Der Public Relations Studierende Hannover e.V. wurden mit dem EuroBlog Social Media Award 2011 ausgezeichnet. Die European Public Relations Education and Research Association (Euprera) ehrt jedes Jahr europaweite Blog-Projekte, die sich die Möglichkeiten des Social Web zu Nutze machen und eng mit der Online-Community verbunden sind. Die Arbeit des PRSH wurde von den internationalen Juroren hinsichtlich der Kriterien Fokus und Vision, Kreativität, Originalität, Stil und Erkenntnis bewertet und in der Kategorie „effektivste Social Media Präsenz europäischer PR- / Kommunikationsstudenten“ zum Sieger gekürt. Der Vereinsblog sowie die Aktivitäten bei twitter und facebook wurden als inspirierendes Social Media Engagement bewertet.
Die Studierenden der FH Hannover setzten sich gegen Teilnehmer aus zehn europäischen Ländern durch. „Von Anfang an war unser Engagement im Social Web auch ein Selbstlernprozess. Wir Studenten wollten die Stärken von Twitter und Co nachvollziehen“, sagte der PRSH-Vorsitzende Martin Höfelmann in seiner Dankesrede beim Euprera Spring Symposium 2011, das in Lissabon stattfand und verwies darauf, dass sich der Verein gerade durch das Social Web wichtige Kontakte aufbauen konnte. „Wir hätten nie gedacht, dass man mit Twittern und Bloggen eines Tages von der Euprera nach Lissabon eingeladen wird. Wir sind sehr stolz, dass unser Engagement außerhalb von Deutschland auf Interesse stößt.“ Der Juryvorsitzende Philip Young, PR-Professor an der University of Sunderland, lobte das Engagement der Studenten aus Hannover und wertete es als Auftrag an die europäischen PR-Studiengänge: „Wir müssen die Ausbildung im Bereich Online-PR noch ernster nehmen. Der PRSH zeigt uns, wie wichtig dieses Thema ist. Es reicht nicht aus, wenn Professoren theoretisch über diese Dinge schreiben. Wir brauchen mehr Anwenderwissen.“
Die Preisverleihung der EuroBlog Social Media Awards fand im Rahmen des Euprera Spring Symposium am 3. März statt. Neben eines Preisgeldes von 250 € erhielt der PRSH die Gelegenheit, seine Arbeit vor einem internationalen Publikum von PR-Profis zu präsentieren.
“Wird jetzt alles ethisch(er)? – Die PR-Branche nach der Social-Media-Revolution” lautete der Titel der dritten Podiumsdiskussion der PR-Studierenden Hannover (PRSH) am Montag. Auf dem Podium des Leibnizhauses diskutierten PR-Experten aus Agenturen und Unternehmen vor 70 Gästen über Ethik, Social Media und Hahnenkämpfe.

Diskutierten auf dem Podium: Mario Köpers (Tui), Petra Friedlaender (Molthan van Loon), Monika Prött (DRPR) und Moderatorin Wiebke Möhring (v.l.n.r.; Foto: Tobias Köhne)
Wie sieht die PR-Branche nach der Social-Media-Revolution aus? Der Ansatz der dritten Podiumsdiskussion der PR-Studierenden Hannover erscheint aus studentischer Sicht einleuchtend. Schließlich sind Twitter, Facebook und Konsorten inzwischen Alltag in Agenturen und Unternehmen und wirbelten die PR gehörig durcheinander. Oder doch nicht? Wer der Podiumsveranstaltung des PRSH lauschte, der wurde eines Besseren belehrt: Weder Mario Köpers (Tui), Petra Friedlaender (Molthan van Loon) noch Monika Prött (Deutscher Rat Public Relations) hatten eine Revolution wahrgenommen. Die logische Folge: Es gebe auch keine neue Ethik.
Einhellige Meinung auf dem Podium: Social Media ist ein weiterer Kanal im ohnehin breiten PR-Spektrum. Und noch dazu ohne wertschöpfenden Aspekt. Mario Köpers: „Auf den Beweis, dass Social Media auf der Vermarktungsebene etwas bringt, warte ich bis heute.“ Der Twitter-Account der Konzerntochter Tui Cruises habe 6.000 Follower – im Vergleich mit den 1,6 Millionen Kunden ein verschwindend geringer Anteil.
