vollen Tagen à zehn Euro ein Arbeitsplatz zur Verfügung. Infrastruktur, das heißt Schreibtisch, Stuhl, Bildschirm, Tastatur und Wlan werden gestellt.
Die PR-Studierenden der FHH sind herzlich willkommen – zur Besichtigungstour oder auch einem kostenlosen Probetag. Ihr arbeitet nicht frei neben dem Studium und auch sonstige kreative Projekte finden sich derzeit nicht auf Eurer Agenda? Die Semesterprüfungen stehen bevor und acht Stunden im Edelstall garantieren nicht nur Netzwerk- und Inputmöglichkeiten, sondern bewahren euch auch vor der Küche, die dringend wieder einmal geputzt werden müsste oder dem Berg Bügelwäsche, der nun/jetzt/gleich/sofort abgebaut werden muss.
Sturm, Drang und Fernweh? Lest im nächsten Beitrag, welche Karrieremöglichkeiten die Internetplattform Escape the City bietet.
Lichtdurchflutet, die Elbphilarmonie und der Museumshafen gleich hinter der Fensterfront. Dieser Blick eröffnet sich einem aus den Büroräumen von Molthan van Loon. Normalerweise Kunden, wie Beiersdorf, Allianz… und an einem Freitag Anfang November auch uns, dem PRSH. Hier die zweite Review unseres Besuchs in Hamburg.
Wer bei solch einem Ausblick keinen Anstoß zum obligatorischen Small- Talk findet, kann nur ein über die Maßen Schön- Wetter- Mensch sein, der mit der Hansestadt daher von vornherein auf Kriegsfuß steht.
Petra Friedlaender, Geschäftsführerin der Kommunikationsunternehmens, positioniert Molthan van Loon als „im Markt einzigartig“. Während gewöhnlich Agenturen der Kommunikationsbranche entweder inhabergeführt oder einem Netzwerk angeschlossen seien, vereine Molthan van Loon die Vorteile beider Organisationsformen: Ob bei der strategischen Ausrichtung oder Entscheidungen bei konjunkturbedingten Herausforderungen kann die Agentur freier und flexibler reagieren. Dennoch genießt sie die Vorteile der Internationalität des Ketchum Pleon Netzwerkes als Exclusive Associate Partner.
Ob nun organisationstypisch oder nicht: Was bleibt ist die Stresserprobung. Trotzdem empfiehlt Tobias Soffner, MvL-Berater der unter anderem die Landesmarketing-Kampagne für das Land Mecklenburg- Vorpommern betreut, uns Nachwuchs-PRlern: Wer sich auf der „Seite der Idee, auf der treibenden Seite“ sähe, der solle die Agentur wählen. Die Kommunikation vieler Kunden werde daher oftmals auch nicht nur aus den eigenen Kommunikationsabteilungen gesteuert, sondern auch an Agenturen ausgelagert. Diese garantieren mit dem Seitenblick durch Branchendistanz für neuen Ideeninput.
Wir erfahren mehr über Cases aus den Bereichen Krisenmanagement, Profilschärfung und Markenkommunikation, welche zusammen mit Digital Dialogue die Schwerpunkte der Agentur bilden. In nur zwei Stunden werden wir in viele Geheimnisse der PR-Praxis eingeweiht und können den uns manchmal so trocken und theoretisch erscheinenden Vorlesungen mit neuem Vertrauen in ihre Praxistauglichkeit entgegenschauen.
Außerdem lernen wir: Marketing lässt sich in der Praxis oft nur selten von der PR trennen. Gerade bei Unternehmen erhalten Marketing und PR oftmals ein gemeinsames Budget. Die Rolle der PR als Longtail erkennen jedoch immer mehr Unternehmen und so prognostiziert auch Molthan van Loon, wie viel andere, einen Zuwachs der PR zu Lasten der Werbung. Gut für uns!
Und nach dem Studium?
Für unsere Nachwuchsfrage wird sich daher ausgiebig Zeit genommen: Bei der Bewerbung zum Trainee fährt prinzipiell der Masterabsolvent nicht unbedingt auf der Überholspur. Jedoch: Ein schneller Studienabschluss ersetzt nicht die Persönlichkeitsentwicklung. Hat ein Trainee mit lediglich einem Bachelorabschluss die ersten 12 Monate in der Agentur beendet, ist er oder sie nicht unbedingt bereit als Junior Berater auf die Kunden losgelassen zu werden.
Die Herzschlagrate der anwesenden Siebt- bis Zehntsemestler beruhigt sich so wieder und Petra Friedlaender skizziert die weiteren Karrierestufen, die es bis zur Geschäftsführung einer PR-Agentur zu erklimmen gilt: Als Assistent arbeitet man nach dem Traineeship zwar noch unter dem Junior Consultant, immerhin jedoch mit einem unbefristeten Vertrag. Im Anschluss folgen die Positionen Junior Consultant und schließlich Berater.
