
Bernhard Fischer-Appelt zu Gast beim PRSH
Wie ist die Zukunft der PR-Agenturen? Wie sieht sich ein PR’ler selbst? Und: Wie hat das damals eigentlich angefangen mit der Agentur? Bernhard Fischer-Appelt, Inhaber der gleichnamigen Agentur, stand den PR-Studierenden am Dienstag in einer PR-Lecture Rede und Antwort.
Alles fing mit einer Schülerzeitung an. Und der Erfahrung, dass sich die Auflage verdoppelt, wenn der Schuldirektor diese so anstößig findet, dass sie verboten wird – und man sie außerhalb des Schulgeländes verkauft. Diese Erkenntnis, gepaart mit dem ersten Modell eines Macintosh-Computers, war die Initialzündung für die Gründung von fischerAppelt, heute eine der einflussreichsten und größten PR-Agenturen Deutschlands.
Man habe schon früh auf die Umweltkommunikation gesetzt und es außerdem geschafft, nicht auf die Dotcom-Blase hereinzufallen, erzählt Bernhard Fischer-Appelt. Eine große Delle in der Unternehmensbilanz verschaffte der jungen Agentur jedoch der “grüne Punkt” mit ausfallenden Zahlungen. Die Lehre daraus ist für Fischer-Appelt klar: “Nie wieder spezialisieren!”.
Es folgte stetiges Wachstum und der Übergang in die “Föderation der Ideen”, der Differenzierung in nunmehr sechs Agenturen unter einem Markendach mit spezifischer Aufgabenstellung.
Doch während man früher mit frechen Ideen aus einem kleinen Team die großen Agenturen vor sich hertrieb, habe sich dies wegen der eigenen Größe ein wenig gewandelt. Fast wehmütig klingt es, als Fischer-Appelt sagt: “Wir sind vom Jäger zum Gejagten geworden”.

Bernhard Fischer-Appelt im Kino des Planet MID
Und wo liegt die Zukunft der PR-Agenturen? Auf Nischen spezialisieren? Oder alles aus einer Hand anbieten? “Beides ist möglich”, sagt der Agenturchef. Aber: “Große Strukturen ersticken immer Kreativität”. Deswegen komme es letztendlich immer darauf an, Hierarchien flach zu halten. Trotzdem müssten sich Agenturen heute breiter aufstellen, findet Fischer-Appelt. Große, relevante Kampagnen seien zunehmend voll integriert, mit einer klugen Mischung aus Werbung, PR und online als verbindendem Element. “Mono-disziplinäre Agenturen, die z.B. nur Klassik oder PR anbieten, werden daher in Zukunft ein Nischendasein führen.”
Die sieben Berufe im PR-Beruf
PR’ler, führt Fischer-Appelt aus, hätten doch eigentlich garnicht einen, sondern mindestens sieben Berufe. In der Krisenkommunikation sei der PR’ler der Feuerwehrmann, der die Brände löscht, gleichzeitig aber auch Museumspädagoge, der eine Welt erklärt die sonst niemand versteht. Auch Dramaturg, Protokollchef, Dealer, Themenmanager und Schachspieler seien Public Relations Fachleute in einer Person.
Doch wie steht es um die Attraktivität des Arbeitgebers für Absolventen? “Wir tun da eine Menge”, sagt Fischer-Appelt. Eine Agentur sei schließlich eine Nachwuchsentwicklungsmaschine. Aber: “Auch kein Erholungsort”.
Beitragsreihe: Masterlücke- oder Brücke? Der Plan für Zwischendurch.
Bachelor in der Tasche, Master-Plan gezeichnet, aber kein Studienplatz? Oder Master absolviert, aber von unternehmenstypischen Hierarchien und chronischer Agentur-Unterbezahlung nach diversen Praktikumserfahrungen die Nase voll?
In einer Beitragsreihe stellt der PRSH e.V. Lückenbüßer-Optionen mit Karrierekick vor.
Freiberuflich coworken
Viele Studierende arbeiten bereits parallel zum Studium freiberuflich und haben die Möglichkeit auch nach dem Studienabschluss, diese Tätigkeit als Brücke oder Einstieg in die Berufswelt zu nutzen. Beim Edelstall, Hannover’s erstem CoWorking Space, ging der PRSH den Prinzipien der Selbstständigkeit am geteilten Arbeitsplatz auf den Grund.
Jonas Lindemann, Edelstall CoWorker, arbeitet in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) als Strategieberater für Kommunikation und Marketing. Was ihn zur Arbeit als Selbstständiger motiviert hat? „ Flexibilität hinsichtlich der Tagesgestaltung und der Umsetzung einzelner Projekte. Bei meiner Arbeit in Agentur und Unternehmen haben mich die vorherrschende Ellbogen-Mentalität und Karrieregeilheit gebremst.“, so Lindemann.