Die Angst vor dem Dialog sitzt tief
Bei allen drei Gästen auf dem Podium überwog deutlich erkennbar noch immer die Skepsis gegenüber den neuen Kommunikationskanälen. So beschworen Sie beinahe einhellig die Gefahren und das Krisenpotential von ersten Gehversuchen im Web 2.0 – kleiner Seitenhieb auf die „Chefticket“-Aktion der Deutschen Bahn inklusive. Eine lebhafte Diskussion entstand dann jedoch zur Frage, ob sich Nutzer des Web 2.0 mit ihrem Klarnamen erkennbar machen sollten.
Dabei war der Veranstaltung kurz vor ihrem Beginn ein herber Schlag versetzt worden, da Klaus Merten (com+plus) nicht dem Chefticket, sondern der dahinter stehenden Deutschen Bahn zum Opfer gefallen war. Der Aufforderung von Moderatorin Wiebke Möhring an das Publikum, durch kritische Fragen die Rolle Mertens anzunehmen, kamen gerade die Studenten gerne nach. Neben den ortsansässigen Hannoveranern war auch reichlich PR-Nachwuchs aus der Umgebung angereist.
Ethik-Richtlinie des DRPR bekam wenig Input aus der Praxis
Monika Prött, kurzfristig für ihren Kollegen Heiko Kretschmer eingesprungen und Mitglied im Deutschen Rat Public Relations, bedachte im Vorfeld der Veranstaltung geäußerte Kritik am DRPR von Klaus Kocks mit einem Lächeln und unterstrich die Legitimation des Rates. “Die Ethikgremien anderer Berufe, nehmen Sie Anwälte oder Ärzte, sind auch mit Vertretern eben dieses Berufsstandes besetzt. Warum soll dies bei der PR anders sein?”, erklärte Prött. Gleichzeitig räumte sie aber auch ein, dass man sich insbesondere von der in diesem Jahr veröffentlichten Online-Richtlinie, die der Rat vorher öffentlich in Form eines Blogs zur Diskussion gestellt hatte, mehr Beteiligung erwartet hätte.
“Das war schon enttäuschend und ernüchternd”, so Prött, die in Bezug auf den Vorwurf einer fehlenden Moderation, dem Nicht-Einhalten von Deadlines und der umso plötzlicheren und eher intransparenten Veröffentlichung der Richtlinie seitens des DRPR um Verständnis warb, dass die ehrenamtlichen Ratsmitglieder eben auch selbst beruflich enorm eingespannt seien.
Bei der nächsten Aschewolke „feuert“ Tui auch mit Social Media
Mario Köpers konnte für Tui allerdings Besserung bei der Nutzung der sozialen Netze versprechen: „Bei der nächsten Aschewolke werden wir auch Social Media einsetzen.“ Gemeint war der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull, der unter anderem auch die Rückkehr zahlreicher Tui-Urlauber verhindert hatte. Man habe damals „aus allen Rohren gefeuert“, die sozialen Netzwerke jedoch vernachlässigt. Beim nächsten Mal solle dies anders werden.
Zum Abschluss schlug Köpers dann noch einmal den Bogen in Richtung Ethik: Lügen dürfe man bei PR nicht, man müsste aber auch nicht immer alles verraten. Und: „Bewahren Sie sich fünf Prozent moralische Flexibilität.“
Mehr Fotos von der Veranstaltung auf unserer Facebook-Seite.
Die Videozusammenfassung
Dialogorientierte Kommunikation. Das ist in Zeiten von Twitter, Facebook und Co in aller Munde. Doch wie sehr gewollt ist diese Transparenzoffensive eigentlich von den PR-Schaffenden selbst? Wird hier die Kommunikationsbranche nicht viel mehr durch die neue Offenheit sozialer Netzwerke von neuen Nutzungsgewohnheiten der “User” zu mehr Transparenz gezwungen? Ist dialogorientierte Kommunikation überhaupt grundsätzlich ethischer? Erst kürzlich lud der Deutsche Rat für Public Relations die Branche ein, sich an der Ausarbeitung der neuen “Richtlinie zu PR in digitalen Medien und Netzwerken” zu beteiligen. Der Branchen-Input war hingegen eher schwach. Gleichzeitig hat die Ethik-Debatte rund um die Kommunikation im Internet noch eine ganz andere Facette: Während von Unternehmen völlige Absenderklarheit eingefordert wird, sieht man sich dort wiederum nicht selten anonymer Kritik ausgesetzt. Wie eindimensional ist hier also die Kritik an der Kommunikationsbranche?
Der Livestream zur heutigen Podiumsdiskussion ist unter livestream.com/prsh zu finden!