Auch wenn es ein langer Weg bis zur Führungsposition ist, die Vorzüge der Agenturarbeit in unserem Gespräch mit Molthan van Loon werden deutlich: Die Projektarbeiten aus unterschiedlichen Branchen ist abwechslungsreich und spannend. Und das ab dem ersten Tag! Denn ob Trainee oder Berater, das Credo der Agentur lautet: „Der Kunde bekommt nicht den einzelnen Berater, sondern Molthan van Loon. Das Team.“
Der PRSH möchte sich herzlich bei Molthan van Loon und der Google Deutschland GmbH für ausgiebige Einblicke in die PR-Branche und agentur- und unternehmensspezifische Arbeitsweisen bedanken!
Am Freitag vor zwei Wochen besuchten wir Google Deutschland und die Agentur Molthan van Loon in Hamburg. Die erste Review beschäftigt sich mit dem Besuch beim Suchmaschinen-Monopolisten Google und dessen Dankbarkeit gegenüber Thilo Sarrazin.
Rauf. Fahrstuhl eins. Das Türschild liest zwar Google, aber auch „Kein Eingang“. Runter Treppenhaus zwei. Fast sehen wir Vorurteile über die Transparenz des Unternehmens in der Anatomie des Google-Gebäudes voreilig bestätigt. Hoch. Fahrstuhl zwei. Endlich leuchten uns die sechs Buchstaben in Duplo-Farben entgegen.
Stefan Keuchel, Google Pressesprecher, führt uns mit kleinem Abstecher zur Kantine in das nächste Stockwerk zur Unternehmenskommunikation. Versorgt mit Bio-Lassi und Öko-Brause erhalten wir in den nächsten zwei Stunden viel Insights in die Entstehungsgeschichte, die Finanzierung und die neuesten Anwendungen des Suchmaschinen-Monopolisten. Stopp- unangebrachter Wortgebrauch! Stefan Keuchel gefällt diese häufig von den Medien vorgeworfene Positionierung nicht. Warum? Er führt die Mission des Unternehmens an: Das Bestreben, die Informationen der Welt für jedermann zugänglich und nutzbar zu machen. „Völlig kostenlos übrigens.“, fügt er hinzu. Der Nutzer hebt Google also selbst in die führende Marktposition. Zudem gäbe es durchaus Mitbewerber für den sich der Suchende entscheiden könnte.
Als amerikanisches Unternehmen hat Google natürlich nicht nur eine Mission, sondern auch eine Vision: Die von den meisten Usern ignorierte „Auf gut Glück“-Suche ist das Ideal des Suchmaschinenanbieters. Wie Captain Kirks Computer auf eine Frage eine einzige richtige Antwort geben zu können, sei das Hauptziel der Google-Gründer.

Google die Krake?
Um dies zu erreichen muss Google den Nutzer schon genau kennen. Zack und wir befinden uns in der Hauptdebatte: Google, die Krake. Gmail scannt unsere Emails. Richtig. Google setzt Cookies. Richtig. Auch richtig ist aber: Wir möchten unser Postfach spamfrei haben. Deswegen scannt auch jeder Freemail-Provider unsere Emails. „Herzlich Willkommen XY bei Amazon! Leser, die dieses Buch kauften, interessierten sich auch für diese…“, so setzt auch jeder andere Webseitenanbieter Cookies.
Die zu Beginn aufgestellte Analogie der Gebäudestruktur zur Durchsichtigkeit der Datenverarbeitung fanden wir während unserem Gespräch auch widerlegt. Der eigentlich offensichtlich, unter dem Suchschlitz auf der Google-Startseite platzierte Link „Datenschutz“ führt zu einem Portal mit umfangreichen, auf die verschiedenen geografischen Zielgruppen zugeschnittenen Informationen zum Umgang mit ihren persönlichen Daten.
Dass die meisten von uns diese Plattform als alternative Quelle zu reißerischen Titelstories der nationalen Publikumszeitschriften („Eine Spiegel-Titelgeschichte wünscht sich keiner.“) bisher nicht wahrgenommen haben, mag auf unseren Tunnel-Blick zurückzuführen sein. An dessen Ende stehen die ersten 20 Ergebnisse unserer Stichwortsuche mit den höchsten PageRanks, also den meisten Verlinkungen von anderen Webseiten.
Die Kommunikation rund um Streetview
Der Besuch bei Google verdeutlicht wieder einige bereits in der Theorie gelernten PR-Basics an Hand der Praxis: Erstens, die Schwierigkeit zielgruppenspezifischer Kommunikation bei globalen Produktlaunches: „Uns ist es leider nicht gelungen den Nutzern deutlich zu machen, warum dies ein nützlicher Service ist.“, gesteht Stefan Keuchel beim unvermeidlichen Gesprächspunkt „Streetview“.
Während die Applikation in anderen Ländern nahezu diskussionslos angenommen wurde, unterschätzte man die Nachwirkungen totalitärer, von Überwachung geprägter Systeme in der deutschen Regierungsgeschichte. Das Misstrauen gegen die schwarzen Fahrzeuge mit dem mächtigen Hahnenkamm aus Kameras löste eine Debatte hinweg durch alle Medien und Bevölkerungsschichten aus.