Und was sagen die Kunden zur Arbeitsform des CoWorkings? Neukunden seien meist neugierig. Doppeldoktoren herrschten in der klassischen Strategieberatung, während celiklindemann mit ihrem Dienstleistungsangebot einen jüngeren Ansatz der Brand Strategies verfolgen. ” Unsere Kunden sind jung und innovativ.”, sagt Lindemann. Neue Dienstleistung, junge Kunden – das Konzept des Edelstalls biete den perfekten Präsentationsraum.
Der Einstieg in die PR-Selbstständigkeit
Wer sagt, dass Einsteiger das Rundum-Sorglos-PR-Paket anbieten müssen? Prinzipiell wird zwischen strategischen und operativen Leistungen unterschieden. Für wen der Kaltstart mit der Erstellung eines vollständigen Kommunikationskonzeptes zu riskant erscheint, ist je nach Kompetenz und Ausbildungsgrad ein Einstieg über die operative PR-Arbeit denkbar: Ob Texten von Pressematerial, Copywriting, Lektorat, Erstellung von Onlineauftritten und Multimediaprodukten oder Betreuung von Social-Media Repräsentanzen… .
Honoriert werden diese Leistungen laut DPRG mit Stundensätzen zwischen 60 und 70 Euro. Für die Erstellung von Kommunikationskonzepten und die kontinuierliche Betreuung von Kunden winken bereits Honorarpauschalen im vierstelligen Bereich.
Die freiberufliche PR-Arbeit ist zudem nicht gewerbesteuerpflichtig. Sie muss lediglich innerhalb von vier Wochen nach Beginn der Geschäftstätigkeit beim Finanzamt angemeldet werden. Ausgerüstet mit einer Steuernummer, werden Freelancern und Zusammenschlüssen als GbR lediglich Einkommens- und Umsatzsteuer berechnet. Gut zu wissen ist aber, dass Freiberufliche mit ihrem Privatvermögen haften.
Gründungswillige finden bei der Gründerwerkstatt Hannover weiterführende Informationen und Beratung.
Der Co-Working Space - ein Portrait
„ Interdisziplinäre Grenzen werden gesprengt. Ein Ort des Austausches und der Inspiration entsteht.“ titelt es auf der Webseite des Edelstalls. Sehr romantisch klingt das, aber tatsächlich ist Zeit in CoWorking Spaces Geld. Nimmt man sich diese also, um anderen Input zu geben?
„ Ja!“, sagt Hardy Seiler, Mitgründer des Edelstall. Gleich dem Medici-Effekt vereine der CoWorking Space das Ideenpotential von Selbstständigen aus verschiedenen Branchen außerhalb traditioneller Grenzen des Bürowürfels.
Natürlich sind die zwischen 25 und 35 jährigen und zu 60 % mac-kreativen CoWorkernden ambitioniert. Alle wollen vorankommen und arbeiten ständig an Selbstoptimierung. Aber: Der offene State of Mind sieht persönlichen Fortschritt im Austausch – Ob passiv beim Lauschen und Aha-Effekt nebenbei oder aktiv, durch gegenseitiges Lernen im 9-bis-5-Arbeitsalltag, Workshops oder Kontaktreihen.
Letztere sind auch für PR-Selbstständige ein großes Plus. Netzwerken ist in der offenen Arbeitsatmosphäre leicht. Wöchentliche Anfragen und Ausschreibungen über die facebook-Seite des Edelstall schaffen die Möglichkeit der Kundenakquise. So kann sich über das Gesuch eines Grafikers auch der Auftrag für eine Textertätigkeit oder eine umfassende Kommunikationsberatung erschließen. Die Atmosphäre in CoWorking Space strahlt Produktivität, Kompetenz und Kooperation aus. Ein weiterer Vorteil gegenüber dem Home-Office: Vor dem Kunden erscheint man nicht als Einmannbetrieb, sondern als unterhalte man ein gesamtes Büro.
Bei aller Gedankenfreiheit, Ideenaustausch und gegenseitigem Input zählt dennoch Vertraulichkeit gegenüber dem Auftraggeber. Diese wird, wie auch bei der Agenturarbeit, vertraglich geregelt.
Edelstall Hannover – wie es funktioniert
Mit einer Zehnerkarte steht euch an zehn vollen Tagen à zehn Euro ein Arbeitsplatz zur Verfügung. Infrastruktur, das heißt Schreibtisch, Stuhl, Bildschirm, Tastatur und Wlan werden gestellt.