Der PRSH e.V. möchte in seinem dritten “PRSH im Gespräch” am 6.12.2010 im Leibnizhaus Hannover ab 18.00 Uhr daher diesmal unter dem Motto “Wird jetzt alles ethisch(er) – Die PR-Branche nach der Social-Media-Revolution” insbesondere auf drei Aspekte eingehen:
- Fremdbestimmung oder echter Sinneswandel? – Wie ernstgemeint ist die neue Transparenzoffensive?
- „Gläserne Unternehmen“ gegen anonyme Kritiker. Wie eindimensional ist die Ethik-Debatte?
- Dialog für die Kunden, Verbot für die Mitarbeiter? Die Angst vor dem Verlust der Deutungshoheitem>
Unsere Gäste auf dem Podium:

Heiko Kretschmer, Geschäftsführer von Johanssen+Kretschmer, Mitglied im Deutschen Rat für Public Relations, Stellv. Vors. der GPRA und Ethikbeauftrager der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung

Petra Friedlaender – Geschäftsführerin Molthan van Loon Communications Consultants

Prof. Dr. em. Klaus Merten – Geschäftsführender Gesellschafter complus, Akademie für Kommunikationsmanagement; Von 1985 bis zur Emeritierung Inhaber der Professur für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Public Relations an der Universität Münster

Mario Köpers – Executive Director Unternehmenskommunikation TUI Travel, Central Europe; zuvor u.a. Kommunikationschef der Thomas Cook AG
Moderation: Prof. Dr. Wiebke Möhring, Professur für Öffentliche Kommunikation an der FH-Hannover, langjährige Wissenschaftliche Mitarbeiterin am IJK Hannover und PRSH-Beiratsmitglied
Zum Ablauf:
Einlass im Leibnizhaus ist um 18.00 Uhr. Der PRSH verwöhnt seine Gäste diesmal mit einem Glühwein zur Begrüßung. Start der Diskussion ist 18.30 Uhr. Die Teilnahme ist selbstverständlich kostenlos. Über eine Vorabanmeldung freuen wir uns!
Veranstaltungsort:Leibnizhaus Hannover, Holzmarkt 5, 30159 Hannover
Anmeldung:
Der Public Relations Studierende Hannover e.V. freut sich auch beim dritten “PRSH im Gespräch” äußerst spannende Teilnehmer ins Leibnizhaus von Hannover gelockt zu haben. Durch die Teilnahme von Mario Köpers (Executive Director Unternehmenskommunikation Europa Mitte bei der TUI Travel) ist unsere Diskussionsrunde, die am 6.12. ab 18 Uhr im Herzen der Altstadt von Hannover stattfindet, komplett. Das Thema des Abends: “Wird jetzt alles ethisch(er)? – Die PR-Branche nach der Social Media Revolution”. Besonders stolz sind wir darauf, dass auch diesmal durch die Zusammensetzung des Podiums gelungen ist, dass sowohl die Agentur-, die Unternehmens-, als auch die Verbandssichtweise in die Diskussion einfließen können. Neben Mario Köpers nehmen Prof. Dr. Klaus Merten (complus/ Universität Münster), Petra Friedlaender (Molthan van Loon) und Heiko Kretschmer (Johanssen+Kretschmer/ DRPR) an der Veranstaltung teil. Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Wiebke Möhring von der FH Hannover, die zugleich Beiratsmitglied des PRSH e.V. ist.
Zugegeben, die letzten Wochen tat sich ungewohnt wenig. Eigentlich sogar ein gutes Zeichen, denn wir hatten alle praktikumsmäßig zu tun. Doch nun wird fleißig an den nächsten Veranstaltungen gebastelt. Von PRSH-Seite hoffen wir, zwei Exkursionen zu spannenden Unternehmen auf die Beine stellen zu können. Außerdem wird in naher Zukunft das erste “PR-Lecture”, ein Gastvortrag von einem Kommunikationsexperten aus der Praxis, stattfinden. Man darf also gespannt sein.
Nun sei aber zunächst auf zwei Termine hingewiesen, mit denen wir rein gar nichts zu tun haben, sie jedoch nur wärmstens empfehlen können.
Termin-Tipp Nummer 1: Das “Herrenhäuser Gespräch” zum Thema “Cloud Culture – Liegt die Zukunft der Kommunikation in den Wolken?”
Sascha Lobo und Kathrin Passig, zwei der prominentesten Vertreter der deutschen Internet-Szene, diskutieren mit Wissenschaftlern: Wie verändern Blogs, Foren und Wikis unsere Kommunikation? – „Herrenhäuser Gespräch“ am 30. September, 19 Uhr, im Restaurant Schlossküche in Herrenhausen.