Zweitens, der Einfluss unvorhersehbarer Medienereignisse auf Prozesse öffentlicher Meinungsbildung: „Wir müssen Herrn Sarrazin eigentlich dankbar sein.“, sagt da Stefan Keuchel. Dessen Theorien zur Genetik der Arbeitsmoral empörten die Öffentlichkeit noch mehr, als der gehypte Eingriff in die Privatssphäre durch Google- Streetview und setzte dieser Krise einen vorzeitigen Endpunkt.
Zum Schluss lernen wir, dass Google weitaus mehr kann als die Stichwortsuche in weniger als einer zehntel Sekunde und unser Leben als recherchebetraute Praktikanten und Trainees erleichtern kann: Google Echtzeit und Google Trends sind nur zwei der Möglichkeiten, um zum Beispiel Themen mit einem aktuell hohem Conversational Capital zu identifizieren und so auf Trends zu schließen.
Dass nicht alle diese Funktionen auf Anhieb auch auf dem Smart Phone des nicht aus der Fassung zu bringenden Pressesprechers vorzuführen waren, sorgte eher für Erleichterung als Wehmut: Selbst die Krake funktioniert nicht immer und überall.
Am Dienstag dieser Woche machten wir uns auf die Suche nach dem Kommunikationsmanager 2.0. Ein hochkarätig besetztes Podium, moderiert von Dominik Ruisinger, diskutierte in Hannover über die Herausforderungen für PR-Berater im Social Web.
In einem sind sich die Podiumsgäste einig: Für das Web 2.0 ist Leidenschaft gefragt. „Der Kommunikationsmanager 2.0 sollte wirklich Bock auf das Thema haben“, so der Geschäftsführer von Eyecansee Communications Daniel Görs über die wichtigste Eigenschaft eines Social Web-Managers. Schließlich verschwindet die Grenze zwischen Beruf und Privatleben in diesem Bereich immer mehr. Wenn Stefan Keuchel – alias „frischkopp“ – twittert, nimmt er das nicht als Arbeit war. Nur seine „wife 2.0“ sei davon weniger begeistert, erzählt der Pressesprecher von Google Deutschland. Bei Görs, ehrenamtlicher Leiter des DPRG-Arbeitskreises „Digital Relations/Social Media“, ist das ähnlich: „Ich bin offline, wenn mein Akku alle ist.“ Kurze Zeit später springt er auf und hastet zur Steckdose – sein Handyakku ist alle.
Kommunikationsmanager 2.0 – vielseitig einsetzbar
Bei all dem Hype um Social Media darf die klassische PR-Arbeit jedoch nicht vergessen werden. „Ein Kommunikationsmanager 2.0 braucht gute Kenntnisse in beiden Bereichen. Er muss crossmedial denken und handeln können“, gibt Timo Lommatzsch – Unitleiter Digital Dialogue bei Molthan van Loon – zu bedenken. Zudem sollte er wenigstens Grundkenntnisse im Bereich Suchmaschinenmarketing und Suchmaschinenoptimierung besitzen. Greenpeace-Webmanagerin Claudia Sommer sieht eine weitere Herausforderung für PR-Fachleute: „Man muss heute viel mehr zuhören als vor einigen Jahren.“ Im Web 2.0 geht es darum, einen persönlichen Dialog zu führen. Wer das authentisch schafft, kann die neuen Tools erfolgreich für sich nutzen.
Vor allem bei der Krisenkommunikation können Kommunikatoren über Twitter und Co schnell reagieren und so auch Zeit gewinnen. Keuchel erzählt aus der Praxis: „Vor wenigen Wochen funktionierte Google Mail nicht. Ich war gerade beim Friseur und habe beim Shampoonieren nochmal bei Twitter reingeschaut“, berichtet Keuchel. „Durch die Tweets anderer User habe ich gemerkt: Da stimmt etwas nicht. Ich habe sofort in der Firma angerufen und erfahren, dass sie bereits an dem Problem arbeiten. Bis das Mail-Programm nach ein paar Stunden wieder funktioniert hat, habe ich meine Follower ständig auf dem Laufenden gehalten. Obwohl die Leute fast einen ganzen Vormittag lang ihre E-Mails nicht abrufen konnte, war das Feedback absolut positiv.“
Natürlich muss nicht jeder PR-Berater im Web 2.0 aktiv sein. Allerdings sollte er mit Begriffen des sozialen Netzes umgehen können und wissen, was sich dahinter verbirgt. Wer sich aber mit Begeisterung auf diesen Bereich spezialisiert, dürfte es bei der Jobsuche nicht schwer haben. „Unter 100 Bewerbungen für Stellen für Social Media ist vielleicht eine dabei, die passt“, meint Sommer. Auch die anderen Podiumsgäste können aus eigener Erfahrung berichten, wie schwer es ist, kompetente Social Media-Manager zu finden. „Wir würden uns über Bewerbungen freuen“, folgt der Aufruf an die im Publikum sitzenden Studenten. Welche beruflichen Herausforderungen gefordert sind, haben die Podiumsgäste während der anderthalbstündigen Diskussion genauer erklärt. Oder, um es kurz und knapp mit den Worten von Stefan Keuchel zu sagen: „Der Kommunikationsmanager 2.0 ist eine eierlegende Wollmilchsau.“
Im Laufe der nächsten Tage werden wir die aufgenommenen Kurzinterviews mit den Podiumsgästen online stellen. Diese können dann hier und in unserem YouTube-Channel angesehen werden.