Die PR-Studierenden der FHH sind herzlich willkommen – zur Besichtigungstour oder auch einem kostenlosen Probetag. Ihr arbeitet nicht frei neben dem Studium und auch sonstige kreative Projekte finden sich derzeit nicht auf Eurer Agenda? Die Semesterprüfungen stehen bevor und acht Stunden im Edelstall garantieren nicht nur Netzwerk- und Inputmöglichkeiten, sondern bewahren euch auch vor der Küche, die dringend wieder einmal geputzt werden müsste oder dem Berg Bügelwäsche, der nun/jetzt/gleich/sofort abgebaut werden muss.
Sturm, Drang und Fernweh? Lest im nächsten Beitrag, welche Karrieremöglichkeiten die Internetplattform Escape the City bietet.

Wo die Herzen von Autofans höher schlagen: Der PRSH in der Autostadt in Wolfsburg
Die PRSH-Exkursion in die Autostadt stand ganz unter dem Motto Mobilität. Auf der imposanten „Piazza“ empfing uns Tobias Riepe, Leiter der Unternehmenskommunikation des Themenparks in Wolfsburg. Nach einer kurzen Begrüßung lernten wir die Autostadt in einer persönlichen Führung durch die Park- und Lagunenlandschaft näher kennen. Bei dieser spannenden Entdeckungstour durften wir die Autostadt nicht nur als Themenpark, sondern auch als Service- und Kommunikationsplattform kennen lernen. Dabei beeindruckte uns die Detailverliebtheit, mit der der Park angelegt wurde. Nicht nur der hohe Servicegedanke, sondern auch die visuelle Kommunikation der markenübergreifenden Automobillandschaft war überall erkennbar. Jeder Autopavillon ist architektonisch an die jeweilige Markenphilosophie angelehnt: So ist zum Beispiel der Audi-Pavillon ringförmig angelegt. Für all diejenigen, die sich eher für die Geschichte und Entwicklung der Automobilindustrie interessieren, bietet das Zeithaus, das besucherstärkste Automobilmuseum der Welt, einen kompletten Überblick über die Autogeschichte seit deren Entstehung. Dort lassen Modelle aus allen Jahrzehnten die Herzen der Autoliebhaber deutlich höher schlagen. In den beiden 48 Meter hohen Autotürmen werden täglich durchschnittlich 600 Neuwagen ausgeliefert. Wie wir später erfahren haben, sind die beiden Autotürme nicht nur die Wahrzeichen der Autostadt in Wolfsburg; die Autostadt schafft es zudem deren Bilder in der Automobilbranche mit Volkswagen zu assoziieren.
In einer kurzen Unternehmensvorstellung präsentierte uns Christian Hammerich, Leiter des Operations Managements, die Philosophie sowie den Qualitätsanspruch des automobilen Themenparks. In stetiger Entwicklung versucht die Autostadt Qualitätsstandards und den Servicegedanken weiter zu perfektionieren. Denn erst „ausgezeichnet“ ist ein annehmbarer Status, der für den Service des Parks akzeptiert wird. Es sei nicht möglich, sich auf dem einmal Erreichten auszuruhen, so Hammerich. Die Herausforderung läge vielmehr im permanenten Streben nach Innovationen. So eröffnete die Autostadt in Wolfsburg zur diesjährigen Wintersaison die mit 30 Metern Höhe größte freistehende Rodelbahn der Welt.
Mobilität 2.0
Nach der Einladung zu einem Mittagessen, das all unsere kulinarischen Vorstellungen übertraf, stellte uns Tobias Riepe zusammen mit Pamela Gutermilch, Projektmanagerin Online Unit, die Besonderheiten der Kommunikation in der Autostadt vor. Auch bei der Kommunikation ist ganz nach dem Motto „Mobilität“ kein Stillstand in Sicht. Der Schwerpunkt des Nachmittags lag hierbei auf dem Bereich Social Media. Mit einem professionellen Facebook- und Twitter-Auftritt hat die Kommunikation bereits vor einiger Zeit den digitalen Spurwechsel ins Web 2.0 gewagt. Die Autostadt erfindet sich eben immer wieder neu. Im Kundencenter befindet sich daher seit vergangenem Sommer die innovative Kommunikationsplattform socialsphere. Sie ist ebenfalls ein Ausdruck von Mobilität. Parkbesucher können die socialsphere räumlich begehen und an sieben Touchscreen-Terminals Visualisierungen von Netz-Konversationen zu den Themen Autostadt, Volkswagen und Mobilität erleben. Gespeist werden sie von aktuellen Daten aus dem Internet; dadurch sind sie ständiger Veränderung unterworfen und geben einen unmittelbaren Einblick in die digitalen Diskussionen, die gerade stattfinden. So kann man erleben wie Menschen weltweit zum Thema Autostadt, Bewegung und Mobilität kommunizieren.