Wann und wo? Donnerstag, 30. September 2010, 19 Uhr, Schlossküche Herrenhausen, Alte Herrenhäuser Strasse 3, 30419 Hannover
Mehr dazu und auch die Anmeldung gibt es hier.
Termin-Tipp Nummer 2: Das ConventionCamp, die Internet(Un)-Konferenz
Blogger, Social-Media-Gurus, Wissenschaftler, Nerds und Studenten diskutieren über die neuesten Trends der digitalen Kommunikation. Das letzte Jahr war schon sehr spannend und top-organisiert. Also anmelden!
Wann und wo? 10. November (ganztägig), Convention-Center der Deutschen Messe AG, Messegelände Hannover.
Alles weitere hier.
Im ersten Video-Interview berichtete Stefan Keuchel (Google) über die eierlegende Wollmilchsau, den Bewerberansturm bei Google oder aber Cloud-Computing. Im Anschluss an unsere Podiumsdiskussion vom 15.6., auf der der Kommunikationsmanager 2.0 gesucht wurde, beantwortete auch Claudia Sommer (Webmanager Greenpeace) in einem weiteren Interview die Fragen von Rebecca Acar. Themen: Social Media bei NGOs, der beste Job der Welt, die Webstrategie von Greenpeace.
Am Dienstag dieser Woche machten wir uns auf die Suche nach dem Kommunikationsmanager 2.0. Ein hochkarätig besetztes Podium, moderiert von Dominik Ruisinger, diskutierte in Hannover über die Herausforderungen für PR-Berater im Social Web.
In einem sind sich die Podiumsgäste einig: Für das Web 2.0 ist Leidenschaft gefragt. „Der Kommunikationsmanager 2.0 sollte wirklich Bock auf das Thema haben“, so der Geschäftsführer von Eyecansee Communications Daniel Görs über die wichtigste Eigenschaft eines Social Web-Managers. Schließlich verschwindet die Grenze zwischen Beruf und Privatleben in diesem Bereich immer mehr. Wenn Stefan Keuchel – alias „frischkopp“ – twittert, nimmt er das nicht als Arbeit war. Nur seine „wife 2.0“ sei davon weniger begeistert, erzählt der Pressesprecher von Google Deutschland. Bei Görs, ehrenamtlicher Leiter des DPRG-Arbeitskreises „Digital Relations/Social Media“, ist das ähnlich: „Ich bin offline, wenn mein Akku alle ist.“ Kurze Zeit später springt er auf und hastet zur Steckdose – sein Handyakku ist alle.
Kommunikationsmanager 2.0 – vielseitig einsetzbar
Bei all dem Hype um Social Media darf die klassische PR-Arbeit jedoch nicht vergessen werden. „Ein Kommunikationsmanager 2.0 braucht gute Kenntnisse in beiden Bereichen. Er muss crossmedial denken und handeln können“, gibt Timo Lommatzsch – Unitleiter Digital Dialogue bei Molthan van Loon – zu bedenken. Zudem sollte er wenigstens Grundkenntnisse im Bereich Suchmaschinenmarketing und Suchmaschinenoptimierung besitzen. Greenpeace-Webmanagerin Claudia Sommer sieht eine weitere Herausforderung für PR-Fachleute: „Man muss heute viel mehr zuhören als vor einigen Jahren.“ Im Web 2.0 geht es darum, einen persönlichen Dialog zu führen. Wer das authentisch schafft, kann die neuen Tools erfolgreich für sich nutzen.
Vor allem bei der Krisenkommunikation können Kommunikatoren über Twitter und Co schnell reagieren und so auch Zeit gewinnen. Keuchel erzählt aus der Praxis: „Vor wenigen Wochen funktionierte Google Mail nicht. Ich war gerade beim Friseur und habe beim Shampoonieren nochmal bei Twitter reingeschaut“, berichtet Keuchel. „Durch die Tweets anderer User habe ich gemerkt: Da stimmt etwas nicht. Ich habe sofort in der Firma angerufen und erfahren, dass sie bereits an dem Problem arbeiten. Bis das Mail-Programm nach ein paar Stunden wieder funktioniert hat, habe ich meine Follower ständig auf dem Laufenden gehalten. Obwohl die Leute fast einen ganzen Vormittag lang ihre E-Mails nicht abrufen konnte, war das Feedback absolut positiv.“
Natürlich muss nicht jeder PR-Berater im Web 2.0 aktiv sein. Allerdings sollte er mit Begriffen des sozialen Netzes umgehen können und wissen, was sich dahinter verbirgt. Wer sich aber mit Begeisterung auf diesen Bereich spezialisiert, dürfte es bei der Jobsuche nicht schwer haben. „Unter 100 Bewerbungen für Stellen für Social Media ist vielleicht eine dabei, die passt“, meint Sommer. Auch die anderen Podiumsgäste können aus eigener Erfahrung berichten, wie schwer es ist, kompetente Social Media-Manager zu finden. „Wir würden uns über Bewerbungen freuen“, folgt der Aufruf an die im Publikum sitzenden Studenten. Welche beruflichen Herausforderungen gefordert sind, haben die Podiumsgäste während der anderthalbstündigen Diskussion genauer erklärt. Oder, um es kurz und knapp mit den Worten von Stefan Keuchel zu sagen: „Der Kommunikationsmanager 2.0 ist eine eierlegende Wollmilchsau.“
Im Laufe der nächsten Tage werden wir die aufgenommenen Kurzinterviews mit den Podiumsgästen online stellen. Diese können dann hier und in unserem YouTube-Channel angesehen werden.