Sina Petzold, Tobias Köhne und Sascha Nottmeier
Als Hochburg der PR kann Niedersachsen nun wahrlich nicht bezeichnet werden. Obwohl große Unternehmen wie Continental, VW oder die Tui hier ihren Sitz haben. Und mal abgesehen von einigen Werbeagenturen, kann man die PR-Agenturen in der Landeshauptstadt Hannover an einer Hand abzählen. Doch woher kommt das?
„Das habe ich mich auch schon immer gefragt“, meint Thorsten Windus-Dörr, Geschäftsführer der Agentur Eins A Kommunikation in Hannover. Rein geografisch gesehen liegt Hannover optimal, sowohl aus dem Norden als auch aus dem Süden Deutschlands ist die Stadt an der Leine gut und vergleichsweise schnell zu erreichen. Hinzu kommt, dass viele Zugverbindungen über Hannover führen – hier halten die meistens ICEs in ganz Deutschland. Wer nach Hamburg oder Berlin will, kommt um Hannover nicht herum.
Windus-Dörr ergänzt: „Außerdem gibt es in PR-Hochburgen wie München oder Hamburg auch nicht viel mehr Unternehmen als bei uns.“ Es scheint allerdings so, als gäbe es einen steigenden Bedarf an externer Beratung in der Landeshauptstadt. Auf die Frage, ob er als Geschäftsführer einer PR-Agentur in Hannover einen schweren Stand hat, antwortet Windus-Dörr: „Mein Partner und ich haben Eins A Kommunikation vor zwei Jahren gegründet. Und sind seitdem voll im Geschäft.“
Trotzdem sind Jobangebote für die Branche in Niedersachsen überschaubar. Dem gegenüber steht geballte Ausbildungskraft: Rund 400 Studenten sind aktuell für das Fach Public Relations/Kommunikationsmanagement in Niedersachsen eingeschrieben. Denn die FH Osnabrück/Lingen und die FH Hannover sind zwei der wenigen staatlichen Hochschulen in Deutschland, die dieses Studienfach überhaupt anbieten. Somit wären professionell ausgebildete PR-Fachleute bereits an Ort und Stelle.
Über die Ursachen, warum in Niedersachsen und der Landeshauptstadt Hannover die PR-Landschaft so kümmerlich ausgebildet ist, können wir an dieser Stelle nur spekulieren. Vielleicht hat es etwas mit dem Image der Stadt zu tun. Aber das verbessert sich dank Oslo-Lena, Präsident-Anwärter Christian Wulff und (trotz Alkohol-Ausrutscher) Ex-Bischöfin Margot Käßmann ja auch gerade.

Ab sofort bereichern auch Gastbeiträge unser PRSH-Blog. Den ersten Schritt macht Thomas Lüdeke, der seit Anfang 2009 Bundessprecher der DPRG-Junioren ist. Bei komm.passion consulting in Düsseldorf berät er Unternehmen in der internen Kommunikation, Marketingkommunikation und im Umgang mit Medien. Neben einer Tätigkeit als Dozent für Öffentlichkeitsarbeit an der FHM in Bielefeld, gründete er gemeinsam mit Philip Müller das PR Career Center. Vor kurzem veröffentlichten beide den Sammelband „Karriereguide Public Relations“.
Einstieg in ein Berufsfeld mit vielseitigen Zugangswegen
Die PR-Branche macht es Einsteigern nicht immer leicht. Wer Jurist werden will, muss Jura studieren. Um Arzt zu werden, braucht es ein Medizinstudium. Doch wie wird man PR-Berater?
Vor einigen Jahren noch gab es kaum fachspezifische Studiengänge, der Weg in das Berufsfeld führte meist über den Journalismus – viele ehemalige Redakteure wechselten die Seite des Schreibtischs und starteten eine Karriere z. B. als Pressesprecher. Heute gibt es mehr und mehr explizite PR-Fachabschlüsse – deren Absolventen müssen bei der Bewerbung um einen Job aber nicht selten feststellen, dass der Personalverantwortliche diese gar nicht kennt oder schätzt. Denn auch talentierte Quereinsteiger bleiben willkommen. Die Studie “Jobmarkt PR Studie” des PR Career Centers belegt, dass für 69 Prozent der Entscheider in Pressestellen ausgeprägte Kenntnisse und persönliche Kontakte in der Medienlandschaft zur den wichtigsten Eigenschaften eines Pressesprechers oder PR-Beraters gehören. Eine fundierte Ausbildung ist nur für jeden fünften ein Muss.