Dass uns diese und viele weitere interessante Einblicke gewährt wurden, verdanken wir Sarah Trzynka, die ihr Praxissemester in der Autostadt absolviert hat und den Ausflug organisierte. Abschließend möchte sich der PRSH bei der Unternehmenskommunikation der Autostadt in Wolfsburg für diesen gelungenen Ausflug und die herzliche Betreuung bedanken.
Lan Anh Nguyen und Daniela Weltz

Mitglieder von Kommoguntia (Mainz), campus relations (Münster und PRSH trafen sich in der Johannes-Gutenberg-Universität. (Foto: Robert Ritterhoff)
Am Freitag, den 25. November machten sich acht PRSHler auf den Weg nach Mainz, um sich gemeinsam mit Vertretern der Universitäten Mainz und Münster zu einem Treffen der studentischen PR-Initiativen zusammenzufinden. Angekommen ging es für einen Glühwein mit Schuss in die Adventsgasse auf den Mainzer Weihnachtsmarkt. Danach führten uns die Mainzelmännchen beziehungsweise -weibchen für Speis und Trank in den Augustinerkeller, wo wir bereits von der überaus freundlichen Kellnerin “Olga” erwartet wurden. Dabei erwies sich Olga ab der ersten Minute als echtes Goldstück (Achtung: Ironie!) und bewirtete ihre Gäste liebevoll, nett und überaus zuvorkommend mit Schnitzel, Flammkuchen und Weinschorle.
Nachdem Olga uns den Abend versüßt hatte, begann auch der nächste Morgen mit einer kleinen Überraschung: In der Mainzer Jugendherberge war unser Tisch am Frühstücksbuffet auf den Namen “DRSH/FA Hannover” reserviert – da uns diese Schreibweise so gut gefällt, denken wir bereits über ein Re-Branding nach. Gegen neun Uhr fanden sich dann in den Räumen der Mainzer Uni die Mitglieder von Kommoguntia und campus relations zu einem Workshop zusammen. Unter der Leitung von Alfred Jansen, Geschäftsführer der A&B One Kommunikationsagentur GmbH, erarbeiteten wir in mehreren Teams ein internes Kommunikationskonzept zum Thema Corporate Social Responsibility einer europäischen Institution. Unter der Prämisse “Umweltschutz ist sexy” und unterstützt von Saft, Keksen und Pizza wurden die Ergebnisse am Ende des Tages vorgestellt und diskutiert.
Wir bedanken uns bei Allen für das schöne Wochenende, ganz besonders bei Herrn Jansen und unseren Gastgebern aus Mainz und hoffen, euch bald mal in Hannover begrüßen zu dürfen – Zu dem nächsten Treffen der studentischen PR-Initiativen.
Im Rahmen der PRSH-Gastvortragsreihe „PR Lecture“ begrüßt der PRSH einen prominenten Gast:

Klaus Kocks
Prof. Dr. Klaus Kocks, PR-Berater und ehemaliger VW-Vorstand, ist am 12. Dezember ab 17 Uhr mit einem Vortrag über die „Henne-Ei-Problematik“ bezüglich Journalismus und PR Gast des PRSH (Event bei Facebook).
Die Veranstaltung wird im Kinosaal des Planet MID auf der Expo Plaza 4 stattfinden. Im Anschluss an den Vortrag besteht bei einem kleinen Umtrunk Gelegenheit zum Austausch.
Wenn die Begriffe Public Relations und Ethik in einem Atemzug genannt werden, erzeugt diese Kombination nicht nur in der Öffentlichkeit und bei den Journalisten, sondern auch bei den PR-Praktikern selbst, häufig nur ein müdes Lächeln. So ergab eine an Kommunikationsprofis gerichtete Umfrage des PR-Barometers rund um das Thema Ethik in der Kommunikation aus dem Jahr 2009, dass die PR-Akteure ihr eigenes Berufsfeld mit viel Skepsis betrachten. Nur etwas mehr als 15 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass es um die Ethik in der PR-Branche gut bestellt ist. Dabei sind sogar ganze 40 Prozent davon überzeugt, dass sich das ethische Verhalten der Kommunikationspraktiker im Laufe der letzten fünf Jahre verschlechtert hat.
Besonders der Terminus Wahrheit scheint mit dem größtenteils negativ behafteten Image der Öffentlichkeitsarbeit unvereinbar, ist dieser Beruf der breiten Öffentlichkeit doch eher unter den Begriffen „Schönfärberei“ oder „Schleichwerbung“ bekannt. Doch wie sieht eine ethische PR eigentlich aus? Welche Informationen müssen, dürfen oder sollen preisgegeben werden? Ist es von Vorteil, die ungeschminkte Wahrheit zu sagen, sollten unbequeme Details besser verschwiegen werden oder ist die Lüge als fester Bestandteil der öffentlichen Kommunikation bereits unverzichtbar?