Sina Petzold, Tobias Köhne und Sascha Nottmeier
Ina Steinbach ist PR-Beraterin bei achtung! in Hamburg. Ihr Schwerpunkt liegt in der Unternehmenskommunikation. Thematisch befasst sie sich mit dem gesamten PR-Portfolio von Krisen-PR über Issues Management bis hin zur PR im Web 2.0. Im Rahmen des letztgenannten Arbeitsschwerpunkts betreut sie beispielsweise den Twitter-Auftritt von eBay in Deutschland. In unserem ersten Interview der Reihe “PR-Interview” stellte sich Ina Steinbach insbesondere unseren Fragen rund um das Thema Online-PR.
Herzlichen Glückwunsch! Der von Ihnen betreute Ebay-Account hat kürzlich die 4000 Follower-Marke durchbrochen. Gab es ein Geschenk aus San José?
Ina Steinbach: Nein, das gab es nicht, aber meine Ansprechpartner in der eBay-Pressestelle waren natürlich sehr froh über diesen weiteren Meilenstein. Wobei die Zahl der Follower mir persönlich nicht so wichtig ist. Wenn wir es schaffen, einen kontinuierlichen Dialog zu führen und Kundenanfragen zur Zufriedenheit der Kunden zu beantworten, dann ist das wesentlich wichtiger als solche Zahlen.
Wann sind Sie das erste Mal mit Twitter in Kontakt gekommen und waren Sie bereits damals von den kommunikativen Möglichkeiten für Unternehmen überzeugt?
Ina Steinbach: Laut Twitter bin ich seit März 2008 angemeldet – was verglichen mit einigen Early Adoptern natürlich sehr spät ist. Zu Beginn war ich überhaupt nicht von Twitter überzeugt, wie wohl die meisten beim ersten Kontakt. Sinn und Kraft von Twitter erschließen sich erst, wenn man eine Weile am Ball bleibt und sich langsam Follower & Verfolgte finden.
Erzählen Sie uns von Ihrem Tagesgeschäft. Wie sieht die Arbeit einer Social-Media-Beraterin aus?
Ina Steinbach: Ich bin keine Social-Media-Beraterin, sondern klassische PR-Beraterin und sehe mich auch als solche. Social Media-Kommunikation ist aber ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit und muss es meines Erachtens auch für alle PR-Berater heutzutage sein. Mein Tagesgeschäft setzt sich insofern sehr stark aus ganz klassischen PR-Tätigkeiten zusammen, wobei Social Media-Monitoring der wichtigste kontinuierliche Bestandteil der täglichen Arbeit ist. Ein Großteil der Social Media-Beratung ist auch immer noch, Ängste und Fragen von Unternehmen zu klären, die sich teilweise sehr unsicher sind, ob und wie sie Social Media nutzen sollten.
Was glauben Sie, wie viel Strategie und wie viel blinder Aktionismus stecken im deutschen Corporate-Twitter?
Ina Steinbach: Hinter den meisten Corporate Accounts stecken schon viel Know-How und Strategie. Oft fehlt die Anbindung an einer größere Social Media-Strategie, wobei man hier auch sagen muss, dass Twitter ganz klar ein kostengünstiger Türöffner für eine Gesamtstrategie ist. Aber nur zu twittern macht schlicht keinen Sinn, wenn man ansonsten eine klassische Top-Down-Kommunikation betreiben will.
Sie twittern im Namen der PR-Agentur achtung!. Können Unternehmen die Twitterei nicht selbst managen oder sind Agenturen einfach besser und innovativer?