Trotz der seit Jahren voranschreitenden Professionalisierung des Berufsfelds und zunehmender Bemühungen um Standardisierung: die PR-Branche bleibt ein Berufsfeld mit vielseitigen Zugangswegen.
Generalistischer vs. spezialisierter Ansatz
Generalist oder Spezialist – auch was diese wichtige Grundsatzentscheidung angeht, gibt es keinen Königsweg. Jeder PR-Einsteiger sollte sich in den ersten Berufsjahren fragen: Möchte ich eher Generalist z. B. mit einer Jobperspektive im Management sein? Oder bin ich doch eher Spezialist, der beispielsweise mit einem Chemieabschluss und einer PR-Weiterbildung in der Fachpressearbeit eines Pharmaunternehmens arbeiten möchte?
Generalisten sind flexibel einsetzbar und qualifizieren sich langfristig eher für übergeordnete Managementaufgaben. Geht es um stark themenfokussierte Beratungsaufgaben, sind Generalisten deutlich weniger gefragt. Spezialisten dagegen haben es meist etwas einfacher. Ihre Karriereschritte und Joboptionen sind zwar eingeschränkter, aber dafür umso klarer definiert.
Ist die Branche bereit für Nachwuchs mit PR-Studium?
Nicht nur beim Berufseinstieg kann man sich spezialisieren – auch schon davor. Doch was konkret bringen spezielle Studiengänge mit PR-Schwerpunkt? Vor allem ein fundierteres Grundwissen über PR-Zusammenhänge. Das hilft oft beim Einstieg in den ersten Job, da viele Arbeitgeber – gerade Agenturen – froh sind, wenn sich Bewerber bereits gut mit der Materie, der Branche und deren Trends auskennen.
Langfristig gesehen geht im Laufe einer Karriere – gerade wenn auch Leitungs- und Managementpositionen anvisiert werden – zunehmend auch kein Weg z. B. an fundierten betriebswirtschaftlichen Kenntnissen vorbei. Wer mit Vorständen, Divisionsleitern und Investoren auf Augenhöhe kommunizieren möchte, wird früher oder später eine entsprechende Qualifikation z. B. mit einem MBA-Programm nachholen.
Gute Ausbildung? Pflichtprogramm.
Bei Bewerbungsgesprächen um den ersten Job in der Kommunikationsbranche geht es nur selten um die studierte Fachrichtung; wichtig sind vor allem ein guter Abschluss und ein interessanter Lebenslauf. Was ein interessanter Lebenslauf ist, definiert wohl jeder Personalentscheider etwas anders – grundsätzlich hilft ein roter Faden, der vielfältige Erfahrungen miteinander verbindet, um sich beim Wunscharbeitgeber attraktiv zu präsentieren. Wer zudem Erfahrungen aus dem Ausland vorweisen kann, hat in vielen Bereichen sicher gute Karten, denn auch das PR-Geschäft wird zusehends internationaler.
Überblick schaffen, eigene Meinung bilden
Abschließend ist festzuhalten: Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, was die Karriere beflügelt und daraufhin die richtigen Entscheidungen treffen. Doch nutzen Sie bei der Entscheidungsfindung den Rat und die Informationen von Experten. Dann sind Sie bestens gerüstet für eine erfolgreiche Karriere im Berufsfeld Public Relations. Weitere Informationen finden Sie im Karriere-Booklet des PR Career Centers.
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Mark Messer hat einen ungewöhnlichen Job. Er macht Eis. Und zwar solches, auf dem man bei olympischen Spielen Medaillen im Eisschnelllauf gewinnen kann. Sein Arbeitsplatz: Das Richmond Olympic Oval. Was hat das mit PR zu tun? Eine ganze Menge. Denn nicht nur hat man die olympische Eishalle aus Pinienholz errichten lassen, um somit mit der weltweit größten Hallenkonstruktion aus Pinie prahlen zu können, sondern vielmehr macht die Halle seit Beginn der olympischen Eisschnelllaufwettbewerbe mit Öko-Eismaschinen von sich Reden, die zwar 100 Prozent öko sind, aber auch 100 Prozent schlechter als konventionelle Eismaschinen. Die Folgen: Ökologisch korrektes, unebenes Eis. Zum Familieneislaufen ausreichend, für den sportlichen Höhepunkt vieler Athleten unangemessen.