Theorie und Praxis nur schwer vereinbar
In der Praxis ergibt sich eine klare Diskrepanz zwischen den vorgegebenen theoretischen Normen und ihrer Umsetzung im Berufsalltag. Ein stetiger Konflikt zwischen der Auftragserfüllung im Sinne des Auftraggebers und der wahrheitsgemäßen Informierung der Öffentlichkeit. Zu welchen Kontroversen dieser Konflikt führen kann, lässt sich an einem aktuellen Fallbeispiel veranschaulichen:
Im Dezember 2010 reiste der Blogger, Fotograf und Künstler Stefan Gbureck als Anhalter medienwirksam durch Europa. Die Aktion „Tramp a Benz“ nutzte dabei so gut wie alle Kanäle, die Social Media zu bieten hat: Gbureck dokumentierte seinen Trip mit Texten, Bildern und Videos auf seinem Blog, Youtube und Facebook. Der Clou an der Sache: Das ehemalige Hugo Boss Model ließ sich nur von Mercedes-Benz-Fahrern mitnehmen – eben ganz getreu des Markenslogans „The Best or Nothing“. Von Berlin ging es in 17 Reisetagen nach Barcelona. Schöne Idee eigentlich. Eigentlich. Wäre da nicht die Kleinigkeit, dass die Idee zur Kampagne gar nicht von Gbureck selbst kam. Das Ganze war von der Agentur Jung von Matt inszeniert, die – wie der Zufall es so will – auch für die Markenbildung von Mercedes-Benz verantwortlich ist.
Dabei wurden die „Hintermänner“ der Aktion zu keinem Zeitpunkt kommuniziert, noch war sich das Publikum überhaupt darüber im Klaren, dass es sich um eine PR-Maßnahme handelte. Und auch nachdem Horizont.net am 3. Dezember 2010 berichtete, dass die Domain der Aktions-Website auf Jung von Matt registriert sei, erklärte Stefan Gbureck vehement, der alleinige Urheber der Aktion zu sein. Erst einige Tage später tauchte der Name Jung von Matt klammheimlich im Impressum der Website auf. Dabei hatten der Blogger und die Agentur in der mehrwöchigen PR-Aktion gezielt Markenbotschaften im Sinne des Auftraggebers Mercedes-Benz platziert. So heißt es auf der Website unter anderem: “Tramp a Benz is about the freedom to be on the road [… ] as fast and safe as possible.”
Guerilla-Kommunikation vs. gezielte Täuschung der Öffentlichkeit
Erst in einer persönlichen Anhörung vor dem Deutschen Rat für Public Relations Mitte Februar 2011 räumten die Verantwortlichen von Jung von Matt ein, „Tramp a Benz“ gezielt geplant und mit Wissen und finanzieller Unterstützung von Mercedes-Benz umgesetzt zu haben. Dabei konnte Gbureck für den künstlerischen Part gewonnen werden, was aber nicht heißt, dass er nicht von Agenturseite auf seiner Reise begleitet und redaktionell unterstützt worden wäre. Was auch nicht heißt, dass es Jung von Matt davon abhielt, „Tramp a Benz“ bei den Cannes Lions 2011 in der Kategorie PR einzureichen, obwohl das Beschwerdeverfahren des DRPR zu dem Zeitpunkt schon angelaufen war.
Die Entscheidung des Kontrollorgans der deutschen PR-Wirtschaft ließ lange auf sich warten. Erst im Juni 2011 und damit sieben Monate nachdem die Aktion online ging, fällte der als „zahnloser Tiger“ verkannte DRPR seinen Ratsspruch: „Der DRPR rügt Jung von Matt als Urheber und für die Umsetzung verantwortliche Agentur für ihre verdeckte PR-Maßnahme durch die intransparente Aktion „Tramp a Benz“ im Internet. Der DRPR rügt Mercedes-Benz als Auftraggeber und verantwortliches Unternehmen, das von der PR-Maßnahme gewusst und diese finanziell unterstützt hat. Ferner wird eine Rüge gegen Stefan Gbureck ausgesprochen, der auf dem Blog „Tramp a Benz“ den Anschein erweckt hat, eine persönlich motivierte Aktion durchzuführen, obwohl er in der Vorbereitung und bei der Durchführung durchweg von Jung von Matt unterstützt wurde.“
Eine Rüge für alle Beteiligten der Kampagne wegen Verstoßes gegen Transparenz und Absenderklarheit und somit klare Verstöße gegen nationale wie internationale PR-Richtlinien. So heißt es beispielsweise in Artikel vier des Code de Lisbonne: „Public Relations-Aktivitäten müssen offen durchgeführt werden. Sie müssen leicht als solche erkennbar sein, eine klare Quellenbezeichnung tragen und dürfen Dritte nicht irreführen.“ Den Einwand, dass der PR-Rat mit seiner Entscheidung jegliche Guerilla-Kommunikation verhindert, lassen die Verantwortlichen nicht gelten. Zentrales Element einer sogenannten Mystery-Phase müsse sein, dass das “Geheimnis” kurzfristig gelüftet und der Absender genannt wird. Eine solche sei weder in dem Blog erkennbar noch wurde sie von Jung von Matt nach eigener Aussage für diese Aktion eingeplant, so der Rat.