Ina Steinbach: Ich finde sogar, dass ein Corporate Twitter-Account, der sich auf Unternehmensthemen mit Customer Support-Elementen konzentriert anstatt auf pure Markenkommunikation, eher im Unternehmen angesiedelt sein sollte. achtung! hat den eBay-Account beispielsweise erfolgreich auf den Weg gebracht und im ersten Jahr betreut. Nun übernimmt die Unternehmens-Pressestelle, worüber ich mich sehr freue. Denn natürlich sind die Ansprechpartner dort noch näher am Thema und nun werden auch direkte Einblicke in das Unternehmen möglich, die ich als externe Beraterin, egal wie nah ich an den Themen im Tagesgeschäft dran bin, nur unter Mehraufwand liefern kann.
Zum twitternden Mitarbeiter: Was ist dieser? Chance, Gefahr, Authentizität? Und: Muss er durch Social Media-Kodizes gebändigt werden?
Ina Steinbach: Mit gebändigt werden hat das gar nichts zu tun. Man kann durch Social Media-Richtlinien Ängste und Unsicherheiten nehmen, bei vielen Mitarbeitern herrscht in Bezug auf Social Media große Unsicherheit. Mitarbeiter, die frei und persönlich twittern, können ein authentisches Bild des Unternehmens nach außen tragen und tragen dadurch einen wertvollen Teil zum Employer-Branding bei.
In Bezug auf Twitter wird immer wieder, und auch zu Recht, auf Schwierigkeiten in der Evaluation hingewiesen. Wie schätzen Sie diese Problematik persönlich ein und wie evaluiert man bei achtung! Corporate-Twitter?
Ina Steinbach: Evaluation ist eine Herausforderung. Tools wie Klout, das ich sehr zu schätzen weiß, beginnen allmählich, die Twitter-Auswertung zu professionalisieren. Reichweite allein halte ich dabei für wenig aussagekräftig. Der Dialoganteil und die Klickraten von getwitterten Links sind da schon wichtigere Kennzahlen. Eine Systematik ist hier ganz klar noch in der Entstehung begriffen, ich probiere sehr viel aus und teste neue Evaluationsinstrumente.
Auch reine B-to-B-Unternehmen wie Airbus nutzen mittlerweile die Welt der Social-Media. Macht sowas aus Ihrer Sicht Sinn und warum?
Ina Steinbach: Klar macht das Sinn. Es sind ja stets Menschen, die sich austauschen, aneinander Fragen richten, sich Empfehlungen geben. Und es geht um Wohlwollen und Sympathie untereinander. Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Sympathie braucht es sowohl „B-to-C“ als auch „B-to-B“.
Selbst eine der größten deutschen Banken, die Commerzbank, ist nicht auf Twitter aktiv. Kann man sich so etwas heutzutage noch leisten und mit welchen Argumenten würden Sie den Commerzbankern zu einem Twitter-Engagement raten?
Ina Steinbach: Das müsste ich mir genauer anschauen. Grundsätzlich: Twittern MUSS keiner. Es ist nur einer von vielen, vielen Social Media-Kanälen, und jedes Unternehmen muss ganz klar evaluieren, was Sinn macht und wie es welche Kanäle nutzen will. Was sich allerdings kein Unternehmen mehr leisten kann ist, die Kommunikation in den partizipativen Netzen gänzlich zu ignorieren.
Der ebay-Twitter leistet unter anderem Support für Kunden, Daimler hat einen eigenen Presse-Twitter-Account. Wie hilfreich kann Support, wie gründlich Presseinteraktion in 140 Zeichen sein? Wissen die „social media gurus“ nicht mehr was ein Telefon ist?
Ina Steinbach: Sie wissen es schon, aber sie nutzen halt den ganzen Tag sowieso ihren Rechner. Es ist schneller, mal eben kurz den Twitteraccount eines Unternehmens zu fragen, als umständlich eine Nummer rauszusuchen und dort anzurufen. Allerdings wird die Konversation bei komplexen Themen natürlich zwangsläufig schnell auf Email gezogen, da 140 Zeichen in den seltensten Fällen ausreichen.
Twitter entwickelt derzeit eine spezielle Anwendung für Unternehmen namens „Contributor“. Damit sollen Firmen Nutzerkonten eröffnen können, über das gleich mehrere Angestellte mit Kunden kommunizieren können. Wird das Corporate-Twitter damit neuerfunden?
Ina Steinbach: Klingt spannend. Aber solche Anwendungen gibt es bereits, unter anderem CoTweet und Hootsuite. Von CoTweet bin ich persönlich ziemlich beeindruckt. Das neue Team hinter dem eBayDE-Account wird diese Anwendung nutzen.