Nachhaltigkeitsbronze für Vancouver 2010
Und warum das Ganze? Weil Vancouver 2010 die „grünen Spiele“ sein soll. Das beginnt bei den Eismaschinen und endet bei grünen olympischen Ringen, die an allen Wettkampfstätten prominent positioniert sind. Kommunikativ ist dies sicherlich genau richtig, schließlich bekommt man wohl derzeit nicht mehr olympische Spiele ohne Nachhaltigkeitskonzept vom IOC verliehen. So war es in Vancouver und so möchte es auch München 2018 machen, so wahr das IOC dafür votiert. Problematisch wird diese Strategie, wenn entscheidende Faktoren sich anders verhalten, als geplant. Neben Öko-Eismaschinen, die dazu führten, dass weltweit TV-Bilder des überforderten „Eis-Gurus“ Messer über den Bildschirm flimmerten, spielt aber vor allem das Wetter bei diesen noblen Plänen nicht mit. Somit konnte man zu Beginn der Großveranstaltung wahrlich von grünen Spielen sprechen. Da passte es gar nicht ins Nachhaltigkeitskonzept, dass die Pisten in Whistler und Umgebung mit Schnee versorgt wurden, der eigens per Helikopter und LKW rangeschafft werden musste. Auch der Schwarzbär wurde bei der Planung der Bobbahn wohl nicht gefragt, die seinen natürlichen Lebensraum durchkreuzt. Nun ist dieser zum Glück für Mensch und Bär im Winterschlaf, dennoch zieht das OK die Nachhaltigkeits-Olympiade gnadenlos durch. So ist Magdalena Neuners Biathlon-Gold beispielsweise aus recyceltem Elektroschrott, Coca-Cola verwendet Null-Emissions-Kühlgeräte und transportiert die Ware per Elektroauto. Auch an die soziale Komponente wurde gedacht: Die Siegerblumensträuße werden von Drogenabhängigen geflochten.
Dennoch: Vancouver 2010 tappt, trotz redlicher Bemühungen, in die Glaubwürdigkeitsfalle. So wurden kommunikativ besonders die „first nations“, die Ureinwohner Kanadas in den Vordergrund gestellt. Da darf man sich schon fragen, warum erst, ähnlich wie in Sydney 2000, die Olympischen Spiele kommen müssen, damit deren Belange “gehört” werden. Hauptsponsor der Spiele ist zudem der größte Produzent von Öl aus Teersanden. Der wütet nicht nur im Land der Ureinwohner, sondern wäscht sich grün. Ähnlich wie General Motors. Der offiziell nachhaltige Fuhrpark der Spiele besteht zu mehr als der Hälfte aus den üblichen GM-Großgeländewagen. Grüne Sticker haben diese trotzdem. Und auch der gesprengte Bergrücken, der nun den Highway nach Whistler ziert, passt nicht ins grüne Bild. Was bleibt, ist, dass Vancouver, wo übrigens 1971 Greenpeace gegründet wurde, den Nachhaltigkeitsgedanken offensiv darstellt, so offensiv, dass man um eine Begutachtung dieser Bemühungen nicht umhin kommt. Und so vergibt Greenpeace nur Bronze für die Umweltbilanz und spricht von vertanen Chancen. Auch Medien berichten kritisch.
Nachhaltigkeit hat seine Berechtigung. Zumindest CO2-neutrale Spiele sollte man jedoch einfach nicht kommunizieren, sie sind schlicht eine Illusion. Klar ist auch, dass sich immer Fehler finden lassen und lupenreine, nachhaltige Spiele eine Herausforderung sind, die sich wahrscheinlich niemals realisieren lassen. Die Fallstricke sind zu vielfältig. Natürlich braucht man Infrastruktur, doch wie bringt man das in Einklang mit einem so ambitionierten Nachhaltigkeitskonzept? Für München 2018 dürfen die Daumen gedrückt werden. Bären gibt es (seit Bruno) keine. Die Ureinwohner sind zumindest in Bayern gut integriert. Spielt dann noch das Wetter mit und gelingt es, eine nachhaltige Holzart zu finden, die PR-Ansprüchen genügt, dann werden die Spiele 2018, sollten sie denn nach München kommen, dennoch imagemäßig vom Nachhaltigkeitsaspekt profitieren können.
Alle Welt, das lässt zumindest die mediale Berichterstattung vermuten, hat darauf gewartet. Apple-Anhänger rund um den Globus verharrten schon seit der Ankündigung des iPads in ähnlichem Zustand, wie der Pawlowsche Hund nach dem Pfeifton: sabbernd. Was würde manch Marke darum geben, solche Aufmerksamkeit schlicht und ergreifend mit der Ankündigung einer (Wohnzimmer-) Pressekonferenz zu erreichen? So nett die Produkte auch sein mögen – kaum jemand, wahrscheinlich nicht einmal Steve Jobs selbst, kann endgültig erklären, was Apple so besonders macht. Die weitläufige Meinung, Apples Erfolgsgeschichte sei vor allem auf Marketing zurückzuführen, ist schlicht falsch. Die Produkte oder etwas an ihnen ist in den Augen der Kunden so sexy, dass es PR und Marketing nahezu überflüssig werden lässt.