Jung von Matt gewann den goldenen Löwen in Cannes übrigens und handelte sich damit noch mehr Kritik vom DRPR ein. Der fordert die Festivalverantwortlichen nun dazu auf, der Agentur und dem Kunden den PR-Preis abzuerkennen. Außerdem wurden Stimmen laut, die ganze Aktion sei sowieso nur abgekupfert. Bereits im Jahr 2008 hatte Peugeot in Dänemark ein ähnliches Projekt umgesetzt. So wird „Tramp a Benz“ in Medienberichten zur „Goldene[n] Belohnung für kreative Trittbrettfahrer“. Die Kampagne hat den erhofften viralen Effekt definitiv erfüllt – allerdings eher negativ. Und verbannt Public Relations damit erneut in die Ecke der Schleichwerbung.
Was lernen wir daraus?
Kaum ein anderer Beruf ist derartig von moralischen Handlungsempfehlungen abhängig wie die Public Relations. Unmoralisches Handeln wird – oftmals durch die Medien verstärkt – von der Öffentlichkeit bewusst oder unbewusst wahrgenommen und hat somit direkte Auswirkungen auf das Image der gesamten Berufsbranche. Der Wahrheitsgehalt von PR-Maßnahmen beeinflusst die obersten Zielwerte der PR wie Glaubwürdigkeit, Transparenz und Vertrauen in unterschätztem Maße. Dieses gilt besonders im Sinne eines einheitlichen Berufs- und Rollenverständnisses und vor der Absicht, das Image der Öffentlichkeitsarbeit in eine positive Richtung zu lenken. Schon lange wird in Wissenschaft und Praxis die Forderung nach einer Ethik für den heutigen PR-Berufsalltag laut, die akzeptier- und anwendbare ethische Standards des Berufsstandes ermittelt. Denn die moralischen Verhaltensanforderungen an die PR-Praktiker haben sich mit der Zeit und der Veränderung des Berufsfeldes entwickelt und werden dies auch in Zukunft weiterhin tun.
Das Eröffnungspodium des vom PRSH veranstalteten Niedersächsischen PR-Forums lässt sich jetzt in voller Länge bewundern: Wir stellen hier einen kompletten Mitschnitt der Diskussionsrunde zum Thema “Wenn Ansprüche zu Herausforderungen werden” zur Verfügung. Von links: Dr. Felix Gress (Continental), Andreas Meurer (VW Nutzfahrzeuge), Hartwig von Saß (Deutsche Messe AG), Dominik Ruisinger (Moderator), Karl-Heinz Heuser (Burson-Marsteller) und Prof. Dr. Peter Szyszka (Uni Wien).
Der PR-Studierende Hannover e.V. hat einen neuen Vorstand: Joana Witt, Daniela Sievers und Fabian Radix lenken nun die Geschicke der Vereinigung von PR- und Journalismus-Studenten der Fachhochschule Hannover. Da Attila Söder und Martin Höfelmann kurz vor ihrem Studienabschluss stehen, scheiden sie aus dem Vorstand aus, stehen aber weiter mit Rat und Tat zur Seite.

Daniela Sievers, Joana Witt und Fabian Radix (v.l.) sind der neue PRSH-Vorstand. (Foto: Tobias Köhne)
Während Joana Witt (Master Kommunikationsmanagement) sich um Organisatorisches und Presse kümmert, zeichnet Fabian Radix (Master Kommunikationsmanagement) insbesondere für die Onlinedarstellung und Social Media verantwortlich. Daniela Sievers (Bachelor Public Relations) wird sich vorwiegend mit den Exkursionen der Studierenden befassen.
Der Public Relations Studierende Hannover e.V. ist ein Zusammenschluss von Studenten, Alumni und Unterstützern der PR-Studiengänge an der Fachhochschule Hannover. Der gemeinnützige Verein will den Studierenden der Fachrichtungen Public Relations (Bachelor), Kommunikationsmanagement (Master) und Journalismus (Bachelor) auch außerhalb der regulären Vorlesungen Wissen vermitteln. Kontakte zwischen Theorie und Praxis knüpfen, Engagement zeigen – das sind weitere Ziele der Gemeinschaft, die im Jahr 2009 von Studenten rund um Martin Höfelmann gegründet wurde.