Vor einiger Zeit saßen Sie bei einem Seminar unter anderem mit den Verantwortlichen der Unternehmens-Twitter-Profile von Kodak, Allianz, Germanwings oder Otto zusammen. Was waren Ihre zentralen Erkenntnisse?
Ina Steinbach: Dazu gibt es einen sehr spannenden Blog-Beitrag, der alle Hinweise und Tipps sehr gut zusammenfasst: Hier ist er zu finden
Folgender Fall: Ein twitternder Meinungsführer hat zum wiederholten Male ersteigerte Ware nicht erhalten und teilt sich via Twitter mit. Kriegen Sie das mit und wie ist der kommunikative Ablauf in einem solchen Fall?
Ina Steinbach: Ich bekomme das mit, über gezieltes Twitter Monitoring. Ich würde in einem solchen Fall die Person per @reply anschreiben und fragen, ob ich helfen kann. In der Regel wird dieses Angebot schnell und gerne angenommen. Die Details werden dann per Direct Message und Email geklärt. Wenn die Angelegenheit dann erledigt ist, freuen wir uns über einen Danke-Tweet natürlich ganz besonders!
In einem Zeit-Interview berichtete Karen Heumann (Jung von Matt) von einer Meinungsführer-Freundin die, nachdem sie twitterte, dass sie bei C&A kein Dirndl mehr bekommen hätte, von C&A vier verschiedene Dirndl zugeschickt bekam. Allerdings viermal in der gleichen und falschen Größe. Eine fast perfekte Aktion also. Ersetzt der Dialog den Monolog bei Unternehmen und wie lange wird es dauern, bis solch eine Kommunikation Status Quo in deutschen Unternehmen sein werden?
Ina Steinbach: Dem Dialog kann sich kein Unternehmen entziehen. Allerdings hängt es stark davon ab, wie die generellen Strukturen in einem Unternehmen gestaltet sind. Unternehmen mit flachen Strukturen tun sich eventuell leichter. Sicher ist es auch bei Weltkonzernen schwierig, ständig alle laufenden Konversationen im Netz zu beobachten. Langfristig werden aber fast alle Unternehmen sich den neuen Kommunikationsgewohnheiten der Gesellschaft anpassen (müssen).
Letzte Frage mit der Bitte um eine 140-Zeichen-Antwort: Mal abgesehen von ebay. Welche Twitter-Accounts deutscher Unternehmen sind aus Ihrer Sicht besonders gelungen und warum?
Ina Steinbach: @Cinemaxx @otto_de @mymuesli sind meine liebsten Accounts wegen Dialog & Authentizität. Im Employer Branding setzt @otto_jobs Benchmarks.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg in 2010!
Links:
Ina Steinbach bei Twitter
eBay bei Twitter
Twitter-Tipps von deutschen Corporate-Twitter-Verantwortlichen
Interview mit Karen Heumann (Jung von Matt) u.a über das zwitschernde Dirndl
Wenn das Gala-Dinner anlässlich der Silvester-Feierlichkeiten auf dem neuen Aushängeschild von TUI Cruises, der „MeinSchiff“, auch nur halb so gut gelungen ist, wie das PR-Feuerwerk von TUI Cruises im Jahr 2009, dann muss man sich um das Wohl der Passagiere keine Sorge machen. Dabei hatte das PR-Jahr noch mit einem Schmunzeln begonnen, da die Kreuzfahrtsparte der TUI es soweit in Sachen Kundendialog getrieben hatte, dass diese, mit Zwischenschaltung einer Jury, dem neuen Luxusliner prompt den etwas hölzern anmutenden Namen „MeinSchiff“ gaben. Ein Name, der zwischen Queen Mary II oder Pride of Hawai zwar auffällt, aber nicht überzeugt.

Die "MeinSchiff" (Foto: TUI Cruises)
Was machte das Jahr 2009 zu einem MeinSchiff-Jahr?
Vorab erwähnt sei dabei, dass es TUI Cruises bestens verstand die Öffentlich-Rechtlichen vor das eigene Schiff zu spannen. Dies war erstmals eindrucksvoll bei der glamourösen Taufe im Hamburger Hafen zu sehen. Der NDR, der sich nachträglich viele Fragen dazu gefallen lassen musste, berichtete am 15. Mai zwei Stunden live. Unter der Schiffshymne, gesungen von Anna Netrebko, taufte dann auch folgerichtig NDR-Allzweckwaffe Ina Müller das Schiff. NDR-Show-Bühne und eine Talksendung der „aktuellen Showbude“ rundeten die perfekte Inszenierung gekonnt ab, in der sich TUI Logo und MeinSchiff nicht über zu wenig Aufmerksamkeit beschweren konnten. Dass Productplacement nach dem „Marienhof-Skandal“ noch so leicht und offensichtlich möglich ist, ist schon erstaunlich. Bei TUI Cruises wird es keinen gestört haben.