Dennoch war nach der Präsentation des neuen Tablet-PCs ein äußerst geteiltes Medienecho zu vernehmen. Die einen sehen im iPad die neue Generation des PCs, andere kritisieren, dass das Produkt in Sachen Hardware zu wenige Neuerungen biete und nichts anderes als ein zu großes iPhone (ohne Telefonfunktion) sei. Wie immer ist an dem Gerät alles darauf ausgelegt, die Umsätze des Konzerns mit App Store und iTunes zu steigern.
Fraglich bleibt, ob der gemeine Apple-Anhänger die Kritik überhaupt wahrnimmt. Das iPad wird schließlich wie alle seine Vorfahren komfortabel zu bedienen sein, Musik abspielen können und einen schlanken Fuß machen. Wozu auch ein neues Design, wenn man Bewährtes einfach größer machen kann? Der nächste Selbstläufer scheint sicher. PR und Marketing sind also immer noch obsolet. Wer einen Beleg braucht, bitte schön: Nach zehnstündigem Straßencamping war ein gewisser Sebastian Birr der erste Kunde, der den neu eröffneten Apple-Store in Frankfurt betreten durfte. Sein Kauf: Eine Schutzhülle. Für sein iPhone. Wer solche Kunden hat, muss was richtig gemacht haben. Glückwunsch.
Die Erde hat gebebt und mit Haiti stand ein Land im Epizentrum dieser Katastrophe, das es ohnehin schon schwer genug hat. Auch wenn das Erdbeben nur einen Teil der Karibikinsel Hispaniola getroffen hat, so sind die Auswirkungen doch weltweit zu spüren. Thomas Gottschalk sammelte in seiner „mit der heißen Nadel gestrickten“ Spendengala über 17 Millionen Euro, George Clooney’s „Hope for Haiti Now“ Gala brachte es auf unglaubliche 57 Millionen Dollar. Aber nicht nur in Sachen Spendenaufrufe veränderte die Tragödie von Haiti unsere Fernsehlandschaft, auch das deutsche Werbefernsehen spürt die Auswirkungen.
50 Millionen Euro lässt sich der Deutsche Handwerkskammertag (DHKT) seine auf fünf Jahre angelegte Imagekampagne kosten. Herzstück der Kommunikation ist nach eigenen Angaben ein „außergewöhnlicher Spot“, der die Frage beantwortet, wie unsere Welt ohne das Handwerk aussähe. Menschen gehen durch die Straßen Berlins, um sie herum pulverisiert sich alles. Eine Zeitung löst sich auf, Kleidung zerfällt in ihre Einzelteile, Gebäude stürzen ein.
Durch den Claim „Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan.“ soll vor allem Jugendlichen die „soziale und gesellschaftliche Bedeutung“ des Handwerks vor Augen geführt werden. Die Agentur Scholz & Friends liefert neben dem Spot eine bundesweite Plakat- und Anzeigenkampagne. Die jugendliche Zielgruppe soll außerdem durch den Internetauftritt handwerk.de erreicht und für einen handwerklichen Ausbildungsberuf begeistert werden. Eine strategisch runde Kommunikationskampagne. Wäre da nicht Haiti.
Erstmalig rauschte der TV-Spot am Samstag den 16. Januar um 20.14 Uhr auf allen deutschen Privatsendern über die Bildschirme. Drei Tage nach dem Beben. Bis auf Weiteres soll dies der einzige Auftritt der „Wirtschaftsmacht Handwerk“ im deutschen Fernsehen bleiben. Nach Kritik der Zuschauer, die den Imagespot mit Nachrichtenbildern aus dem Katastrophengebiet Haiti verbanden, entschied der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) die Ausstrahlung auszusetzen. Der Präsident des ZDH Otto Kentzler erklärte, die Kampagne werde ohne den Spot fortgesetzt. Seiner Meinung nach gab es keinen Grund den Kampagnenstart zu verlegen. Der Spot „zeigt mit eindrucksvollen Bildern die Bedeutung des Handwerks für unsere Gesellschaft. Nach und nach löst sich all das auf, was vom Handwerk geschaffen wurde [...]. In der Darstellung wird niemand verletzt, nichts zerstört.“ Kentzler betonte jedoch sogleich, das soziale Engagement des Handwerks nach Naturkatastrophe wie der Elbe-Flut oder dem Tsunami.
50 Millionen Euro zum Aufbau eines modernen, innovativen Images: Auch wenn bei dieser Kommunikation nicht alles reibungslos nach Plan verlaufen ist, kann man doch von einem Erfolg reden. Die Imagekampagne des Handwerks ist im Gespräch. Scholz & Friends kann sich nun auszeichnen, indem sie die Gelegenheit ergreifen und aus der Not eine Tugend machen. Improvisation ist gefragt. Was könnte Jugendliche wohl besser motivieren sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, als aktiv in dessen Gestaltung eingebunden zu werden?