Diese Ziele realisiert der Verin durch Vorträge externer Fachleute, die Diskussionsreihe “PRSH im Gespräch” bei der PR-Profis Fachthemen mit den Studenten debattieren, Exkursionen zu Institutionen aus dem Bereich der Public Relations sowie Workshops oder zusätzliche Lehrangebote.
24 PR-Praktiker und Wissenschaftler auf fünf Podien, rund 200 Zuschauer, viele neue Einblicke und Kontakte – die Bilanz des vom PRSH organisierten Niedersächsischen PR-Forums in Hannover kann sich sehen lassen. Kommunikationsprofis von VW, Continental, Dr. Oetker, Microsoft und E-Plus diskutierten am Freitag auf der von Studenten organisierten Veranstaltung über Bezugsgruppenwandel, Ethno-PR, CSR, interne und politische Kommunikation.
“Gesellschaftsrevolution! Kommunikationsevolution?” lautete das Motto der Veranstaltung im Radisson Blu Hotel an der Expo Plaza in Hannover.
Für den Einstieg in die Thematik sorgte der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Niedersachsen, Stefan Wenzel. Es gäbe eine Reihe von Indikatoren, die für einen gesellschaftlichen Wandel sprächen. Finanzkrise, Fukushima, Stuttgart 21 – die Menschen seien zutiefst verunsichert und damit auf der Suche nach neuen Antworten.
Im Anschluss saßen mit Felix Gress (Continental), Andreas Meurer (VW Nutzfahrzeuge), Hartwig von Saß (Deutsche Messe), Karl-Heinz Heuser (Burson-Marsteller) und Peter Szyszka (Uni Wien) fünf Kommunikationsprofis auf der Bühne, die diesen Gedanken aufgriffen.
Heuser vertrat dabei deutlich die These, dass Kunden Unternehmen in Zukunft immer häufiger die Frage stellen würden, wie denn ihre gesellschaftliche Wertschöpfung aussähe. Dies müsse daher Teil des betriebswirtschaftlichen Denkens in Unternehmen werden. Die Ansprüche der Bezugsgruppen seien erheblich gestiegen.
Empörungsgesellschaft also? – Ja, irgendwie schon, fand man auf dem Podium. Aber womöglich nicht immer bedeutsam. Kritisch sei daher für Unternehmen immer die Frage der Bewertung. Gress: “Sie können nicht jedes kleine Feuer austreten”. Und Meurer: “Manche Dinge muss man auch einfach mal aussitzen.”
Von Klosterbibliotheken, Werkszäunen und alten Hüten

Eröffnungspodium: Von Klosterbibliotheken, Werkszäunen und alten Hüten
Schnell drehte sich die Diskussion jedoch eher um den Weg der Übermittlung als die inhaltliche Aussage. Insbesondere die radikalen Äußerungen von Andreas Meurer in Bezug auf Onlinemedien sorgten für Geraune im Saal – und auch virtuell bei Twitter. Der Kommunikationsleiter von VW-Nutzfahrzeuge bemängelte die fehlenden persönlichen Kontakte mit Onlinejournalisten und Bloggern. Es handele sich um eine “anonyme Masse”, um Leute die “irgendwas zurecht zimmern”. Viele Onliner hätten einfach kein Abbild mehr von der Realität. “Andreas Meurer befindet Onlinejournalisten für inkompetent und nicht nach journalistischen Sorgfaltskriterien arbeitend”, hieß es schon Sekunden später bei Twitter.
Während Meurer sich an den negativen Einflüssen des Web festgebissen hatte, konnte Hartwig von Saß diesem auch wertschöpfende Aspekte abgewinnen. Direktes Feedback führe zu besserem Service, personelle und finanzielle Investitionen für Onlinekommunikation seien sinnvoll.
In einem erstaunlich weit geschlagenen Bogen fasste Conti-Kommunikator Felix Gress die Veränderungen in der Kommunikation zusammen: “Früher ging man in die Klosterbibliothek, heute eben ins Internet.” Diese Entwicklung brächte zwangsläufig einen Glaubwürdigkeitsverlust, weil Instanzen fehlten, die Vertrauen schaffen könnten. Auch sei die Kommunikation dort weniger steuerbar. Gress: “Unser Unternehmen hört nicht mehr am Werkszaun auf.”
Kommunikationswissenschaftler Peter Szyszka winkte nur lässig ab: “Das sind doch alles alte Hüte.” Die Debatte sei eine zyklisch wiederkehrende. Am Schluss laufe es doch wieder auf eines hinaus: Die Glaubwürdigkeit der Kommunikation sei entscheidend, nicht der Weg der Übermittlung.