Doch wer denkt, dass man die Vermarktung seines Produkts im öffentlich rechtlichen Fernsehen nicht noch toppen könnte, der sah nicht die im Sommer abgedrehten Folgen des ZDF-Kochsendungsmarktführers „Die Küchenschlacht“. Hier kochen Hobbyköche unter Beaufsichtigung von Lafer, Lichter und Co täglich um die Wette. Ein Sternekoch spielt dabei jeweils Preisrichter, kegelt einen Kandidaten pro Tag raus und ernennt am Ende jeder TV-Woche den Sieger.
Eine ganz normale Kochsendung? Nicht im Sommer. Denn da wurde die ZDF-Sendung auf dem Sonnendeck der „MeinSchiff“ abgedreht. Statt eines kargen Studiohintergrundes konnte der Zuschauer die Stadtansichten von Malaga, Cadiz, Lissabon oder Bordeaux sehnsüchtig bewundern. Das Kochoutfit ließen die Juroren in ihren Kabinen. Das „MeinSchiff“-Polohemd sah einfach besser aus. In diesem wurden sie dann noch von den moderierenden Kollegen sinngemäß unter den Worten angekündigt: „Gerade noch in der tollen MeinSchiff-Saunalandschaft und jetzt hier bei uns“. Komplettiert wurde für TUI auch diese gelungene PR-Aktion durch aussagekräftige Intros, die das Schiff von seiner schönsten Seite zeigten. Wohlgemerkt: Hier ist die Rede vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und zugegeben: Der im nicht gerade mediterranen Deutschland sitzende Zuschauer, der die Ausstrahlung im kühlen Herbst sehen durfte, muss sich mächtig nach diesem Schiff gesehnt haben.
Das wusste auch der CEO, Richard J. Vogel: „Mit Johann Lafer, Horst Lichter, Alexander Herrmann und Alfons Schubeck haben wir an Bord vier Spitzenköche, die für unsere Gäste die Reise auf der „Mein Schiff“ zu einem außergewöhnlichen Erlebnis machen. Kochsendungen erfreuen sich gerade bei Hobbyköchen immer größerer Beliebtheit.“ Bedenkt man, dass Zuschauer von Kochsendungen, in denen von Amateuren oftmals statt Reibekuchen eher Langusten an Kürbisravioli geboten werden, wohl auch noch so ziemlich die Zielgruppe des Genießer- und nicht Animations- „MeinSchiff“ sind, kann man TUI Cruises nur beglückwünschen.

Basis der Social-Media-Offensive: meinschiff.tv
Bei diesen gelungen Aktionen vergisst man völlig, dass auch Online einiges geboten wird. Sicherlich kann man darüber streiten, ob der gut situierte Kunde Twitter und Videoblogs nutzt, dennoch werden diese Kanäle geschickt besetzt. Die niemals versiegende Quelle deutscher Promis, Komiker und Künstler, die regelmäßig die „MeinSchiff“ zwischen Spitzbergen und Trinidad bevölkern, wird hier gekonnt in Szene gesetzt. Sei es, wenn „MeinSchiff-Golfer Heiner Lauterbach“ auf Deck den Schläger schwingt, Roger Cicero zusteigt, Reiner Calmund den Tiefgang vergrößert oder 2010 Panikrocker Udo Lindenberg sein Zimmer im Atlantik gegen den Konzertsaal des Luxusliners eintauschen wird.
Über Twitter und Facebook erfahren die „dummen“ Daheimgebliebenen etwas vom Django-Asül-Silvesterauftritt, bei Flickr kann man den letzten Sonnenuntergang neidvoll nachempfinden. Und auf http://meinschiff.tv/ gibt es dauerhaft Bewegtbilder der schiffseigenen Moderations-Crew und Verweise auf die euphorische Berichterstattung von Spiegel.TV, RTL, Merian, BILD und Co. Im Bereich Media-Relations muss TUI Cruises enorm viel geleistet haben. Vielleicht ist das erste Schiff des deutschen Reiseriesens aber auch einfach nur ein medialer Selbstläufer? Die Basis für diesen Erfolg ist aber letztendlich ein gutes Produkt. Schenkt man den vielen Kommentaren auf den Seiten des Video-Blogs Glauben, scheint TUI dieses zu haben, gute PR gab es in 2009 zumindest reichlich.
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