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Das Formel 1 Comeback von Michael Schumacher beschäftigte fünf Woche lang die Medien, erst spekulativ, dann, als es offiziell war, als „Sensation“, bis zum 24.12. fast ausschließlich positv, auf jeden Fall aber als Sportthema – bis der Mercedes Betriebsrat in Gestalt von Uwe Werner die Aufmerksamkeit auf die sieben Millionen Euro Jahresgehalt lenkte, die Schumacher angeblich bekommen wird und so das mediale Stimmungsbild teilweise von „Sensations-Comeback“ zu „Das stinkende Comeback“ umschwang.
Was war also schiefgelaufen in der ansonsten einwandfreien Schumacher-Kommunikation?
Es wurde offenbar versäumt, den Deal auch intern ordentlich zu kommunizieren. Schumachers Gehalt und sein Zusammenhang mit dem Arbeiter in deutschen Mercedeswerken, hätte vor allem nach innen besser kommuniziert werden müssen – es gibt nämlich kaum einen. Anders ist nicht erklärbar, warum sich der Mercedes Betriebsrat so kritisch über das Thema äußerte, und zwar öffentlich. Im Grunde hat Mercedes dadurch selbst dafür gesorgt, dass neben all der euphorischen Berichterstattung, die das Thema mit sich brachte, die einzigen kritischen Stimmen zunächst aus dem eigenen Lager kamen und so das bis dahin zu vielleicht 95% positive Bild in der Berichterstattung eine empfindliche Delle bekam. Und das in einer Zeit, in der ohnehin keine anderen Themen in der Öffentlichkeit stattfanden und die Medien dieses „Sensations“-Angebot gerne annahmen. Allein ein scheinbar unzureichendes Zusammenspiel von Mercedes’ Motorsportsparte, dem Verhandlungsführer Ross Brawn, Norbert Haugs Medienauftritten, und der internen Konzernkommunikation standen dem entgegen.
Sicherlich: Die Zahlen hinter dem Deal sind „den Leuten schwer zu vermitteln“, oder „für viele Kollegen unvorstellbar“, wie vom Betriebsrat her zu hören ist. Vielleicht hätte Mercedes gut daran getan, der eigenen Belegschaft vorher zu erklären, wo zum Einen das Geld für das Formel 1 Team Mercedes GP herkommt, nämlich nicht aus dem Gesparten aus den Kürzungen in Sindelfingen, sondern durch den Abschied vom viel teureren Engagement bei McLaren und zum Anderen was der Nutzen ist: Sicher ist es sportlich gesehen attraktiv und gibt dem neugegründeten Team einen ordentlich Startschub, aber vor allem ist das doch eine tolle PR-Maßnahme, die die Marke Mercedes über einen langen Zeitraum positiv bereits in die Medien brachte und weiterhin bringen wird. Vom Image-Gewinn wird Mercedes über Jahre profitieren können. Denn man hat sich mit einem Schlag die enorm lukrative und imagestarke Marke „Michael Schumacher“ eingekauft, die nun auch mit alten Ferrari-Erfolgen für Mercedes stehen wird und so immer der Stern im Zusammenhang mit der zukünftigen Rennfahrerlegende verwoben sein wird.
Schumachers Verpflichtung war und ist also neben einem dicken Versprechen für sportlichen Erfolg vor allem eine erstklassige PR-Maßnahme.
Auch wenn sich vor allem die Online Redaktion der Süddeutschen Zeitung mit drei großen negativen Artikeln in vier Tagen dagegen sträubt und unter dem Titel „Das stinkende Comeback“ Norbert Haug ein „Schönrechnen“ des Medienwertes vorwirft: Wenn dieser sagt, dass medial in den fünf Wochen zwischen 16. November und 24. Dezember in den Medien schon mehr geboten worden sei, als während fünf Wochen einer spannenden Formel 1 Saison, und dass der mediale Gegenwert weltweit schon jetzt leicht ein Hundertfaches der kolportierten sieben Millionen Euro Gehalt darstellte, dann mag das vielleicht etwas übertrieben und vor allem noch schwerer zu überprüfen sein, aber im Prinzip hat er damit Recht.
Währenddessen ging die generelle Gelddiskussion in den letzten sechs Tagen so weit, dass sogar der ausgewiesene Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg/Essen verlauten ließ, Mercedes müsse seine Autos 300€ teurer verkaufen, um Schumacher zu refinanzieren, als ob es zwischen dem Budget des Formel 1 Teams Mercedes GP und der Preisgestaltung von Mercedes PKW irgendeinen direkten Zusammenhang gäbe.
Es wäre interessant zu wissen, ob Norbert Haugs Medienwert-Rechnung noch positiver hätte ausfallen können, wenn der Rennstall Mercedes GP trotz aller Geheimhaltung vielleicht im eigenen Elternhaus für etwas mehr Transparenz gesorgt hätte. Interne Kommunikation wird schließlich gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten immer wichtiger (gerade wenn auch noch große Investitionen getätigt werden), die dem Großteil der eigenen Mitarbeiter vermutlich überflüssig vorkommen. Und dass das hier der Fall ist, hätte man sicher vorher ahnen können.