Zwischen Nachhaltigkeit und Lederhosen-PR

Viele neue Erkenntnisse galt es mitzuschreiben
In vier kleineren Diskussionen, von denen jeweils zwei parallel stattfanden, ging es dann um weitere große Themenfelder, die die PR-Branche bewegen: Ist CSR eher Pflicht oder Kür? Wie geht man mit Wutbürgern kommunikativ um? Ist die One-Voice-Policy eigentlich Geschichte? Wie nutzt man die Power seiner Mitarbeiter für die Außendarstellung? Und sollte man Deutsche mit Migrationshintergrund eigentlich gesondert ansprechen? Zumindest letzteres nicht unbedingt – schließlich mache man auch keine Lederhosen-PR für die Bayern.
Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierten sechs Absolventen der Fachhochschule Hannover ihre Masterarbeiten – mit einem breiten Themenspektrum: Von erneuerbaren Energien über die Bedeutung des geografischen Raumes in der Kommunikation oder der mitarbeiterorientierten Ansprache in der internen Kommunikation wurden die Forschungsergebnisse in interessanten Feldern dargestellt.
Beiträge über die einzelnen Workshops sowie ein kompletter Mitschnitt des Eröffnungspodiums folgen in den nächsten Tagen. Twitter-Beiträge zum PR-Forum lassen sich hier nachverfolgen. Die Bildergalerie findet sich hier.
Von Daniela Wrage

Die Universität in Karlstad
Elche, IKEA und Pippi Langstrumpf sind wahrscheinlich die ersten Dinge, die einem zu Schweden einfallen. Doch Schweden hat noch so viel mehr zu bieten: Stockholm, die schönste Stadt Skandinaviens, faszinierende Natur und die leckersten Feiertage der Welt (zum Beispiel der „Våffeldagen”!), um nur ein paar Dinge aufzuzählen. Ein Besuch in Schweden lohnt sich also auf ganzer Linie!
Karlstad – Die „Sonnenstadt“
Das Logo von Karlstad ist nicht ohne Grund ein Sonnensymbol. Die Sonne scheint hier fast jeden Tag und macht selbst die eisigen und langen Winter in Schweden erträglich. Karlstad liegt zentral zwischen Oslo und Stockholm am wunderschönen Vänern See. Die Hauptstadt der Provinz Värmland hat ca. 84.000 Einwohner und eine kleine aber feine Innenstadt, die zum Kaffee, dem Nationalgetränk der Schweden, und einem Kladdkaka (schwedischer Schokokuchen) einlädt. Im Übrigen hat Karlstad das beste Eishockey-Team Schwedens und, ob man es nun will oder nicht, man wird automatisch zu einem eingefleischten Eishockey-Fan!
Modern, interkulturell, vielfältig – Studieren in Karlstad
Karlstad hebt sich besonders durch die nagelneue, moderne Universität ab. In Schweden müssen Studenten zum Glück keine Studiengebühren bezahlen. Der Studienaufbau hingegen ist in Schweden komplett anders geregelt als in Deutschland. Das Semester ist hier in zwei Hälften geteilt, welche jeweils ca. zwei Monate dauern. In einem Semesterabschnitt belegen die Studenten nur ein bis zwei Kurse, die allerdings bis zu je 15 Credits wert sind. Austauschstudenten, die oft nur ein bis zwei Semester in Schweden bleiben, belegen meistens nur einzelne Kurse.

Weite Landschaften im Schnee
Wer länger bleiben möchte, kann aber auch ein zweijähriges, englischsprachiges Masterprogramm belegen. Im Bereich Kommunikation/PR gibt es in Karlstad leider keinen Bachelor- oder Masterstudiengang. Allerdings können während des Auslandssemsters einzelne für PRler interessante Kurse auf Englisch belegt werden, wie zum Beispiel „Intercultural Communication and Media“ oder „Media, Culture and Technologie“. In den einzelnen Kursen sind die Gruppen meist überschaubar, die Zusammenarbeit miteinander ist sehr freundschaftlich und, wie überall üblich in Schweden, die Dozenten und Studenten duzen sich gegenseitig.
Nachtleben in Karlstad
„Work hard, Party harder!“ lautet das Motto der meisten Austauschstudenten, denn das Studentenleben besteht hier zum Glück nicht nur aus lernen. Die Studenten aus den verschiedensten Ländern feiern gemeinsam ausgiebig in den unterschiedlichen Clubs Karlstads. Abends starten regelmäßige „Prepartys“ auf dem Campus, um sich auf den Abend einzustimmen. Wer allerdings die Nacht zum Tag machen will hat sich zu früh gefreut: um 2 Uhr nachts ist in den Clubs in Karlstad Schicht im Schacht. Feiern und Vorlesungen am nächsten Tag sind also kein Widerspruch!
Fazit: Das Land, wie auch das Studium ist einzigartig und einen Aufenthalt 100%ig wert! In diesem Sinne: hej då! Vi ses i Sverige!